Aus Raspberry Pi Geek 12/2017

Tipps und Tricks zum Eigenbau des PiXtend-Moduls (Seite 3)

Inbetriebnahme

Das A und O bei der Inbetriebnahme von Bausätzen ist eine gründliche Sichtkontrolle: Kleben abgeschnittene Beinchen auf der Platine? Gibt es offensichtliche Kurzschlüsse? Das passiert bei den aufrecht stehenden Widerständen gern einmal. Sind Lötzinnspritzer zu sehen? So etwas passiert selbst Profis und führt zu sehr ärgerlichen Fehlerbildern. Haben Sie alle Lötstellen auch tatsächlich gelötet? Klingt blöd, passiert aber ebenfalls gerne.

Nachdem Sie sich die komplette Platine noch einmal genau angesehen haben, schließen Sie sie an ein Labornetzteil an (weiterhin ohne Halbleiter, zudem lassen Sie vorerst auch noch den RasPi weg) und fahren die Spannung hoch. Bei einem Netzteil mit Strombegrenzung stellen Sie diese auf 10 Milliampere: Mehr Strom sollte die PiXtend-Platine ohne Halbleiter auf gar keinen Fall verbrauchen.

Verursacht die Platine keinen Kurzschluss und gibt keine Rauchzeichen ab, schalten Sie die Spannung wieder ab. Erden Sie sich wieder und stecken Sie jetzt die Halbleiter in die Sockel. Danach schalten Sie die Betriebsspannung erneut ein. Der aufgenommene Strom sollte bei rund 30 Milliampere liegen. Schalten Sie die Spannung wieder ab und verbinden Sie zu guter Letzt den Raspberry Pi über das Flachbandkabel mit dem PiXtend. Anschließend sollte das Board wie in Abbildung 3 aussehen.

Auch wenn das hier beschriebene Vorgehen etwas von der Empfehlung des Herstellers abweicht, sollten Sie dessen Anleitung zur Inbetriebnahme [11] lesen. Das Dokument beschreibt alle Schritte sehr detailliert und gibt erste Hinweise bei Fehlern.

Abbildung 3: Gratulation: Komplett bestückt sieht das PiXtend-Board nach professioneller Technik aus.

Abbildung 3: Gratulation: Komplett bestückt sieht das PiXtend-Board nach professioneller Technik aus.

Software

Damit der Raspberry*Pi mit dem PiXtend-Board zusammenarbeitet, benötigen Sie ein vorkonfiguriertes Raspbian, das Sie über die Homepage von PiXtend beziehen [12]. Sie schreiben es wie ein normales Raspbian-Image auf eine SD-Karte mit am besten 8 oder mehr GByte Kapazität. Anschließend schieben Sie die Karte in den RasPi und verbinden das Netzteil und das Netzwerkkabel.

Das “Jessie”-System bekommt vom DHCP-Server im Router eine IP-Adresse, mit der Sie auf den Raspberry Pi zugreifen können. Üblicherweise bemerken nichts Sie von diesem Vorgang. Um an die IP zu kommen, gibt es mehrere Wege. Entweder bringen Sie sie über die Weboberfläche des Routers in Erfahrung, oder Sie schließen einen Monitor und eine Tastatur an den Raspberry Pi an und ermitteln die Adresse mit dem Kommando ip -a. Auch mit dem Linux-Tool Arp-scan lässt sich der RasPi im Netz aufspüren (Listing 1). Ähnliches gilt für das Tool Nmap [13], das es auch für Windows gibt.

Listing 1

 

$ sudo arp-scan --localnet | grep Raspberry
192.168.1.48    b8:27:eb:76:1e:15       Raspberry Pi Foundation

Mithilfe der IP-Adresse verbinden Sie sich nun via SSH mit dem RasPi. Unter Linux genügt dazu das Kommando ssh pi@RasPi-IP, unter Windows greifen Sie auf einen SSH-Client wie PuTTY [14] zurück. Im System angekommen, wechseln Sie dann in das Programmverzeichnis mit dem Tool Pxauto und starten es (Listing 2).

Listing 2

 

$ cd pxdev/pxauto/
$ sudo ./pxauto

Das Beispielprogramm gleicht zyklisch zehnmal pro Sekunde die Daten zwischen Raspberry Pi und PiXtend ab und zeigt sie auf dem Bildschirm an (Abbildung 4). Auf diesem Weg lassen sich nun alle Ein- und Ausgänge testen. Funktioniert eine Komponente nicht wie erwartet, erhalten Sie in der Regel über das PiXtend-Forum schnell Hinweise auf den Fehler.

Abbildung 4: Das Pxauto-Tool zeigt, ob Sie sauber gearbeitet haben und sämtliche Komponenten funktionieren.

Abbildung 4: Das Pxauto-Tool zeigt, ob Sie sauber gearbeitet haben und sämtliche Komponenten funktionieren.

Fazit

Der Zusammenbau des PiXtend stellt für Löt-Anfänger eine gewisse Herausforderung dar – suchen Sie sich dazu gegebenenfalls einen Mentor, der Ihnen bei den ersten Schritten zur Seite steht. Sie erhalten mit dem Bausatz viel Material zum Lernen, sodass Sie danach auf jeden Fall gut löten können und ein Grundverständnis für Elektronik besitzen. Wer schon löten kann, hat viel Spaß mit dem Zusammenbau: Auf dem Markt finden sich kaum andere Elektronik-Bausätze, die so viele verschiedene Herausforderungen bieten.

Mit dem PiXtend verfügen Sie über eine stabile Ausgangsplattform für eigene Projekte und Experimente. Um den Raspberry Pi müssen Sie sich dabei keine Sorgen machen, da alle I/Os geschützt sind. Nicht zuletzt können Sie das PiXtend-Board mit der Codesys-Software [15] zu einer kleinen Industriesteuerung aufwerten, mit der sich viele Automationsaufgaben erledigen lassen. 

Der Autor

In der Ära der Magnetkern-Ringspeicher und Hebdrehwähler geboren, entwickelte Martin Mohr schon früh eine Vorliebe für alles, was blinkt. Der gelernte Elektroniker entwickelte nach einem Informatikstudium vor allem Java-Applikationen. Mit dem Raspberry Pi erwachte die alte Liebe zur Elektronik wieder.

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