Ein eingegebenes Basic-Listing speichern Sie mit dem vertrauten Befehl SAVE Programm,8 auf dem virtuellen Laufwerk. Analog lässt sich das Programm nach einem Neustart mit dem LOAD-Befehl laden, sofern Sie die virtuelle Diskette eingelegt haben. Dank Vice agiert der modernisierte Commodore also nicht nur als Retrospiele-Station, sondern als “echter C64” (Abbildung 6).
Tastaturprobleme
Ein nerviges Problem gibt es im Vice-Emulator allerdings mit der Tastatur: Als Voreinstellung dient dort eine US-Tastaturbelegung, die nicht zum Layout des C64 passt, dessen Sondertasten anders angeordnet sind. Eine für alle Tasten passende Tastatur lässt sich in den Einstellungen nicht aktivieren.
Zwar gibt es ein deutsches Layout zum Herunterladen und Einspielen, damit funktionierte im Test die Return-Taste allerdings nicht korrekt. Sie gab ein Minuszeichen aus, was die Tastaturbelegung nutzlos macht, wenn man damit in Basic programmieren will. Wir fanden uns letztlich schlicht damit ab, das US-Layout zu verwenden. Als Abhilfe müsste man eine eigene Keymap für das deutsche Layout erstellen und in den Emulator laden – das war uns zum Zocken aber schlicht zu aufwendig.
Kritikpunkte
Basic gilt mittlerweile – ob zu Recht oder zu Unrecht, das sei dahingestellt – als obsolete Programmiersprache. Wer sich allerdings für klassische Heimcomputer interessiert, kann mit Basic immer noch eine Menge Spaß haben. Zudem lässt sich die Sprache recht leicht erlernen – eben dazu wurde sie entwickelt – und führt nach kurzer Zeit zu ersten Erfolgen, die über 10 PRINT "Hallo Welt", 20 GOTO 10 hinausgehen. Ein gut gemachtes Basic-Tutorial hat Andreas Hammer auf die Beine gestellt [5].
Traditionsbewusste Anwender dürften den umgebauten C64 ablehnen, wir finden die Verbindung aus alter und neuer Hardware allerdings charmant. Der Raspberry Pi erhält mit dem “Brotkasten” eine überaus passende Hülle, dank des Keyrah-Moduls lässt sich die Tastatur wie bei einem originalen C64 nutzen. Die Möglichkeit zum Anschluss alter Joysticks sorgt für ein nostalgisches Spielerlebnis (Abbildung 7).

Abbildung 7: Der fertige Umbau mit einem Competition Pro und einem Quickjoy: In ein C64-Gehäuse haben wir einen Raspberry Pi und ein Keyrah-Tastaturmodul eingebaut.
Fazit
Dank Retropie schränkt der Umbau Sie nicht auf C64-Spiele ein, sondern erlaubt auch den Genuss einer Vielzahl anderer Konsolenklassiker. Der Einsatz des Vice-Emulators sorgt zudem dafür, dass man auf dem Raspberry-C64 auch programmieren kann. Für Hardliner bestünde sogar die Möglichkeit, die Programme als .C64-Datei zu speichern, das Image dann auf einen PC zu exportieren und es mithilfe eines X1541-Kabels [6] über ein angeschlossenes Commodore-Diskettenlaufwerk auf eine 5,25-Zoll-Diskette zu befördern – das funktioniert!
Obwohl Puristen den Kopf schütteln mögen, überzeugte uns der aufgefrischte C64 im Test voll und ganz. So sehr wir unseren C64-C mit 1541-Laufwerk lieben – praktischer ist der Raspberry-Pi-Umbau auf jeden Fall. Sie werden sehen: Nach einer Weile bemerken Sie gar nicht mehr, dass Sie kein Originalgerät vor sich stehen haben.
Der Autor

Tobias Költzsch ist bei Golem.de für den Bereich Android zuständig. Er interessiert sich ganz generell für Smartphones, Tablets und Gadgets. Der studierte Japanologe und Volkswirt spielt in seiner Freizeit Gitarre und fotografiert – vorzugsweise auf Film, den er selbst entwickelt.
Infos
- Keyrah V2: http://www.vesalia.de/d_keyrahv2.htm
- Vice: http://vice-emu.sourceforge.net
- Retropie: https://retropie.org.uk
- Retropie-Setup: https://github.com/retropie/retropie-setup/wiki
- Basic-Tutorial: http://www.tutorials.at/qbasic/basic-tutorial.html
- X1541-Kabel: https://www.c64-wiki.de/wiki/X1541






