Anschließend laden Sie die neueste Version von Nextcloud herunter (Listing 2, Zeile 2). Achten Sie darauf, dass Sie die im Listing angegebene Versionsnummer gegebenenfalls an die aktuelle Veröffentlichung auf der Nextcloud-Webseite anpassen müssen. Nach dem Herunterladen entpacken Sie das Archiv (Zeile 3) und verschieben dessen Inhalt in den Owncloud-Ordner des Webservers (Zeile 6).
Listing 2
$ cd /temp $ wget https://download.nextcloud.com/server/releases/nextcloud-9.0.53.tar.bz2 $ tar -vxjf nextcloud*.tar.bz2 $ cd nextcloud $ shopt -s dotglob $ mv * /var/www/owncloud/
Die Migration
Nach diesen Vorarbeiten beginnen Sie mit der eigentlichen Migration (Listing 3). Je nach der von Owncloud verwalteten Datenmenge nimmt diese zwischen einer Minute und einer Stunde oder mehr in Anspruch. Planen Sie daher eventuell eine längere Auszeit Ihrer Owncloud/Nextcloud-Installation ein (Abbildung 2).
Listing 3
$ chown -R www-data:www-data /var/www/owncloud $ cd /var/www/owncloud $ sudo -u www-data php occ upgrade
Nach Abschluss der Aktion gilt es, die Rechte im Ordner /var/www/owncloud wieder strenger zu setzen. Da dies mit viel Handarbeit verbunden wäre, greifen Sie am besten auf ein kleines Skript zurück. Erstellen Sie dazu in Ihrem Home-Verzeichnis mit einem Texteditor die Datei oc-rechte (Listing 4, erste Zeile) – Sie dürfen auch einen anderen Namen verwenden – und befüllen Sie diese mit dem Inhalt von Listing 5.
Beachten Sie, dass Sie eventuell die Pfade im ersten Abschnitt des Skripts anpassen müssen. Nach dem Abspeichern der Änderungen machen Sie die Datei ausführbar und rufen das Skript mit Root-Rechten auf (Listing 4, zweite und dritte Zeile). Damit besitzt der Owncloud-Ordner wieder seine angestammten Berechtigungen.
Listing 4
$ nano oc-rechte $ chmod +x oc-rechte $ sudo ./oc-rechte
Listing 5
#!/bin/bash
### Variablen anpassen:
ocpath='/var/www/owncloud'
htuser='www-data'
htgroup='www-data'
rootuser='root'
### Ab hier bitte nichts ändern
printf "Creating possible missing Directories\n"
mkdir -p $ocpath/data
mkdir -p $ocpath/assets
mkdir -p $ocpath/updater
printf "chmod Files and Directories\n"
find ${ocpath}/ -type f -print0 | xargs -0 chmod 0640
find ${ocpath}/ -type d -print0 | xargs -0 chmod 0750
printf "chown Directories\n"
chown -R ${rootuser}:${htgroup} ${ocpath}/
chown -R ${htuser}:${htgroup} ${ocpath}/apps/
chown -R ${htuser}:${htgroup} ${ocpath}/config/
chown -R ${htuser}:${htgroup} ${ocpath}/data/
chown -R ${htuser}:${htgroup} ${ocpath}/themes/
chown ${rootuser}:${htgroup} ${ocpath}/.htaccess
chown ${rootuser}:${htgroup} ${ocpath}/data/.htaccess
chmod 0644 ${ocpath}/.htaccess
chmod 0644 ${ocpath}/data/.htaccess
Geben Sie nun im Browser die gewohnte IP-Adresse der bisherigen Owncloud-Installation ein, begrüßt Sie jetzt Nextcloud (Abbildung 3). Damit haben Sie die Migration vollzogen; kontrollieren Sie zur Sicherheit die wichtigsten Einstellungen, eventuell müssen Sie vorher genutzte Apps erst einmal wieder aktivieren. Beim Stöbern treffen Sie bereits auf einige neue Funktionen wie die Zwei-Faktor-Authentifizierung, mit Nextcloud 10 setzt sich dieser Trend weiter fort.
Eventuell erhalten Sie beim Aufruf des Admin-Bereichs im Kopf der Webseite eine Fehlermeldung bezüglich der Datei .htaccess und der möglichen Sichtbarkeit Ihrer Daten im Netz (Abbildung 4). In unseren Tests erwies sich diese Warnung als Falschmeldung, die Nextcloud-Daten ließen sich von außen nicht einsehen. Sie überprüfen das, indem Sie etwa versuchen, http://<I>beispiel<I>.de/owncloud/data/owncloud.log aufzurufen. Der Dienst sollte mit einer Fehlermeldung den Zugriff verweigern.
Gleichwohl stellt es in jedem Fall eine gute Sicherheitsmaßnahme dar, den Ordner /data aus dem Owncloud-Ordner nach /var/www zu verschieben. Danach müssen Sie noch in der Konfigurationsdatei /owncloud/config/config.php den Eintrag datadirectory' => '/var/www/owncloud/data' in datadirectory' => '/var/www/data' abändern. Sobald dann alles zur Zufriedenheit läuft, dürfen Sie das unter /var/www/owncloud.old abgespeicherte Backup mit sudo rm -rf /var/www/owncloud.old entfernen.
Fazit
Die Entscheidung, besser jetzt als später zu migrieren oder doch lieber eine etwas aufwendigere Neuinstallation ohne eventuelle Altlasten zu bevorzugen, können wir Ihnen nicht abnehmen. Es lässt sich auch nicht vorhersagen, wie lange der hier beschriebene Migrationspfad noch funktioniert. Aktuell gilt: Eine Standardinstallation von Owncloud lässt sich unter Beachtung der Versionsvorgaben schnell und ohne Probleme auf Nextcloud migrieren.
Die Entwickler von Nextcloud möchten Umsteigewilligen jedoch in Zukunft ein Migrationswerkzeug anbieten. Auf Nachfrage hieß es, nach der Veröffentlichung von Nextcloud 10 in der stabilen Version solle ein solches Tool zur Verfügung stehen. Auf die Frage, wie lange denn überhaupt eine einfache Migration möglich sei, konnte auch Pressesprecher Jos Poortvliet nur spekulieren. Er glaubt jedoch, dies für die Produktzyklen Nextcloud 10 und 11 zusagen zu können.
Infos
- Owncloud: https://owncloud.org
- Frank Karlitschek: http://karlitschek.de
- Nextcloud: https://nextcloud.com




