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Aus Raspberry Pi Geek 08/2018

Der Dateimanager Midnight Commander

© Anelina, 123RF

Geisterstunde

Roman Jordan

Der terminalbasierende Dateimanager Midnight Commander bietet gerade auf Headless-Systemen wie dem RasPi eine Menge Komfort und Funktionen.

Immer mehr Linux-Systeme sammeln und verarbeiten im Internet der Dinge Daten, etwa Server oder eingebettete Systeme. Die Administration der in aller Regel “headless”, also ohne Tastatur und Monitor, betriebenen Systeme erfolgt dabei typischerweise ferngesteuert über die Konsole. Wer dabei Wert auf etwas mehr Komfort legt, als ihn die nackte Kommandozeile bietet, der findet in den Repositories aller gängigen Distributionen eine Reihe von leistungsfähigen Werkzeugen für diesen Job.

Dazu gehört auch der Dateimanager GNU Midnight Commander oder kurz Mc. Er begnügt sich mit wenig Ressourcen, arbeitet flink und lässt sich per Remote-Shell bedienen. Sein integrierter Viewer und Editor ermöglichen einen einfachen Umgang mit Textdateien. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese auf dem lokalen System oder auf einem entfernten Server liegen. Der Aufruf mittels sudo mc erlaubt zudem den schreibenden Zugriff auf Systemdateien.

Die über 2500 Zeilen umfassende Handbuchseite, die Sie via man mc aufrufen, nennt den Dateimanager eine “Visual Shell”, die Homepage [1] beschreibt ihn als Full-Screen-Text-Mode-Anwendung. Langer Rede kurzer Sinn: Mc ist ein Dateimanager mit einem textbasierenden grafischen Interface. Bietet das System Unterstützung für eine Maus, lässt er sich auch mit dem Zeigegerät bedienen. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase arbeiten Sie jedoch mit den Tasten meist schneller.

Meist zählt Mc nicht zum Umfang einer Standardinstallation, deshalb müssen Sie ihn in der Regel manuell installieren. Bei Debian-basierenden Systemen wie Raspbian und dessen Ablegern erledigen Sie das mit dem Aufruf sudo apt install mc; die Eingabe von mc startet die Software.

Abbildung 1: Der markante, in Blau gehaltene Startbildschirm des Midnight Commander.

Abbildung 1: Der markante, in Blau gehaltene Startbildschirm des Midnight Commander.

Wer sich beim Anblick der Programmoberfläche (Abbildung 1) an den Norton Commander erinnert fühlt, der liegt richtig: Bei Mc handelt es sich um einen freien, unter der GNU Public Licence stehenden Klon des legendären DOS-Tools [2]. Der Bildschirm des Dateimanagers gliedert sich in vier Bereiche: Oben gibt es eine Menüleiste, das Zentrum nehmen zwei Panels mit den Verzeichniseinträgen ein, und unten gibt es einen Eingabebereich sowie eine Leiste mit den Funktionstasten [F1] bis [F10].

Erstkontakt

Ein Druck auf [F9] aktiviert das Menü oben. Es enthält Einträge für die beiden Panels (Links, Rechts), für Dateifunktionen sowie für die Konfiguration. Die Tabelle “Das Mc-Menü” zeigt die grundlegenden Inhalte der obersten Menüstufe.

Das Mc-Menü

Menüpunkt

Inhalt

Links, Rechts

Funktionen für das jeweilige Panel (Inhalt, Ansichtsmodus …)

Datei

Dateifunktionen, Markieren von Dateigruppen, Mc beenden

Befehl

Hilfsfunktionen (Datei suchen, Verzeichnisse vergleichen, Befehlschronik …)

Optionen

Konfiguration (Tastenbelegung, Sicherheit …)

Die beiden Panels zeigen den Inhalt des Startverzeichnisses an und erlauben eine Navigation mithilfe der Pfeil- und Bildlauftasten. Das aktuelle Verzeichnis oder die aktuelle Datei erscheint farblich unterlegt. Optional lassen sich bis zu zwei Verzeichnisse beim Start per Kommandozeile übergeben; Mc stellt dann das erste davon im aktiven Panel links dar.

Alle Dateifunktionen beziehen sich auf das aktive Panel. Das Verzeichnis des inaktiven Panels bildet das Zielverzeichnis für die meisten Dateioperationen. Zwischen den beiden Bereichen wechseln Sie per Tabulator.

Dateioperationen, wie beispielsweise das Kopieren, Verschieben oder Bearbeiten, starten Sie über die unten angegebenen Funktionstasten oder per Menüauswahl. Sowohl die Schaltflächen für die Funktionstasten als auch die Menüeinträge erreichen Sie auch mit der Maus. Beim Einsatz des Mc in der Remote-Shell ist die Tastatureingabe aber nicht nur schneller, sondern häufig auch die einzige Möglichkeit.

Der Eingabetaste kommt eine besondere Bedeutung zu. Steht der Cursor auf einem Dateieintrag, startet – falls vorhanden – die mit der Datei verknüpfte Anwendung. Das gilt auch für grafische Anwendungen wie beispielsweise Gimp. Befindet sich der Cursor auf einem Verzeichnis, öffnet Mc es.

Die Tabelle “Tastenkombinationen” zeigt weitere Bedienmöglichkeiten. Mc blendet vor dem Ausführen einiger Funktionen zusätzliche Dialoge ein, die das Eingeben weiterer Bedingungen erlauben oder als Sicherheitsabfrage dienen. Innerhalb dieser Dialoge ändern sich die Tastenfunktionen wie im Abschnitt “Modifizierte Funktionen” der Tabelle angegeben.

Dateioperationen beziehen sich auf einen oder mehrere markierte Einträge. Dabei markieren Sie einzelne Einträge mit [Einfg] oder [Strg]+[T]. Befindet sich der Cursor auf einem bereits markierten Eintrag, setzt diese Aktion die Markierung zurück. Das Verlassen eines Verzeichnisses mit markierten Einträgen setzt ebenfalls alle Markierungen zurück.

Die Tabelle “Einträge markieren” zeigt einige Tastenkombinationen zum Markieren von Dateien. In der zweiten Spalte finden Sie die zugehörigen Menüpunkte.

Tastenkombinationen

Tastenkombination

Funktion

[Alt]+[C]

schneller Verzeichniswechsel (relativ zum aktuellen Verzeichnis)

[Alt]+[I]

Verzeichnis des aktiven Panels im anderen Panel einlesen

[Alt]+[O]

aktuellen Verzeichniseintrag im anderen Panel öffnen

[Alt]+[T]

Listenmodus ändern

[Alt]+[,]

Umschalten horizontale/vertikale Darstellung (an/aus)

[Strg]+[Leer]

Verzeichnisgröße anzeigen

[Strg]+[O]

Panels in den Hinter-/Vordergrund schalten

[Strg]+[R]

Verzeichnis im aktuellen Panel neu einlesen

[Strg]+[X],[I]

Informationen zum aktuellen Eintrag im anderen Panel anzeigen (an/aus)

[Strg]+[X],[Q]

Schnellansicht zum aktuellen Eintrag im anderen Panel anzeigen (an/aus)

Modifizierte Funktionen

[Tab]

nächster Auswahlpunkt

[Leer]

Auswahlpunkt an-/abwählen / Aktion ausführen

[Eingabe]

Aktion ausführen

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