Aus Raspberry Pi Geek 02/2018

C64-Umbau mit dem Raspberry Pi und Keyrah V2 (Seite 2)

Abbildung 3: Als Recheneinheit unserer Konstruktion dient ein RasPi 3 Modell B, den wir im Gehäuse des C64 einbauen.

Abbildung 3: Als Recheneinheit unserer Konstruktion dient ein RasPi 3 Modell B, den wir im Gehäuse des C64 einbauen.

Für die USB-Anschlüsse und den Ethernet-Port schneiden Sie eine Öffnung ins Gehäuse. Hier gilt es, den Platz einzukalkulieren, den die Gehäuse der USB-Stecker einnehmen – gegebenenfalls müssen Sie so wie wir etwas nacharbeiten. Wir haben den Raspberry Pi mit zwei Schrauben und Muttern fixiert, nachdem wir zwei Löcher in den Boden des Gehäuses gebohrt und eine störende Schraubenhalterung für das Motherboard entfernt hatten.

Um die Tastatur des C64 nutzen zu können, verbinden Sie das Keyrah-Modul via USB-Kabel mit dem Raspberry Pi. Als arbeitssparende Lösung ziehen Sie das USB-Kabel vom Keyrah V2 durch den Innenraum des Gehäuses, führen es am Raspberry Pi wieder heraus und stecken es dann von außen in dessen USB-Port (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das USB-Kabel vom Keyrah V2 zum RasPi haben wir durch den Innenraum des Gehäuses geführt.

Abbildung 4: Das USB-Kabel vom Keyrah V2 zum RasPi haben wir durch den Innenraum des Gehäuses geführt.

Es geht aber auch eleganter: Das Keyrah-Modul bietet auf der Platine Lötstellen für die vier Adern eines USB-Kabels. Hier könnten Sie ein Kabel anlöten und dessen andere Seite an die USB-Kontakte eines der Anschlüsse des Raspberry Pi löten. Der hat zwar keine expliziten Lötstellen für USB-Geräte, die Lötstellen der vorhandenen Anschlüsse dürften sich aber anzapfen lassen.

Alles Retro

Ist alles eingebaut und verkabelt, steht die Entscheidung für eine passende Software-Umgebung samt C64-Emulator an. Wir haben uns für den bewährten Emulator Vice [2] entschieden. Wir lassen ihn unter Retropie [3] laufen (Abbildung 5), einem auf Raspbian basierenden Image für den Raspberry Pi, das zahlreiche Emulatoren klassischer Konsolen und Heimcomputer in einem System versammelt.

Abbildung 5: Als Software-Plattform haben wir uns für Retropie entschieden.

Abbildung 5: Als Software-Plattform haben wir uns für Retropie entschieden.

Vice ließe sich auch direkt unter Raspbian einrichten. Retropie bietet jedoch den zusätzlichen Vorteil, dass sich der umgebaute C64 damit dank der zahlreichen vorinstallierten Emulatoren als ultimative Retrospiele-Station nutzen lässt. Die gut dokumentierte [4] Installation von Retropie klappt wie am Schnürchen. Vice fehlt in der Standardkonfiguration des Betriebssystems zwar, lässt sich aber im Handumdrehen nachinstallieren.

Retropie sorgt beim Übertragen von Spiele-Images auf den Raspberry Pi für Komfort. Sie stecken einmalig einen formatierten USB-Stick in einen der USB-Anschlüsse des RasPi, während Retropie läuft; es legt dann eine Verzeichnisstruktur auf dem Stick an. Darin gibt es einen Ordner für ROMs, in dem sich zahlreiche weitere Verzeichnisse für die unterschiedlichen Konsolen- und Computeremulationen befinden. An einem PC kopieren Sie die Spiele-Images einfach in den C64-Ordner. Sie könnten das auch via Samba erledigen, was aber mehr Aufwand verursacht und langsamer abläuft.

Stecken Sie den so bestückten USB-Stick nun wieder an den eingeschalteten Raspberry Pi, kopiert Retropie die Images auf die Micro-SD-Karte des Mini-Rechners. Anschließend können Sie den Stick wieder entfernen und starten Retropie neu. Die Spiele tauchen nun im Hauptmenü des Systems auf, wo Sie das gewünschte Spiel einfach mit dem Gamepad auswählen. Vice startet dann das Spiel direkt, ohne dass Sie den Umweg über die Nutzeroberfläche der C64-Emulation nehmen müssten.

