Unabhängig vom Kernel hat der Hersteller auch verschiedene Tools für die Nanos portiert, darunter WiringPi und die Python-Bibliothek RPi.GPIO. Die Github-Präsenz des Herstellers enthält inzwischen mehr als 130 Repositories mit entsprechendem Quellcode.
Das Aufspielen des Images erfolgt mit den üblichen Tools für Windows oder Linux. Da der NanoPi-Duo keinen Bildschirmanschluss besitzt, müssen Sie entweder die WLAN-Konfiguration schon auf der SD-Karte anpassen oder die serielle Konsole verwenden – im Bundle findet sich ein entsprechender USB-Adapter. Auf Duo-Seite kommen die Pins TX und RX über Kreuz an den Adapter, zusätzlich GND. Stecken Sie den Adapter in einen PC oder Laptop, dann erkennt der Rechner eine neue serielle Schnittstelle, auf die Sie dann über ein beliebiges Terminalprogramm zugreifen. Unter Linux sieht das wie folgt aus:
$ screen /dev/ttyUSB0 115200
Auf diese Weise angeschlossen, läuft alles so, als wären ein Bildschirm und eine Tastatur vorhanden. Nach dem Abschluss des Boot-Prozesses melden Sie sich als root mit dem Passwort fa an und konfigurieren das System. Hier hat FriendlyARM beim RasPi gespickt und stellt mit Npi-config ein Analogon zu Raspi-config bereit.
Erfreulicherweise gibt es auch eine für den NanoPi-Duo passende Version von Armbian. Sie zeigt sich in vielerlei Hinsicht besser auf das System abgestimmt als das Ubuntu-Core, wie schon im Abschnitt über die Performance zu sehen war. Zum Beispiel funktioniert der Taster des NanoPi-Duo nur unter Armbian wie erwartet (Zugriff über GPIO355), unter Ubuntu-Core wirkt er nur wie ein harter Ausschalter. Allerdings unterstützt Armbian nicht den WiringPi-Port für den Duo – hier fehlen im Sys-Dateisystem ein paar notwendige Einträge.
Die Installations- und Inbetriebnahme läuft völlig analog wie bei Ubuntu-Core, nur dass das Root-Passwort hier 1234 lautet. Einmal installiert, verhält sich das System wie jedes andere Armbian auf einer beliebigen Plattform – einer der großen Vorteilen des Debian-Derivats.
Fazit
Der NanoPi-Duo ist sicherlich kein Computer für jedermann. Wenn Sie nicht eines seiner speziellen Ausstattungsmerkmale benötigen, wie den Audioausgang oder die Flexibilität der Schnittstellen, dann fahren Sie in der Regel mit einem Raspberry Pi besser. Auf Software-Seite weiß die Plattform positiv zu überraschen, trotzdem fällt an manchen Stellen Handarbeit an. Für eigene Projekte bieten aber sowohl Ubuntu-Core als auch Armbian dank des Debian-Unterbaus alles Notwendige.
Darüber hinaus sollten Sie beim Umgang mit dem NanoPi-Duo Freude an der Erforschung unbekannten Terrains mitbringen, denn abseits vom Raspberry-Mainstream funktioniert nicht alles so, wie man es vom Pi her kennt. Außerdem gibt es kaum irgendwo erprobte Kochrezepte, wie man sie vielerorts für den RasPi findet. Dafür bietet der NanoPi-Duo viel Potenzial zum Lernen und – bei entsprechendem Erfolg – viel Freude.
Der Autor
Bernhard Bablok (mailto:[email protected]) arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört, mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleinstrechner.
Infos
- Innet: http://www.innet24.de
- FriendlyARM: http://friendlyarm.com
- Allwinner H2+: https://linux-sunxi.org/H2%2B#Variants
- NanoPi-Neo und NanoPi 2 Fire im Test: Bernhard Bablok, “Himbeerquartett”, RPG 06/2016, S. 62, http://raspi-geek.de/37696
- Musik-Streaming per Bluetooth: Bernhard Bablok, “Hört, hört!”, RPG 03-04/2018, S. 46, http://raspi-geek.de/39980





