Ein Teil der Benchmarks stammt aus der Sammlung von Roy Longbottom [12], der Rest aus der Benchmark-Kollektion [13] von BYTE UNIX. Ein Anpassen oder Rekompilieren der Programme für die verschiedenen ARM-Architekturen fand nicht statt. Dieses Vorgehen bringt Vor- und Nachteile mit sich: Einerseits erlaubt es, die Ergebnisse einfach zu vergleichen. Andererseits kommen Vorteile der neueren Architektur eventuell nicht voll zur Geltung.
Vor jedem Testlauf fand ein kompletter Neustart der Probanden statt. Die Konfiguration der Benchmarks erfolgte so, dass sie alle vorhandenen CPU-Kerne ansprachen. Ein RasPi B der ersten Generation sowie ein Banana Pi [14] komplettieren das Testfeld.
Die Ergebnisse sprechen ein klares Bild und zeigen Odroid-C1 als Sieger (Abbildung 2), der RasPi 2 und der Banana Pi liefern sich hingegen ein knappes Rennen. Die neue Himbeere hat am Ende aber die Nase vorn.

Abbildung 2: Der CPU-Benchmark verdeutlicht: An der Leistung des Odroid-C1 kommt keiner der Kontrahenten vorbei.
Erwartungsgemäß erreicht der RasPi der ersten Generation als Letzter des Ziel. Je nach Einsatz spielt aber der Durchsatz der Netzwerkschnittstelle oder die Leistung beim Lesen und Schreiben auf angeschlossenen Datenträgern eine wichtige Rolle. Bei Letzterem beeinflusst die Qualität des Speichermediums das Ergebnis sehr stark.
Die Tabelle “Iperf TCP-Tests” zeigt die Ergebnisse einiger Testläufe mit dem Tool Iperf [15]. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen RasPi-Generationen fallen erwartungsgemäß gering aus. Generell verhält sich das Netzwerk bei Version 2 aber stabiler.
Iperf TCP-Tests
|
TCP-Fenstergröße |
RasPi 1 |
RasPi 2 |
Odroid-C1 |
Banana Pi |
|---|---|---|---|---|
|
Standard |
93/21 |
92/88 |
82/387 |
233/544 |
|
64 KB |
46/24 |
68/84 |
119/262 |
305/189 |
|
128 KB |
53/24 |
84/88 |
99/380 |
255/352 |
|
256 KB |
72/23 |
91/88 |
117/264 |
184/504 |
|
384 KB |
80/23 |
91/88 |
136/206 |
187/525 |
|
Server/Client; jeweils in MBit/s |
Es überrascht ebenso wenig, dass der Odroid-C1 einen höheren Durchsatz erzielt. Angesichts der nominellen 1000 MBit/s enttäuschten die Ergebnisse jedoch. Der Banana Pi verwendet ebenfalls eine Gigabit-Schnittstelle und stiehlt dem Odroid-C1 in diesem Bereich die Show. Warum der Odroid im Bereich Multimedia eine gute Figur abgibt, erklärt der Kasten “Video killed the …”.
Video killed the …
Ein Grund für den Erfolg des Raspberry Pi sind seine Multimedia-Fähigkeiten. Die Basis dafür bildet die VideoCore GPU (Graphical Processing Unit) von Broadcom [21]. Ab Werk spielen die Himbeeren einige Videoformate wie H264, MPG4 und MJPG Hardware-gestützt mit beeindruckender Leistung ab. Für ein paar zusätzliche Euro kaufen Sie die fehlenden Codecs wie MPG2 dazu.
Anders sieht es beim Odroid-C1 aus: Hier gibt es nichts nachzukaufen, und Sie brauchen es auch nicht. Wie der RasPi nutzt das Board einen dedizierten Chip zum Abspielen der Videoformate. Die Amalogic Video Engine (AVE) umfasst dabei von Haus aus die gängisten. Die XBMC- respektive Kodi-Fans freut es [22]: Der Odroid-C1 braucht sich in dieser Hinsicht nicht vor dem RasPi zu verstecken.
Jenseits der Benchmarks
Hardware-Daten oder Benchmark-Resultate erlauben zwar ein recht objektives Bewerten der Rechner. Genau genommen gilt es aber, die Schnittstellen zu betrachten – und weiterführend die Erweiterungen, die bereitstehen. Diesem Ansatz folgend eröffnet sich eine komplett andere Dimension durch die Community und ihre Projekte: Eine einfache Internet-Recherche zeigt deutlich mehr Projekte für die Himbeere als für Odroid-C1. Ähnlich sieht es mit Literatur über die beiden Probanden aus.
