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Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Das Cubietruck im Alltagstest

© Thomas Klee, 123RF

Zwergenaufstand

Frank Hofmann

Kleine Boards und wenig Leistung – das war einmal: Mit dem Cubietruck steigen Sie in eine neue Leistungsklasse auf.

Bis vor wenigen Jahren brachte man Single-Board-Computer nicht gerade mit einem leistungsfähigen Rechner in Verbindung. Nur ein überschaubarer Kreis von Enthusiasten schätzte die Verlässlichkeit von Einplatinenrechnern wie dem RouterBOARD aus dem Hause MikroTik [1] oder Embedded Systems wie dem ALIX-Board von PC Engines [2]. In der Zwischenzeit hat sich jedoch das Blatt gewendet, mittlerweile gibt es eine eigene Klasse kleiner Rechengeräte mit beachtlicher Leistung zu akzeptablen Preisen.

In diese Kategorie fällt auch das Cubieboard. Alle bislang vorgestellten Varianten – angefangen vom Ur-Cubieboard von 2012 über das Cubieboard 3/Cubietruck [3] (2013) bis hin zum Cubieboard 5/Cubietruck Plus (2016) – setzen auf einem Mehrkern-ARM-Prozessor von Allwinner auf, die Architektur nennt sich SunXI [4].

Cubieboard-Familie

Alle Modelle des Cubieboard bieten eine für die Geräteklasse überdurchschnittliche Ausstattung. Dazu gehören neben einem leistungsfähigen Grafikprozessor 2 GByte RAM, ein SATA-Anschluss (ab Cubieboard 4 ersetzt durch USB 3.0) sowie eine Gigabit-Ethernet-Schnittstelle. Bei einer Größe von weniger als 15 x 10 Zentimetern finden Sie beispielsweise eine VGA- und HDMI-Schnittstelle (ab Cubieboard 5/Cubietruck Plus nur HDMI) sowie diverse Pins zur weiteren Steuerung und zum Debuggen. Alle Boards verfügen über einen Slot für eine MicroSD-Karte. Das erleichtert das Vorbereiten und Bestücken des Boards mit Software.

Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht das Cubieboard 3/Cubietruck (Abbildung 1). Trotz seines Alters (die erste Revision stammt vom Oktober 2013) hat es nichts an seiner Leistungsfähigkeit verloren. Zum Lieferumfang zählen neben dem Board drei Plexiglasplatten samt Abstandshalter und Muttern sowie eine Auswahl von Verbindungs- und Anschlusskabeln für SATA und USB [5]. Separat erwerben müssen Sie gegebenenfalls ein 5V/2.5A-Netzteil (notwendig, wenn Sie an den Cubietruck eine SATA-Festplatte anschließen) sowie eine Speicherkarte (Micro-SD). Gegebenenfalls sollten Sie noch in ein geschlossenes Gehäuse als Staubschutz investieren. Alle genannten Komponenten inklusive dem Board erfordern ein Budget von etwa 200 Euro.

Abbildung 1: Mit 15 x 10 cm baut der Cubietruck deutlich größer als der Raspberry Pi.

Abbildung 1: Mit 15 x 10 cm baut der Cubietruck deutlich größer als der Raspberry Pi.

Inbetriebnahme

Das Cubietruck kommt als Bausatz, den es erst einmal zusammenzusetzen gilt. Nachdem Sie den beiliegenden Kühlkörper für den Prozessor aufgeklebt haben, sortieren Sie die Plexiglasplatten entsprechend der Aussparungen des Boards, montieren die Abstandshalter zwischen die Platten und Board und verschrauben diese miteinander.

Im nächsten Schritt geht es um die Software, die auf dem Board laufen soll. Dazu beziehen Sie zunächst ein passendes Image, prüfen es und schreiben es auf die Micro-SD-Karte. Zu guter Letzt setzen Sie die Micro-SD-Karte in das Board ein und booten. Danach richten Sie die Software ein und legen los.

Vom Auspacken bis zum Verwenden – inklusive neugierigem Betrachten des neuen Spielzeugs und seiner blinkenden LEDs, dem Beziehen, Testen und Einrichten des Images auf dem Board – vergehen etwa zwei bis drei Stunden. Danach steht Ihnen ein vollwertiger Server im Miniformat zur Verfügung.

