Pi MusicBox
Pi MusicBox [9] hebt sich von Volumio und RuneAudio mit einer eigenständigen Weboberfläche und einem alternativen Ansatz ab. Die Jukebox-Distribution basiert auf Raspbian und setzt auf Mopidy [10] als Backend. Zum Testen von Pi MusicBox empfehlen wir zur aktuellen Prerelease-Version zu greifen [11]: Die erwies sich in unserem Test als deutlich ausgereifter und fehlerfreier als die letzte aktuelle offizielle Version 0.4.3.
Die Installation läuft nach dem bewährten Schema ab: Distribution herunterladen, entpacken, auf eine SD-Speicherkarte schreiben und den RasPi von dieser booten. Die Weboberfläche (Abbildung 5) erreichen Sie auch hier wieder unter einer mDNS/Zeroconf-Adresse, bei Pi MusicBox heißen die URLs http://musicbox oder http://musicbox.local. Alternativ benutzen Sie die vom Router zugewiesene IP, die Sie im Webfrontend ihres Routers oder auf einem angeschlossenen Monitor finden.
Die aktuelle Betaversion bietet Ihnen unter Settings in der Seitenleiste ein grafisches Setup. Hier tragen Sie unter Music files Samba-Netzwerkfreigaben ein, setzen unter MusicBox ein neues Root-Passwort, wählen unter Audio den Audioausgang. Hier stehen HDMI, Analog-Audio, USB, oder I2S-Audio-Erweiterungen wie HiFiBerry [12] zur Wahl. Musik auf einer per USB angeschlossenen Festplatte fügt MusicBox automatisch zu seiner Musikdatenbank hinzu (Abbildung 6). Im Gegensatz zu Volumio und RuneAudio beherrscht Pi MusicBox jedoch nicht die beliebten verlustfreien Audioformate FLAC und ALAC. Zum Aktivieren der neuen Einstellung gilt es, den MusicBox-RasPi neu zu starten.
Verfügen Sie über eine größere Musiksammlung, dann müssen Sie sich beim ersten Neustart nach Hinzufügen der Netzwerkfreigabe in Geduld üben. Schon das Einlesen einer etwa 1 GByte umfassenden MP3-Bibliothek dauert etwa 10 Minuten. Das Einlesen noch größerer Sammlungen zieht sich dementsprechend über Stunden hin. Das Webfrontend meldet sich in dieser Zeit etwas unverständlich mit Loading data from MusicBox. Please wait…. Präzisere Information liefert MusicBox mit MusicBox Scanning music-files, please wait… auf dem Bildschirm.
Die Stärke der Pi MusicBox liegt darin, nicht nur lokal oder im Netzwerk abgespeicherte Musikdateien abzuspielen, sondern auch Streaming-Dienste zu unterstützen, darunter Spotify, Soundcloud, Google Music (All Access) und Subsonic. Das Einbinden eines kostenpflichtigen Spotify-Accounts funktioniert im Test ohne größere Schwierigkeiten.
Die Unterstützung von Google Music befindet sich aktuell noch im Betastadium und funktioniert nur in der aktuellen Prerelease-Version. Neben den Zugangsdaten zu Ihrem Google-Account müssen Sie noch die Device-ID eines Ihrer Android-Geräte eintragen (Abbildung 7). Sie erfahren diese auf einem Smartphone über die Pseudo-Telefonnummer *#*#8255#*#* oder eine App wie Android Device ID [13].
Das Google-Music-Plugin verlangsamt abermals den Start des MusicBox-RasPi, allerdings bindet der nun Ihre bei Google Music hinterlegte Musiksammlung ein. Abonnenten der All-Inclusive-Flatrate erhalten über die Funktion sogar Zugriff auf den kompletten Musikbestand Googles. Ihre Google-Musik erreichen Sie nicht über die Menüs in der Seitenleiste, sondern über die Suchfunktion, die sich unter der Lupe am oberen rechten Rand der Webseite versteckt (Abbildung 8). Treffer aus dem Google-Repertoire markiert MusicBox mit einem Google-Icon.