Die Benchmarks sprechen zwar eine deutliche Sprache zugunsten des Odroid-C1. In der Praxis erweist sich das RasPi-Universum aber als sehr groß und gewichtig. Das betrifft sowohl Hardware als auch Software. Suchen Sie eine USV, so stehen hier diverse Alternativen bereit. Neben kommerziellen Produkten gibt es noch unzählige Selbstbau-Projekte. Entscheiden Sie sich für den Odroid-C1, stehen Sie zwar nicht im Regen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es aber nur ein kommerzielles Produkt [16].
Ähnlich sieht es auf der Software-Seite aus: Die Himbeere ist hier quasi in jedem Bereich präsent. Allerdings ist die Odroid-Welt ebenfalls recht belebt und hängt so den Banana Pi locker ab. Die Homepage des Herstellers listet eine Reihe von Erweiterungen. Die Bibliothek Wiring Pi [17] für den Zugriff auf die GPIO-Schnittstelle unterstützt ebenfalls den Odroid-C1 [18].
Auf der Habenseite verbucht der Pi-Konkurrent den eingebauten Infrarot-Empfänger für sich, den Sie recht einfach in Betrieb nehmen [19]. Dann ist da noch die Echtzeit-Uhr (RTC), die allerdings eine Batterie benötigt. Im Auslieferungszustand besitzen aber weder der RasPi noch Odroid-C1 ein Gedächtnis, sie starten nach dem Reboot jeweils mit dem 1. Januar 1970, was Ubuntu Snappy auf der Himbeere übrigens Probleme bereitet (Abbildung 3).
Die “Blitzlicht-Affäre” [20] schadete dem Renommee des RasPi zwar nicht nachhaltig. Der ein oder andere Odroid-Besitzer konnte sich ein Lächeln allerdings nicht verkneifen.
Fazit
Preislich liegen beide Geräte nahe beieinander, der Kostenfaktor als Kriterium fällt damit flach. Geht es um Leistung, CPU oder Netzwerk, liegt der Odroid klar vorne. Im Multimedia-Umfeld punktet der Raspberry-Kontrahent mit einer Menge Hardware-unterstützter Video-Codecs. Außerdem verbucht er auf der Habenseite die Echtzeit-Uhr und eine Infrarot-Schnittstelle.
Die Stärken des neuen Raspberry Pi liegen vor allem in dem Ökosystem, in das er sich mit seinen vier Geschwistern einreiht. Benötigen Sie etwas mehr Leistung oder Speicher, stellt die neue Himbeere eine einfache Tuning-Lösung dar. Dies gilt insbesondere, wenn Sie schon viel in Zubehör investiert haben und nur ein bisschen mehr Power benötigen.
Infos
- Raspberry Pi 2: http://www.raspberrypi.org/raspberry-pi-2-on-sale/
- Hardkernel: http://www.hardkernel.com
- Odroid-C1: http://www.hardkernel.com/?b173
- Pollin:http://www.pollin.de
- Windows-Entwickler-Programm: http://dev.windows.com/en-us/featured/Windows-Developer-Program-for-IoT
- Download-Seite des Raspberry-Pi-Projekts:http://www.raspberrypi.org/downloads/
- RISC OS: http://www.riscosopen.org
- OpenELEC:http://openelec.tv
- RaspBMC: http://www.raspbmc.com
- Pidora: http://pidora.ca
- OSMC: http://osmc.tv
- Benchmarks von Roy Longbottom: http://www.roylongbottom.org.uk/Raspberry%20Pi%20Benchmarks.htm
- BYTE UNIX Benchmark-Kollektion: http://code.google.com/p/byte-unixbench/
- Banana Pi: http://www.bananapi.org
- Iperf: http://iperf.fr
- Odroid-C1 Hardware-Erweiterung: http://www.hardkernel.com/main/products/prdt_info.php?g_code=G142321718874
- Wiring Pi: http://wiringpi.com
- Wiring Pi für Odroid-C1: http://github.com/hardkernel/wiringPi/commit/8a4df6c9b136123e16c1e2c25780a3d232f783a3
- Infrarot-Empfänger des Odroid-C1 ansteuern: http://github.com/mdrjr/c1_irremote
- RasPi “Blitzlicht-Affäre”: http://www.raspberrypi.org/xenon-death-flash-a-free-physics-lesson/
- Broadcom RasPI-GPU: http://www.broadcom.com/products/technology/mobmm_videocore.php
- Kodi: http://kodi.tv