Armbian oder Debian ARM

Für das Image fiel die Auswahl auf Armbian [6], einem Debian für den ARM-Prozessor. Armbian wurde für den Cubietruck mit dem SunXI-Prozessor speziell aufbereitet und versteht sich als vollumfängliche Zusammenstellung mit angepasstem XFCE-Desktop. Es erweist sich als Schlank, stabil, ausgefeilt und sofort benutzbar.

Als Alternativen stehen beispielsweise Cubian [7] oder Debian ARM [8] zur Verfügung. Ersteres fiel im Test durch den Raster, da bei der Recherche keines der angegebenen Images via Bittorrent verfügbar war. Letzteres richtet sich eher an Anwender, die das System vollständig selbst zusammenstellen möchten. Um den Cubietruck mit einem Raspbian und einem Raspberry Pi zu vergleichen, kommt im Test jedoch Armbian zum Einsatz.

Image vorbereiten

Zunächst laden Sie das Image von der Webseite des Projekts (rund 475 MByte). Es kommt in Form eines mit 7-Zip komprimierten 7z-Archivs. Zum Entpacken benötigen Sie das dazugehörige Packprogramm (Listing 1). Unter Debian GNU/Linux und Ubuntu finden Sie die Software in den beiden Paketen p7zip [10] und p7zip-full [11], unter Windows greifen Sie am besten zum offiziellen 7-Zip [11].

Listing 1

 

$ 7z e Armbian_5.10_Cubietruck_Debian_jessie_4.5.2_desktop.7z
[...]
Extracting  armbian.txt
Extracting  Armbian_5.10_Cubietruck_Debian_jessie_4.5.2_desktop.raw.asc
Extracting  Armbian_5.10_Cubietruck_Debian_jessie_4.5.2_desktop.raw
Everything is Ok
[...]

Installation

Nach dem Entpacken bestücken Sie die Micro-SD-Karte mit der Image-Datei. Dabei hilft unter Linux das Werkzeug Dd, mit dem Sie als Root die Datei innerhalb von kurzer Zeit auf den Datenträger übertragen (Listing 2). Bitte beachten Sie, dass für das Bestücken die Speicherkarte das Ziel-Device (im Beispiel /dev/sdd) nicht gemountet sein darf, zudem müssen Sie die Laufwerks-ID an Ihr System anpassen. Anschließend senden Sie noch ein Sync-Kommando hinterher, damit das System auch alle Caches vollständig auf den Datenträger überträgt.

Listing 2

 

# dd if=Armbian*.raw of=/dev/sdd bs=1M
2337+0 Datensätze ein
2337+0 Datensätze aus
2450522112 Bytes (2,5 GB) kopiert, 123,436 s, 19,9 MB/s
# sync

Jetzt wird es spannend: Sie booten das Board mit der vorbereiteten Micro-SD-Karte. Dazu stecken Sie die Karte in den entsprechenden Slot auf dem Cubietruck und versorgen diesen mit Strom. Danach sollten die ersten Zeilen auf dem Bildschirm erscheinen. Der erste Durchlauf erzeugt die benötigten Systeminformationen und ist als Initialisierungsvorgang zu werten. Planen Sie dafür drei bis fünf Minuten ein. Der exakte Wert hängt von der Leistungsklasse der verwendeten Speicherkarte ab.

Konfiguration

Bei der Konfiguration generiert der Initialisierungsprozess die Default-Systemdaten wie etwa den Host-Key. Als Hostname geben Sie zum Beispiel cubietruck ein, für Netzwerk/IP dhcp. Für deutschsprachige Benutzer zumeist etwas ungewohnt ist das voreingestellte amerikanische Tastaturlayout. Gut zu wissen, wo welche Taste liegt [12] und wie Sie dieses Layout Ihren Wünsche anpassen [13]. Das wird insbesondere dann relevant, wenn Sie ein Passwort mit den Buchstaben Y, Z oder Sonderzeichen benutzen – sie liegen auf anderen Tasten, als Sie es von einer deutschen Tastatur kennen.

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