Aus Raspberry Pi Geek 06/2016

Der RasPi als Schaltzentrale auf Hochseejachten (Seite 4)

Für die Binnengewässer stellen die Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter Karten bereit; im Bereich der deutschen Nord- und Ostseeküste ist die Situation noch besser: Neben den ohnehin verfügbaren Karten von OpenSeaMap stellt hier auch das Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Material bereit. Letzteres lässt sich in Form von Vektorkarten über den BSH-Server herunterladen.

Allerdings erwartet AVnav die Karten in einem spezifischen Format, nämlich als “OsmdroidGEMF”. In großartiger Weise liefert Andreas Vogel eine brauchbare Erklärung für das Bereitstellen von Karten für AVnav auf seiner Webseite aber gleich mit [7]. Er schlägt vor, das Programm Mobile Atlas Creator [8] zu nutzen (Abbildung 5), mit dem sich passende Kartenpakete für AVnav entsprechend exportieren lassen. Er stellt für dieses Programm sogar Daten mit vorbereiteten Kartenquellen bereit, die dem Mobile Atlas Creator den Download der BSH-Vektorkarten ermöglichen.

Abbildung 5: Der Mobile Atlas Creator legt Karten in einem Format an, das AVnav versteht.

Abbildung 5: Der Mobile Atlas Creator legt Karten in einem Format an, das AVnav versteht.

Als Java-Anwendung läuft der Mobile Atlas Creator auf allen gängigen Betriebssystemen problemlos. Vor dem ersten Programmstart sollten Sie das Verzeichnis mit Kartenquellen von Andreas Vogel ebenfalls herunterladen und in den Ordner mapsources/ kopieren, der beim Auspacken des Mobile Atlas Creators entstanden ist. Beim Start fragt das Programm dann, in welches Zielformat es die Karten exportieren soll, worauf Sie aus der Liste Osmdroid GEMF auswählen. Oben links im Hauptfenster der Anwendung sehen Sie die Liste der Kartenquellen. BSH OpenSeaMap 2014 Extended kombiniert BSH- mit OpenSeaMap-Karten und eignet sich für die deutschen Küsten sehr gut.

Die Verwendung des Mobile Atlas Creators gestaltet sich etwas kniffelig. Das Programm unterscheidet zwischen Zoom- und Scroll-Modus; in beiden Fällen eignen sich die Pfeiltasten der Tastatur zur Bedienung, bieten aber abhängig vom Modus andere Funktionen. Im Zoom-Modus sorgen sie dafür, dass sich die Vergrößerung des aktuell im Kartenfenster gezeigten Ausschnitts erhöht oder vermindert. Um aber den anzuzeigenden Bereich erst einmal festzulegen, müssen Sie scrollen. Ein einfacher Klick auf die Karte schaltet zwischen den Modi um.

Knifflig ist die Nutzung des Programms vor allem, weil sich der Mauszeiger nicht zum Scrollen verwenden lässt. Mit dem Mauszeiger legen Sie im Kartenfenster lediglich den Bereich fest, den der Mobile Atlas Creator später als Karte exportieren soll.

Karte anlegen

Sobald Sie im Kartenbereich des Programms das richtige Areal ausgewählt haben, geht es links weiter: Hier bestimmen Sie über einen Klick bei Zoom Levels, welche Vergrößerungsstufen die Karte auf dem Boot später anzeigen soll. Die Zoom-Level 10 bis 16 stellen einen guter Kompromiss zwischen dem zu ladenden Kartenmaterial und einer genauen Anzeige dar.

Haben Sie das passende Areal ausgewählt und die Zoom-Level bestimmt, genügt ein Klick auf Add Selection links, um die Auswahl zu sichern. Dabei sollten Sie über einen Rechtsklick auf Unnamed atlas den Namen der Karte ändern – in AVnav taucht sie später mit dieser Bezeichnung auf. Am Ende des Vorgangs steht ein Klick auf Atlas / Create Atlas.

Die BSH-Server sind allerdings nicht exakt die Schnellsten ihrer Art. Je nach Umfang des Materials kann das Erstellen des Atlasses gut und gerne mehrere Stunden in Anspruch nehmen (Abbildung 6). Nach Abschluss des Vorgangs findet sich im Ordner atlases/ innerhalb des Hauptordners eine Datei, deren Name auf .geml endet. Diese kopieren Sie in den Ordner /data/avnav/charts/ auf dem Raspberry Pi.

Abbildung 6: Da die BSH-Server sich Zeit lassen, kann das Anlegen der AVnav-Karten eine Weile dauern.

Abbildung 6: Da die BSH-Server sich Zeit lassen, kann das Anlegen der AVnav-Karten eine Weile dauern.

Ein Neustart von AVnav schließt die Konfiguration ab: Beim erneuten Öffnen des Webinterfaces steht nun die angelegte Karte zur Auswahl bereit. Befinden Sie sich an einer Position, die diese Karte abdeckt, erblicken Sie Ihr Boot unmittelbar an der richtigen Stelle.

Schwieriger als gedacht

Nachdem die Kartennavigation per Tablet mit Webapplikation des Raspberry Pi nachweislich funktionierte, stellte sich noch ein unerwartetes Problem: Wie lässt sich ein Smartphone oder Tablet an Bord so befestigen, dass es auch bei eher heftigem Wellengang nicht den unfreiwilligen Weg über die Reling antritt? Wie lässt sich schädlicher Einfluss durch Spritz- oder Wellenwasser vermeiden?

Als Navigationsgerät dient dem Autor ein iPad Air 2, und eine kurze Suche nach den Schlagworten “iPad” und “Boot” förderte schnell eine Lösung zutage: Armor-X bietet sowohl wasserdichte iPad-Hüllen an als auch passende Halterungen. Eine davon ist sogar ursprünglich dafür gemacht, auf Haltegriffen an Booten montiert zu werden.

Am Ende stand deshalb ein wasserdicht verpacktes iPad Air 2, das an der Steuersäule befestigt ist und selbst heftigem Wellengang und Wind problemlos standhält (Abbildung 7).

Abbildung 7: Dank einer Halterung der Firma Armor-X ist das iPad in der Plicht sicher fixiert.

Abbildung 7: Dank einer Halterung der Firma Armor-X ist das iPad in der Plicht sicher fixiert.

Ausblick: Viel zu tun

Positiv fällt auf, dass Andreas Vogel AVnav nicht als “fertig” betrachtet. Auf Feature-Wünsche im Forum von https://wwww.segeln-forum.de angesprochen, bittet er die Anforderer regelmäßig um Hilfe. Ein gutes Beispiel stellt das Thema Windmessung dar: Moderne Kursplotter können, schließt man sie direkt an eine Windmessanlage an, die dort eingehenden Informationen für die Navigation nutzen.

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