Aus Raspberry Pi Geek 06/2014

Mini-PC Cubietruck im Performance-Test (Seite 2)

Abgesehen vom Kernel schöpfen aber sowohl die Lubuntu-Images als auch das Debian-System aus gut gefüllten Repositories, denn die Distributionen unterstützten schon lange vor dem Hype um RasPi die Architektur ARMv7.

Installation

Der Cubietruck bootet prinzipiell entweder von der SD-Karte oder vom eingebauten Flash – in dieser Reihenfolge. Steckt allerdings eine Karte im System und der Bootvorgang läuft davon nicht an, kommt das System gar nicht hoch. Die Priorisierung der SD-Karte bietet aber den Vorteil, dass ein fehlerhaftes System im Flash den Computer nicht unbenutzbar macht.

Möchten Sie ein System auf einer SATA-Platte einrichten, benötigen Sie zumindest den Bootcode und den Kernel auf SD-Karte oder Flash. Die Installation im Flash-Speicher klappt nicht ohne Spezialsoftware, die es aber sowohl für Linux als auch für Windows gleichermaßen gibt. Entsprechende Download-Links und detaillierte Anleitungen finden Sie auf der Cubietruck-Website [4].

Treiber

Auch wenn er die schwächere Plattform stellt, macht der RasPi doch bei der Treiberunterstützung viel wett. Bei den A20-Systemen dagegen bremsen fehlende und unvollständig implementierte Treiber die Systeme unnötig aus. Zwar funktionieren die Basiskomponenten wie Netzwerk, USB oder SATA ohne Klimmzüge, aber sobald Hardware eine gesonderte Unterstützung erfordert, stellen sich Probleme ein.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung betrifft das aber nicht die GPU: Beschleunigtes 3D funktioniert auch mit dem Cubietruck. Für die VPU (Video Processing Unit) dagegen fehlt eine stabile Treiberimplementierung, womit sich der Cubietruck derzeit nicht für entsprechende Multimediaanwendungen eignet.

Das reduziert das Anwendungsspektrum des Cubietruck – zumindest vorerst – auf die eines kleinen, effizienten Servers, der auf Netzwerk- und Storage-Seite die Beschränkungen des RasPi überwindet. Eine Reihe von synthetischen und praktischen Tests soll im Folgenden zeigen, wo die Leistungsgrenzen liegen.

Messungen

Zuerst einmal untersuchen wir die Leistungsaufnahme des Systems, denn neben dem günstigen Preis zählt für viele Anwender der sparsame Betrieb als Hauptgrund, auf Leistung zu verzichten. In dieser Disziplin glänzt der Cubietruck in jeder Hinsicht. Ohne angeschlossene Großverbraucher wie Festplatten benötigt er sogar weniger Strom als der RasPi, selbst bei voller Last auf den CPUs steigt der Verbrauch nicht an.

Unser Messgerät zeigte eine Leistungsaufnahme von nur 2 Watt. Im heruntergefahrenen Zustand sinkt die Aufnahme auf null, nur noch das Steckernetzteil verbraucht dann Strom. Offensichtlich schaltet der Cubietruck anders als der RasPi seine Komponenten beim Herunterfahren tatsächlich komplett ab.

Recht beeindruckend fällt die CPU-Leistung des Cubietruck im Vergleich zum RasPi aus. Das spürt man schon rein subjektiv bei der Arbeit mit dem System, es lässt sich aber auch messtechnisch belegen, etwa bei der Berechnung der Kreiszahl Pi mit dem Kommandozeilenrechner Bc auf 3400 Stellen:

$ time bc -l <<< "scale=3400; 4*a(1)"

Auf dem Raspberry Pi dauert der Durchlauf bei normaler Taktung ungefähr 100 Sekunden. Der Cubietruck erledigt die Aufgabe in nur 56 Sekunden, wobei er wohlgemerkt lediglich einen CPU-Kern verwendet. Ein entsprechendes Overclocking drückt die Durchlaufzeit auf dem RasPi zwar auch auf bis zu 66 Sekunden, der Cubietruck lässt sich auf diese Weise jedoch ebenfalls beschleunigen.

Ausgefeiltere Tests, etwa mit Linpack, zeigen insgesamt eine vierfache Leistung des Cubietruck gegenüber dem RasPi. Allerdings genügt auch die deutlich höhere CPU-Leistung nicht, um die fehlende VPU-Unterstützung wettzumachen: Das Umrechnen von Filmen erweist sich als zu rechenintensiv für den Cubietruck.

Speicher und Netzwerk

Die USB-Performance des Cubietruck liegt auf normalem USB-2.0-Niveau. Entsprechend leistungsfähige Platten oder Sticks schreiben also mit 25 bis 30 MByte/s. Die Ports reagieren nicht so empfindlich wie die des RasPi: Dort stürzt der Kleinrechner oft durch den etwas höheren Anlaufstrom beim Einstecken eines USB-Verbrauchers ab; derartige Probleme kennt der Cubietruck nicht.

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