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Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

C64-Umbau mit dem Raspberry Pi und Keyrah V2

© Martin Wolf, Golem.de

Wiedergeburt

Tobias Költzsch

Mit dem Keyrah-Tastaturadapter und einem Raspberry Pi machen Sie aus einem defekten C64 eine optimale Emulator-Station, bei der Sie die originale Tastatur und die Joystick-Ports nutzen.

Der Commodore 64 gilt als meistverkaufter Heimcomputer der Welt, mit entsprechend hoher Bedeutung für die Computer- und Spiele-Industrie. In den 1980er-Jahren war er der Traum vieler Kinder und Jugendlicher und, dank eines relativ moderaten Preises, zudem erschwinglich.

Der 1982 vorgestellte Heimcomputer fasziniert bis heute, nachdem er die Kindheit und Jugend vieler Menschen geprägt hat. Der Umgang mit dem Heimcomputer macht nach wie vor Spaß, gestaltet sich aber recht umständlich, besonders verglichen mit aktuellen PCs. So benötigen Sie einen speziellen Monitor oder einen Fernseher, bei dem Sie den korrekten Kanal einspeichern müssen. Als Speichermedium setzt der C46 zudem ein Diskettenlaufwerk oder ein Tapedeck voraus.

Weitaus einfacher erscheint es da, einen C64-Emulator auf einem modernen Rechner zu nutzen. Was die einen für Häresie halten und für nicht mit dem Original vergleichbar, das finden die anderen schlicht praktisch. Doch es gibt einen Kompromiss: das Innenleben eines C64 auszutauschen und durch moderne Komponenten zu ersetzen.

Alt plus Neu

Heraus kommt eine Mischung aus Alt und Neu: Ins C64-Gehäuse wandert ein Emulator auf Basis eines Raspberry Pi, die Tastatur sowie die Joystick-Ports bleiben zum Programmieren und Zocken erhalten. Als Resultat erhalten Sie ein vielseitiges Gerät, das sich wie ein herkömmlicher C64 nutzen lässt, jedoch ohne die Einschränkungen hinsichtlich der Bildausgabe und der Speichermedien. Auf diese Weise kommen auch diejenigen wieder in den Genuss eines C64, die ihr Gerät samt Zubehör und Spielesammlung vielleicht schon vor Jahren verkauft haben und sich entsprechend ärgern: Die Gebrauchtpreise für funktionierende C64 steigen mittlerweile wieder.

Für das Bastelprojekt benötigen Sie zunächst einen nicht mehr benötigten C64. Der Vorteil des Projekts: Alle Umbauten lassen sich umkehren; einen funktionierenden C64 können Sie also theoretisch später wieder zurückbauen. Da wir unseren Umbau aber permanent machen wollen, haben wir schlicht für 30 Euro ein defektes Modell bei Ebay gekauft. Lediglich die Tastatur muss noch funktionieren, denn sie kommt nach dem Umbau weiter zum Einsatz.

Außerdem benötigen Sie einen Adapter, der es erlaubt, die C64-Tastatur per USB zu nutzen. Diesen Zweck erfüllt der Keyrah V2 [1], ein kleines Board, das die Tastatursignale über einen USB-Anschluss weitergibt. Damit lässt sich die C64-Tastatur als USB-Keyboard an jedem modernen Rechner nutzen – wirklich komfortabel ist das aufgrund der Tastaturbelegung allerdings nicht.

Kostenpunkt

Die Kosten für den Emulations-C64 liegen bei 100 Euro, wenn Sie alle Teile kaufen. Die Kosten für den C64 lassen sich dabei am schwierigsten einschätzen; ein als defekt ausgewiesener C64 kostet bei Ebay zwischen 20 und 50 Euro. Das Keyrah-V2-Modul erhalten Sie im Online-Handel für 40 Euro, ein RasPi 3 Modell B schlägt mit 35 Euro zu Buche.

RasPi als Motherboard

Als Recheneinheit der Konstruktion dient ein RasPi 3 Modell B. Er wandert zusammen mit dem Keyrah-Modul für die Tastatur ins entkernte C64-Gehäuse. Zur verwendeten Software kommen wir später – zunächst schauen wir uns an, welche Schritte für den Umbau des Computers notwendig ist.

