Aus Raspberry Pi Geek 04/2016

Das Cubietruck im Alltagstest (Seite 2)

Installation

Nach dem Entpacken bestücken Sie die Micro-SD-Karte mit der Image-Datei. Dabei hilft unter Linux das Werkzeug Dd, mit dem Sie als Root die Datei innerhalb von kurzer Zeit auf den Datenträger übertragen (Listing 2). Bitte beachten Sie, dass für das Bestücken die Speicherkarte das Ziel-Device (im Beispiel /dev/sdd) nicht gemountet sein darf, zudem müssen Sie die Laufwerks-ID an Ihr System anpassen. Anschließend senden Sie noch ein Sync-Kommando hinterher, damit das System auch alle Caches vollständig auf den Datenträger überträgt.

Listing 2

 

# dd if=Armbian*.raw of=/dev/sdd bs=1M
2337+0 Datensätze ein
2337+0 Datensätze aus
2450522112 Bytes (2,5 GB) kopiert, 123,436 s, 19,9 MB/s
# sync

Jetzt wird es spannend: Sie booten das Board mit der vorbereiteten Micro-SD-Karte. Dazu stecken Sie die Karte in den entsprechenden Slot auf dem Cubietruck und versorgen diesen mit Strom. Danach sollten die ersten Zeilen auf dem Bildschirm erscheinen. Der erste Durchlauf erzeugt die benötigten Systeminformationen und ist als Initialisierungsvorgang zu werten. Planen Sie dafür drei bis fünf Minuten ein. Der exakte Wert hängt von der Leistungsklasse der verwendeten Speicherkarte ab.

Konfiguration

Bei der Konfiguration generiert der Initialisierungsprozess die Default-Systemdaten wie etwa den Host-Key. Als Hostname geben Sie zum Beispiel cubietruck ein, für Netzwerk/IP dhcp. Für deutschsprachige Benutzer zumeist etwas ungewohnt ist das voreingestellte amerikanische Tastaturlayout. Gut zu wissen, wo welche Taste liegt [12] und wie Sie dieses Layout Ihren Wünsche anpassen [13]. Das wird insbesondere dann relevant, wenn Sie ein Passwort mit den Buchstaben Y, Z oder Sonderzeichen benutzen – sie liegen auf anderen Tasten, als Sie es von einer deutschen Tastatur kennen.

Der Initialisierungsprozess analysiert auch den von Ihnen genutzten Datenträger und expandiert die Partition automatisch auf die volle Größe des Datenträgers. Dieses Vorgehen ermöglicht das Bereitstellen eines vergleichsweise kleinen Images und nutzt die Speicherkarte oder den Datenträger optimal aus, auf dem Sie das Abbild einspielen. Die Standardkonfiguration für das Netzwerk und die aktivierten Dienste stellt Armbian sehr restriktiv ein: Ein kurzer Scan mittels nmap offenbart lediglich den Port 22 für den SSH-Server (Abbildung 2).

Abbildung 2: Von Haus aus steht auf dem Armbian-System nur der Port 22 des SSH-Servers offen.

Abbildung 2: Von Haus aus steht auf dem Armbian-System nur der Port 22 des SSH-Servers offen.

Ein erstes Login auf dem neuen System gelingt, wenn Sie das Cubietruck über den VGA-Port oder die HDMI-Schnittstelle an einen Monitor anschließen sowie eine USB-Tastatur anstecken. Als Zugangsdaten dienen zunächst root für das Login und 1234 als Passwort. Nach einem automatisch stattfindenden Reboot des Systems nach der Initialisierung setzen Sie ein eigenes Root-Passwort und legen noch ein Benutzerkonto an, das Sie für den regulären Betrieb verwenden. Anschließend startet automatisch das X-Window-System mit XFCE als grafischer Benutzeroberfläche (Abbildung 3).

Abbildung 3: XFCE als grafische Oberfläche auf dem Cubietruck.

Abbildung 3: XFCE als grafische Oberfläche auf dem Cubietruck.

Beobachtungen

Im Betrieb fällt auf, dass ein Ping vom Cubietruck nach außen nicht gelingt. Dafür verantwortlich zeichnet ein Bug in der Konfiguration von Ping im Armbian, der sich aber unkompliziert mit einer Reinstallation des Paketes iputils-ping reparieren lässt (Listing 3[14]. Danach erreichen Sie das Board via SSH (Abbildung 4), und auch anderer Rechner lassen sich vom Cubietruck aus ansprechen.

Listing 3

 

# apt-get install iputils-ping --reinstall
Abbildung 4: Der Willkommensbildschirm des Cubietruck im Terminal nach einem SSH-Login.

Abbildung 4: Der Willkommensbildschirm des Cubietruck im Terminal nach einem SSH-Login.

Der Autor verwendet derzeit den Cubietruck als mobilen Server für Linux-Schulungen. Das Board passt wegen seiner geringen Größe problemlos in jedes Handgepäck. Der Mini-Rechner dient während der Schulung als Referenz-Linux-Installation, auf der sich die Teilnehmer einloggen und lernen, mit einem Unix/Linux-System umzugehen. Das Board fungiert mit seinen LEDs und den Plexiglasplatten nicht nur als optischer Blickfang, es erweist sich auch als stabiles und zuverlässiges Arbeitsgerät für mehrere Teilnehmer.

Fazit

Kleines Gerät mit großer Power – so lautet unser das Fazit für das Cubietruck. Sie nehmen es unkompliziert und innerhalb kurzer Zeit in Betrieb und passen das System dank Armbian problemlos an Ihre Bedürfnisse an. So einfach war das Aufbauen eines Produktivsystems schon lange nicht mehr – probieren Sie es selbst aus. 

Autoreninfo

Frank Hofmann arbeitet in Berlin im Büro 2.0, einem Open-Source Experten-Netzwerk, als Dienstleister mit Spezialisierung auf Druck und Satz (http://www.efho.de). Seit 2008 koordiniert er das Regionaltreffen der Linux User Groups aus der Region Berlin-Brandenburg. Er ist zudem Co-Autor des Debian-Paketmanagement-Buchs (http://www.dpmb.org/).

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 4 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Raspberry Pi Geek bei Google Play Readly Logo
Nach oben