Einstellungsmöglichkeiten

Im Gegensatz zu anderen Emulatoren bietet Vice ein leicht erreichbares, sehr umfangreiches Einstellungsmenü. Das ist auch nötig, da Sie den Joystick konfigurieren müssen.

Das unter Retropie eingestellte Xbox-360-Gamepad erkennt Vice im Test nicht automatisch als Eingabegerät für den Emulator; wir wollen aber sowieso einen Competition Pro verwenden. Den schließen wir an einen der beiden Controller-Ports des Keyrah-Moduls an. Nun gibt der Joystick, je nach Stellung des Einschalters, bei jeder Bewegung Tastaturkommandos an den Raspberry Pi weiter.

Unter Vice lässt sich der Joystick am einfachsten nutzen, indem wir dem System sagen, was es beim jeweils ausgegebenen Tastaturkommando tun soll. In den Joystick-Einstellungen unter Machine Settings erstellen wir daher zunächst eine Keymap für den Competition Pro. Die teilen wir anschließend dem Controller-Port zu, an dem der Joystick steckt – traditionell der Port 2. In den Einstellungen stellen wir also Joystick Device**2 und Userport Joystick Adapter Port**2 auf die von uns definierte Keymap. Falls diese beiden Einstellungen nicht gesetzt sind, funktioniert der Joystick nicht.

Nach dem Setzen der Einstellungen bietet es sich an, sie direkt im Settings Management abzuspeichern – ansonsten erkennt Vice den Joystick nach dem nächsten Start nicht mehr.

Nun lassen sich Spiele mit dem Competition Pro steuern. Wir deaktivieren zudem die CRT-Emulation unter Vice, die zwar hübsch aussieht, das System aber arg verlangsamt. Ohne die künstlichen Scanlines laufen Spiele merklich schneller und vor allem ruckelfrei. Eine Quelle für eine Vielzahl an tollen C64-Games ist die sehr aktive Homebrew-Szene, die noch Spiele für den Heimcomputerklassiker entwickelt. Auch die Demo-Szene lebt und gedeiht.

Dank Vice lassen sich mit dem Umbau aber nicht nur C64-Spiele zocken, sondern auch die für die zahlreichen anderen Emulatoren, die Retropie bietet. Sie befördern die Spiele in den meisten Fällen auf dieselbe Weise auf das System wie für Vice: Über einen PC ziehen Sie die Images in die zu den jeweiligen Emulatoren passenden Ordner auf dem USB-Stick, den Sie anschließend an einen Anschluss des RasPi stecken. Das System kopiert die Dateien, die sich nach einem Neustart verwendet lassen.

Für andere Emulatoren müssen Sie unter Umständen das Eingabegerät neu konfigurieren, wofür sich auf der Webseite des Vice-Projekts Anleitungen finden.

Programmieren

Mit Vice unter Retropie können Sie nicht nur Spiele-Images laden und zocken, auch das Programmieren wie auf einem echten C64 gelingt mit dem Emulatorkonstrukt. Dank des originalen Gehäuses und der ebenso authentischen Tastatur kommt dabei ein sehr vertrautes Gefühl auf. Um in den wohlbekannten Startbildschirm des C64 zu gelangen, schließen Sie die Benutzeroberfläche von Retropie und starten Vice manuell. Alternativ können Sie über das Vice-Menü auch einfach einen Hard Reset vornehmen, wenn Sie bereits ein Spiel geladen haben.

Bevor Sie nun losprogrammieren und eigene Basic-Programme anlegen beziehungsweise Listings aus alten C64-Zeitschriften abtippen, müssen Sie in Vice aber noch eine virtuelle Diskette einlegen: Ohne diese weiß der Emulator nicht, wo er das eingegebene Programm abspeichern soll. Dazu gehen Sie in die Drive-Einstellungen und erstellen ein neues Disk-Image mit der Endung .C64. Das hängen Sie dann im selben Menü als aktives Speichermedium ein – beispielsweise als Drive 8 mit dem Menüpunkt Attach disk image to drive 8. Auf diese Weise lassen sich übrigens auch aufgespielte Images manuell laden – etwas anderes macht letztlich auch Retropie nicht.

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