Um Platz für den Umbau zu schaffen, bauen Sie das ursprüngliche Motherboard aus dem C64 aus. Lassen Sie beim Öffnen des Gehäuses Vorsicht walten: Hier können die Kunststoffnasen leicht abbrechen. Das Motherboard lässt sich nach dem Lösen der Halteschrauben leicht entfernen. Von den originalen Bauteilen verbleibt nur die Tastatur im Gehäuse (Abbildung 1).

Abbildung 1: Für den Umbau müssen Sie das Motherboard entfernen und kleinere Veränderungen am Gehäuse vornehmen.

Abbildung 1: Für den Umbau müssen Sie das Motherboard entfernen und kleinere Veränderungen am Gehäuse vornehmen.

Beim Entfernen der Hauptplatine ziehen Sie den Stecker der Tastatureinheit ab, ebenso den der LED. Es kann sinnvoll sein, die Tastaturmembran zu reinigen, da sie im Lauf der Jahre durch Verschmutzung und Korrosion nicht mehr zuverlässig funktioniert. Dazu lösen Sie alle Schrauben auf der Tastaturrückseite und entlöten den Shift-Lock-Schalter. Dann lässt sich die Rückseite abnehmen und die Membran reinigen.

Keyrah-Modul

Haben Sie den C64 entkernt, geht es an den Einbau des Keyrah-V2-Moduls. Es lässt sich exakt an jener Stelle des Gehäuses einbauen, wo sich normalerweise der Einschalter, die beiden Joystick-Ports sowie der Netzanschluss des C64 befinden. Die entsprechenden Pendants auf dem Keyrah-Modul sitzen dann an derselben Stelle; von der Seite sieht der modifizierte C64 daher auf den ersten Blick aus wie ein herkömmlicher C64. Bei näherem Hinsehen sticht allerdings der USB-Ausgang anstelle des Netzanschlusses ins Auge.

Sinnigerweise haben die Keyrah-Entwickler das Modul so konzipiert, dass es sich mit zwei Schrauben in zwei der bereits vorhandenen Löcher schrauben lässt (Abbildung 2). Das Abdeckschildchen der C64-Anschlüsse passt auch für das Keyrah-Modul, was den Original-Look weiter unterstützt.

Abbildung 2: Das Keyrah-Modul leitet die Anschläge der C64-Tastatur an den Raspberry Pi weiter.

Abbildung 2: Das Keyrah-Modul leitet die Anschläge der C64-Tastatur an den Raspberry Pi weiter.

Nach dem Einbau müssen Sie den Anschluss der Tastatur an den korrekten Port des Keyrah V2 stecken. Das Modul weist je einen Anschluss für den C64 und VC20, C16 und Plus/4 sowie den Amiga 600 und den Amiga 1200 auf. Gegebenenfalls löten Sie einen zusätzlichen Stecker für die Tastatur des C128 ein. Über einen Jumper stellen Sie ein, welches Layout die per USB ausgegebene Tastatur haben soll. Zur Wahl stehen 8-Bit Deutsch, 8-Bit US und Amiga.

Nun lässt sich die C64-Tastatur als USB-Keyboard einsetzen. Der Vorteil des Keyrah-Moduls: Damit können Sie klassische Heimcomputer-Joysticks wie den Competition Pro oder den Quickjoy weiterverwenden. Die zwei neunpoligen Joystick-Ports übermitteln deren Input als Tastatureingaben und lassen sich entsprechend in Emulatoren über einfaches Keymapping auswerten – dazu später mehr.

Raspberry Pi

Den Raspberry Pi bauen Sie ebenfalls im Gehäuse des C64 ein, in dem dazu nach Entfernen des Motherboards und Einbau des Keyrah-Moduls noch genügend Platz frei bleibt. Wir entschieden uns für die dem Keyrah V2 gegenüberliegende Ecke, weil sich die dort vorhandenen Gehäuseöffnungen für den HDMI-Port, die Stromversorgung sowie die Kopfhörerbuchse des RasPi nutzen lassen (Abbildung 3).

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