Apps für PC und Handy
Generell benötigen Sie zum Steuern aller hier vorgestellten Netzwerkplayer für den Raspberry Pi nur einen Webbrowser. Alle Frontends passen sich gut der Breite des jeweiligen Browserfensters an, sodass sich die Seiten auf dem PC, dem Tablet oder dem Smartphone gleichermaßen gut bedienen lassen. Für etwas mehr Komfort bietet es sich jedoch an, auf einen MPD-Client zurückzugreifen. Diese Anwendungen bedienen sich ähnlich komfortabel wie sie es von Audioplayern wie etwa Winamp gewohnt sind.
In den Paketquellen der gängigen Linux-Distributionen findet sich eine breite Palette an entsprechenden Client-Programmen, aber auch für andere Betriebssysteme gibt es diverse MPD-Clients [14]. Unter Linux zählen Sonata [15] und Cantata [16] zu den etablierten MPD-Clients (Abbildung 9). Cantata bieten die Entwickler auch in einer Variante für Windows an. Unter Windows 8 greifen Sie zu Chimney [16], MPDroid [17] dürfte Android-User zufriedenstellen (Abbildung 10).
Im Zusammenspiel mit Pi MusicBox arbeiten die MPD-Clients mithilfe der Suchfunktion nicht nur mit den lokal gespeicherten Daten der MusicBox zusammen, sondern durchstöbern auch das Angebot der jeweils aktivierten Streaming-Dienste. In unserem Setup mit Google Music All Inclusive spielten wir so komfortabel Google-Musik auf der herkömmlichen Stereoanlage ohne internetfähigen Receiver ab, die Auswahl der Titel erfolgte per Sonata am PC oder MPDroid auf dem Handy.
Fazit
Alle drei vorgestellten Musikplayer-Distributionen verwandeln einen Raspberry Pi in eine komfortable, stromsparende und netzwerkfähige Jukebox. Schließen Sie den so ausgestatteten RasPi an Ihre Stereoanlage an und steuern ihn über MPD-Apps auf dem Handy oder PC, können Sie sich die Anschaffung eines modernen Receivers mit Internetanschluss sparen: Der Raspberry Pi rüstet die fehlenden Funktionen für wenig Geld nach.
Volumio und RuneAudio eignen sich primär für Anwender, die ihre Musik nur auf einer USB-Festplatte oder einem im lokalen Netzwerk verfügbaren Netzwerkspeicher lagern. Pi MusicBox überzeugt dagegen durch die zuverlässige Integration von kommerziellen Streaming-Diensten wie Spotify oder Google Music, und auch Podcasts lassen sich bequem darüber ansteuern. Allerdings mangelt es der MusicBox an der Unterstützung für verlustfreie Audioformate.
Infos
- Sonos: http://www.sonos.com
- Teufel Raumfeld: http://www.teufel.de/raumfeld-audio-streaming.html
- Volumio: http://volumio.org
- Bonjour-Druckdienste für Windows: http://support.apple.com/kb/DL999?viewlocale=de_DE
- RuneAudio: http://www.runeaudio.com
- Tsunamp: http://www.tsunamp.com
- “What’s the difference with RuneAudio?”: http://volumio.org/forum/what-the-difference-with-runeaudio-t392.html#p1384
- “About RuneAudio and Volumio”: http://www.runeaudio.com/forum/about-runeaudio-and-volumio-t90.html
- Pi MusicBox: http://www.pimusicbox.com
- Mopidy: http://www.mopidy.com
- Pi-MusicBox-Prerelease: http://www.pimusicbox.com/prerelease.html
- HiFiBerry: http://www.hifiberry.com
- Android Device ID: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.evozi.deviceid
- Auflistung aller MPD-Clients: http://mpd.wikia.com/wiki/Clients
- Sonata: https://github.com/multani/sonata
- Cantata: https://code.google.com/p/cantata/
- Chimney: http://apps.microsoft.com/windows/en-US/app/b1abaafa-68d9-45be-a2b0-ddb500de96e7
- MPDroid: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.namelessdev.mpdroid











