Obwohl diese Ergebnisse etwas enttäuschen, erweisen sie sich in der Praxis nicht als ein wirkliches Problem. Wer schnell größere Datenmengen schreiben oder lesen will, etwa um Videodateien oder größere Bestände an Bildern zu sichern, der ist bei einem richtigen NAS besser aufgehoben. Für Szenarien mit niedrigeren Anforderungen ist der R1 ein guter Kandidat. Wer seine Daten sowieso per WLAN verschiebt, spürt keine Einschränkung.
Betrieb als Router
Der Betrieb als Router erfordert etwas mehr Konfigurationsaufwand. In diesem Fall richten Sie den Switch zunächst einmal durch Editieren der Datei /etc/network/if-pre-up.d/swconfig (Listing 5) so ein, dass er zwei logische Netzwerkkarten bereitstellt. Damit gibt es zwei VLANs sowie die beiden logischen Schnittstellen eth0.101 und eth0.102.
Über /etc/network/interfaces konfigurieren Sie die zwei Schnittstellen dann wie physische Anschlüsse (Listing 6). Für einen ersten Test schalten Sie über den folgenden Befehl das Routing zwischen den Netzen frei:
$ sudo echo 1 > /proc/sys/net/ipv4/ip_forward
Listing 5
#!/bin/sh swconfig dev eth0 set reset swconfig dev eth0 set enable_vlan 1 swconfig dev eth0 vlan 101 set ports '3 8t' swconfig dev eth0 vlan 102 set ports '4 0 1 2 8t' swconfig dev eth0 set apply
Listing 6
auto lo iface lo inet loopback auto eth0.101 auto eth0.102 iface eth0.101 inet static address 192.168.1.1 netmask 255.255.255.0 gateway 192.168.1.250 iface eth0.102 inet static address 192.168.2.1 netmask 255.255.255.0
Für eine permanente Änderung tragen Sie die Zeile net.ip4.ip_forward=1 in die Datei /etc/sysctl.conf ein. Soll der Router auch noch als Firewall mit integriertem NAT dienen, etwa weil ein Interface direkt an einem DSL-Modem hängt, erfordert das entsprechende Iptables-Befehle – Anleitungen dazu finden sich reichlich im Netz. Soll der Router auch als DNS- und DHCP-Server fungieren, leistet das Paket dnsmasq gute Dienste. Die in Listing 7 gezeigten Einstellungen in der Datei /etc/dnsmasq.conf sorgen dafür, dass der R1 DHCP-Requests nur auf eth0.102 beantwortet.
Listing 7
interface=eth0.102 expand-hosts domain=meinkleinesnetz.de dhcp-range=192.168.2.100,192.168.2.150,12h dhcp-option=option:router,192.168.2.1
Im Gegensatz zum Switching läuft das Routing über den Kernel und belastet die CPU mit einigen Prozent. Der Durchsatz beträgt hier 72 bis 77 MByte/s.
WLAN
Vor dem Betrieb des WLANs steht eine sehr fummelige Aufgabe an: die Kabel für die WLAN-Antennen anzuschließen (der weiße Aufkleber in Abbildung 3 ist kleiner als eine 1-Eurocent-Münze). Sie drücken die kleinen Pigtails der Antennenkabel einfach von oben auf; ein Taschenbuch der richtigen Stärke als Unterlage verhindert Schaden an der Platine.

Abbildung 3: Das Anschließen der Kabel für die WLAN-Antennen erfordert etwas Geschick und vor allem eine ruhige Hand.
Die drahtlose Kommunikation stellt aktuell den Schwachpunkt des Routers dar, da der verbaute Chip nicht mit dem Access-Point-Programm Hostapd zusammenarbeitet. Zum Glück steht der Quellcode für eine funktionierende Variante auf der Seite des Herstellers Realtek bereit. Ein Eintrag im Forum [6] beschreibt im Detail die notwendigen Schritte für den Selbstbau der beiden Binaries hostapd und hostapd_cli.
Den Compiler und sonstige notwendige Tools für den Bau installieren Sie über das Metapaket build-essential; die Programme speichern Sie nach /usr/local/sbin. Die Installation des Pakets hostapd mit
$ sudo apt-get -y install hostapd
holt zwar erst einmal die nicht unterstützte Version auf die Platte, aber zusätzlich eine Reihe anderer Dateien, die notwendig sind. In /etc/init.d/hostapd ändern Sie den Pfad zum Programm hostapd von /usr/sbin/hostapd auf das kompilierte Programm /usr/local/sbin/hostapd ab.
Im nächsten Schritt passen Sie die Konfiguration von Hostapd an. Die entsprechende Konfigurationsdatei darf an beliebiger Stelle im Dateisystem liegen, muss aber in /etc/defaults/hostapd eingetragen sein. Listing 8 zeigt ein einfaches Beispiel für die Konfiguration mit dem WLAN als eigenes Netz. Zum Testen starten Sie den Access Point von Hand:
$ sudo /etc/init.d/hostapd start
Listing 8
ssid=Bananen-Netzwerk ctrl_interface=/var/run/hostapd interface=wlan0 driver=rtl871xdrv channel=10 beacon_int=100 hw_mode=g ieee80211n=1 wme_enabled=1 ht_capab=[SHORT-GI-20][SHORT-GI-40][HT40+] wpa=2 wpa_passphrase=pi31415926535 wpa_key_mgmt=WPA-PSK wpa_pairwise=TKIP rsn_pairwise=CCMP max_num_sta=8 wpa_group_rekey=86400 ignore_broadcast_ssid=0
Den automatischen Start legen Sie über das Kommando sudo insserv hostapd fest. Je nach Bedarf spannt das WLAN ein eigenes (Gast-)Netz auf oder ist Teil einer Bridge mit dem Kabelnetzwerk. In Sachen Durchsatz erreicht der R1 von theoretisch rund 120 Mbit/s Nutzdatenrate bis zu 50 Mbit/s. Die Zahlen schwanken stark, vor allem in Abhängigkeit von benachbarten Funknetzen. Im Idle-Modus erhöht der Betrieb als Access Point den Stromverbrauch nicht, im Betrieb steigt er um etwa 1 Watt.
Falls Sie sich daran stören, dass das WLAN-Device statt wlan0 beim R1 wlan1 heißt, löschen Sie die Datei /etc/udev/rules.d/70-persistent-net.rules: Darin findet sich noch ein alter Eintrag des Bananian-Maintainers, und der von diesem verwendete Chip hatte naturgemäß eine andere MAC-Adresse.





