Sonys Walkman prägte die Unterhaltungsindustrie der 1980er. Nintendo gelang mit dem Game Boy in den 1990ern Ähnliches. Höchste Zeit, dem Spieleklassiker mit einem Raspberry-Pi-Herz wieder neues Leben einzuhauchen.
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Der Raspberry Pi eignet sich aufgrund seiner schwachen CPU kaum als Spielekonsole. Für Retro-Games und C64- oder Atari-Emulatoren reicht die Leistung jedoch locker aus. Wir rüsten einen alten Game Boy mithilfe eines RasPi und RetroPie in eine stilvolle Spielekonsole um.
Als kompakter und stromsparender Einplatinen-Mini-Computer eignet sich der Raspberry Pi für eine Vielzahl von Projekten, sei es als Mediacenter, Web- oder Cloudserver, für die Hausautomatisierung oder – dank seiner frei programmierbaren GPIO-Schnittstelle – für eine Vielzahl weiterer Ideen. Eine davon besteht darin, den RasPi in eine Retro-Spielekonsole zu verwandeln.
Die Rechenleistung des Computerzwergs reicht für diese Aufgabe mehr als deutlich aus. Mit RetroPie [1] widmet sich auch bereits eine auf Debian basierende Linux-Distribution eben diesem Thema. Die Software fasst eine Vielzahl von Emulatoren, vom Amiga über das NES bis hin zur Z Machine, unter einer einheitlichen grafischen Oberfläche zusammen.
Der RasPi als Game Boy
Nun lässt sich mit einem Spiele-Emulator jedoch kaum mehr jemand hinter dem Ofen hervorlocken. Entsprechende Programme für Linux, Mac und Windows gibt es schon seit Jahren und wurden bereits zur Genüge besprochen. Ein englischsprachiger Blog-Beitrag [2] machte unseren Autor jedoch wieder auf das Thema aufmerksam.
Ein RasPi mit großzügigem 3,5-Zoll-Display im Gehäuse eines klassischen Game Boy der ersten Generation: Mit RetroPie als Betriebssystem wird aus dem guten Stück der Super Pi Boy. Über die Steuerkreuze des Game Boy lassen sich zahlreiche Spieleklassiker mobil und vor allem mit Stil spielen. Dieser Artikel geht Ihnen bei der Umsetzung des Vorhabens zur Hand.
Vorarbeiten
Zunächst gilt es, einen Plan aufzustellen: Was soll der Retro-Game-Boy können, was möchten wir an der Vorlage des Super Pi Boy verbessern? Am Ende standen folgende Optimierungen auf dem Plan: Auf der Rückseite sollen vier statt nur zwei Druckknöpfe mehr Möglichkeiten bieten, den RasPi zu steuern. Seitlich erlaubt ein weiterer Knopf das Beenden der Emulation und die Rückkehr ins Hauptmenü. Schrauben sollen das Gehäuse sicher zusammenhalten, der Super Pi Boy soll ohne Klebeband auskommen. Zu guter Letzt schützt eine transparente Abdeckung das Display vor Schmutz und Kratzern.
Anschließend steht eine ausführliche Einkaufstour durch diverse Onlineshops an. Bastler werden die meisten benötigten Werkzeuge in ihrer Hobbywerkstatt finden, die für das Projekt nötigen Komponenten bekommen Sie auf Ebay oder Amazon für wenige Euro (siehe Tabelle “Benötigte Komponenten und Werkzeuge”). Insgesamt belaufen sich die Kosten inklusive eines neuen Raspberry Pi auf nicht mehr als 100 Euro. Der als Grundlage dienende Game Boy darf gerne Defekte aufweisen oder schon ausgeschlachtet sein – für den Super Pi Boy benötigen Sie lediglich das Gehäuse.
Benötigte Komponenten und Werkzeuge
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Bauteil |
Kommentar |
Bezugsquelle |
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Game Boy Classic DMG-01 |
darf Defekte aufweisen |
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Raspberry Pi |
Model B oder B+ |
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SD-Speicherkarte |
16 GByte oder mehr |
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3,5-Zoll-Monitor |
Mini-LCD Taotronics TT-CM01 |
Amazon [3] |
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Common Ground DMG-Schalterplatine |
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Kitsch Bent [4] |
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Mini-Audioverstärker |
PAM8403 |
Ebay [5] |
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Schaltreglermodul |
LM2596 |
Amazon [6] |
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Lautsprecher |
Nintendo DS Lite NDSL 2X |
Ebay [7] |
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40 Jumperkabel |
je 20 cm, weiblich/männlich |
Amazon [8] |
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Drucktaster |
SCI R13-502A-05BK |
Conrad [9] |
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USB-2.0-Verlängerungskabel (Micro-B) |
Stecker auf Buchse |
Conrad [10] |
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12V-DC-Netzteil |
etwa von externer 3,5-Zoll-Festplatte |
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Chinch-Kabel (Composite) |
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Audiokabel |
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3,5-mm-Klinkenstecker |
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Diverse Kabel |
zwecks Zuschnitten |
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Werkzeuge |
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Triwing-Schraubendreher |
für Nintendo Wii oder DS Lite |
Ebay [11] |
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Isolierband, doppelseitiges Klebeband |
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Zange, Seitenschneider |
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Dremel, Heißklebepistole |
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– |
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Optionale Komponenten |
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Funktastatur, Maus |
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WLAN-USB-Adapter |
Edimax EW-7811UN |
Amazon [12] |
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Experimentierboard |
830 Kontakte |
Amazon [13] |
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Lötstation |
Basetech ZD-99 |
Conrad [14] |
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Elektroniklot, Entlötlitze |
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Versuchsaufbau
Die erste große Hürde stellt das Umsetzen der Steuerung des Super Pi Boy dar. RetroPie lässt sich zwar mittels einer herkömmlichen Tastatur bedienen, doch unseren RasPi-Game-Boy möchten wir später mit dem originalen Steuerkreuz und den Drucktasten des Geräts bedienen. Wir müssen dem RasPi daher beibringen, die Signale dieser Schalter zu verarbeiten.
Hierzu eignet sich die GPIO-Schnittstelle bestens; eine gute Anleitung zum Einbinden von Arcade-Controllern finden Sie etwa bei Adafruit [15]. Das kleine C-Programm Adafruit-Retrogame [16] setzt beim Druck auf eins der Steuerelemente des Game Boy die Informationen der abgefragten GPIO-Pins in entsprechend konfigurierte Tastaturbefehle um. Die dabei genutzten Tastaturbefehle konfigurieren Sie später im Frontend von RetroPie.
Um erste Erfahrungen mit dem Steuern von RetroPie mittels Arcade-Buttons zu sammeln, missbrauchen wir ein altes USB-Gamepad, in unserem Fall einen abgegriffenen Logitech Wingman. Für die Tests benötigen wir lediglich das PCB, also die Platine, und das Gehäuse mit den Tasten. Den auf dem Printed-Circuit-Board verlöteten IC benötigen wir nicht mehr, dort sollen unsere Kabel Platz finden. Daher fällt dieser als Erstes dem Lötkolben zum Opfer (Abbildung 1).
Um die Drähte später korrekt anzuschließen (Abbildung 2), beschriften Sie diese vor dem Zusammenbau. Anschließend setzen Sie das Gamepad wieder zusammen und verbinden die einzelnen Leitungen mit der Experimentierplatine, sodass sich die Funktion jeder Taste und jedes Anschlusses auf dem PCB prüfen lässt. Dafür greifen Sie zum Beispiel auf die Widerstandsmessung eines Multimeters zurück (Abbildung 3).







