VFS zeichnet auch für den Umgang mit Archivdateien zuständig. Steht der Cursor auf einer Archivdatei, entpackt ein Druck auf die Eingabetaste deren Inhalt und zeigt ihn im zugehörigen Panel an. Dort lassen sich die Dateien und Verzeichnisse einsehen und bei Bedarf entpacken. Das Programm unterstützt die gängigen Formate wie beispielsweise TAR, GZ und BZIP2. Den Versuch, Dateien einem bestehenden Archiv hinzuzufügen, quittiert Mc allerdings mit einer Fehlermeldung.
Über das Benutzermenü ([F2]) verpacken Sie Dateien oder Verzeichnisse. Allerdings verwendet der Dateimanager dabei nicht das Verzeichnis des inaktiven Panels als Zielverzeichnis: Komprimieren Sie eine einzelne Datei, landet diese im Ursprungsordner, bei ganzen Verzeichnissen finden Sie das Archiv eine Verzeichnisebene höher. Dieses Verfahren entspricht nicht dem üblichen Vorgehen.
Das Herstellen einer Remote-Verbindung erfolgt über Einträge in den panelspezifischen Menüs Links und Rechts. Zur Verfügung stehen Verbindungen via FTP, SSH, SFTP und SMB. Der Eintrag Shell-Verbindung… steht im Mc-Jargon für eine SSH-Verbindung. Alternativ lassen sich die Verbindungen über den Dialog Schnelles cd herstellen, den Sie mit [Alt]+[C] öffnen. Die dort geltende Syntax zeigt Listing 1.
Listing 1
sh://User@Ziel.de/Verzeichnis ftp://User@ftp.Ziel.de/Verzeichnis smb://User@Ziel/Verzeichnis
TIPP
Der VFS-Layer unterstützt noch eine Vielzahl weiterer Abstraktionen. Hier lohnt sich ein Blick auf die Handbuchseite.
Mc speichert diese Eingaben in seiner History. Auf die mögliche Angabe eines FTP- oder SMB-Passworts verzichtet die Software hier aus Sicherheitsgründen. Die Angaben für User und Verzeichnis sind optional. In den Konfigurationsdateien ~/.netrc (für FTP) und ~/ssh/config (für SSH) enthaltene Einträge berücksichtigt das Tool. Enthalten diese keinen zum Server eingetragenen Benutzer, verwendet Mc im Fall von FTP den Benutzer anonymous, anderenfalls erfolgt eine entsprechende Abfrage.
Nach dem Herstellen der Verbindung lässt sich diese mit [Strg]+[X],[H] zu der Hotlist genannten Favoritenliste hinzufügen (Abbildung 3). Das ermöglicht ein einfaches Wiederherstellen der Verbindung mit [Strg]+[AltGr]+[ß]. In der Hotlist lassen sich auch lokale Verzeichnisse hinterlegen.

Abbildung 3: Die aktuelle Verbindung lässt sich in einer Hotlist speichern, die in ihrer Funktion den Lesezeichen entspricht.
Sieht man von Problemen beim Wiederaufbau der Verbindung nach einem Suspend ab, liefert Mc im Umgang mit SSH- und FTP-Verbindungen ein gutes Ergebnis. Mit seinen zwei Panels eignet sich der Dateimanager auch gut als Relaisstation zwischen zwei Servern. Erfolgt die Anzeige horizontal, verlieren Sie auch bei langen Dateinamen nicht die Übersicht (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der Midnight Commander eignet sich auch sehr gut als Relaisstation zwischen zwei Servern.
Im Umgang mit SMB-Freigaben zeigte Mc auf unseren Testsystemen jedoch erhebliche Schwächen. Eine einmal etablierte SMB-Verbindung machte den Mc zudem sehr langsam. Ein auf den Testsystemen laufender Nautilus zeigte hier keine Probleme. Erst nach einem manuellen Mounten der SMB-Verzeichnisse lief Mc wieder zu Bestform auf.
Mc leistet auch als Remote-Shell sehr gute Dienste. In diesem Fall läuft er nicht auf dem lokalen System, sondern beispielsweise auf einem Raspberry Pi. Die Bedienung erfolgt über eine beliebige Terminalverbindung, wie Telnet oder SSH. In Abbildung 5 läuft der Mc im Hintergrund auf dem Raspberry Pi, der im Vordergrund auf einem PC.

Abbildung 5: Zwei Commander, dasselbe Verzeichnis, jedoch unterschiedlich verbunden: Der Mc im Hintergrund läuft auf dem RasPi, der im Vordergrund auf einem PC.
Erweiterbar
Mc lässt sich in sehr weiten Grenzen konfigurieren. Die meisten Einstellungen finden Sie im Menü Optionen – das gilt sowohl für das Erscheinungsbild als auch für das Verhalten. Der Untereintrag Aussehen, den es nur in aktuellen Versionen des Mc gibt, ermöglicht zudem die Auswahl vorgefertigter Skins.
Einige der Kommandos, wie etwa jene im Benutzermenü, basieren auf vorgefertigten Skripten. Hier fügen Sie optional eigene Funktionen für häufig wiederkehrende Aufgaben hinzu oder modifizieren bestehende Einträge.
Fazit
Der schlanke und flinke Midnight Commander besticht durch seinen Funktionsumfang und die unkomplizierte Bedienung. Dank der Menüs sowie der angezeigten Funktionstastenbelegungen fällt der Lernaufwand erfreulich gering aus. Hält man sich an einige Regeln, wie beispielsweise das Trennen von nicht mehr benötigten Verbindungen, lassen sich viele Probleme vermeiden. Seine wahren Stärken spielt der Dateimanager aber beim Umgang mit Remote-Systemen aus. Dabei spielt es keine Rolle, ob er seinen Dienst lokal, per VFS oder als Remote Shell verrichtet.
Der Autor
Roman Jordan arbeitet seit über 20 Jahren mit Linux. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Linux-Kernel und der Programmierung kleiner Embedded-Plattformen.





