Aus Raspberry Pi Geek 01/2014

Spielkonsolen-Klassiker auf dem Raspberry Pi emulieren (Seite 2)

Die Spieledateien einiger älterer Konsolen sind oft nur wenige KByte groß, sodass Sie diese selbst über eine langsame Netzverbindung binnen kürzester Zeit auf den Pi transferieren. Im Fall der Playstation und auch der Grafikadventures für ScummVM sieht das meist schon ganz anders aus: Hier kann ein einzelner Titel durchaus einmal 500 MByte Platz belegen, bei durchgehender Sprachausgabe sogar noch mehr. Für das Kopieren solcher Datenmengen auf den Raspberry Pi bietet es sich an, eine externe Festplatte oder einen USB-Stick zu verwenden.

Die ROM-Dateien müssen Sie nur einmalig auf den Pi übertragen. Anschließend gestaltet sich der Ablauf unkompliziert und angenehm flüssig: SD-Karte booten, im Menü die gewünschte Konsole wählen (etwa C64 oder ScummVM), spielen. Innerhalb der Emulatoren erreichen Sie meist über eine der Funktionstasten deren Menü, über das Sie das Programm auch wieder beenden und so ins Spielkonsolen-Auswahlmenü zurückkehren. Im Test traten dabei keinerlei Probleme auf.

Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht noch ein SD-Karten-Image gibt, das noch mehr Features parat hält?

RetroPie

Das RetroPie-Projekt [3] verfolgt im Kern einen ähnlichen Ansatz wie PiMAME: Es stellt ein SD-Karten-Image zur Verfügung, über das Sie den Pi booten und auf Knopfdruck vorkonfigurierte Emulatoren starten. Alternativ stellt das RetroPie-Team auch ein Setup-Skript zur Verfügung, mit dessen Hilfe Sie sich die Umgebung selbst zusammenstellen.

Das Image startet nach einem automatischen Login das Programm EmulationStation, einen grafischen Launcher für die installierten Emulatoren. Für jeden davon zeigt EmulationStation einen Vollbild-Splashscreen an. Mit den Pfeiltasten wechseln Sie zur Auswahl zwischen den Emulatoren hin und her.

Auf moderneren Anzeigegeräten besticht der Auswahlbildschirm nicht gerade durch gute Lesbarkeit, tatsächlich wirkt er auf einem kleinen Analogfernseher am besten. PiMAME löst diese Aufgabe mit seiner Listendarstellung aller zur Auswahl stehenden Systeme deutlich besser.

Jedoch zeigt EmulationStation auch nur diejenigen Systeme an, für die sich überhaupt Spiele in den ROM-Verzeichnissen finden. Wer also nicht mehr als drei Konsolen emuliert, findet sich ganz gut zurecht. Darüber hinaus bietet der Launcher an, bereits vor dem Start des Emulators das anvisierte Spiel auszuwählen.

RetroPie enthält einige wenige Emulatoren mehr als PiMAME (Abbildung 3), unter anderem solche für den 8-Bit-Computer Sinclair ZX Spectrum sowie den MS-DOS-Emulator Dosbox. Der größte Reiz des Projekts besteht jedoch darin, dass es auf seiner Homepage eine Anleitung dazu liefert, die Original-Gamepads alter Spielkonsolen an den RasPi anzuschließen [4].

Abbildung 3: Auch den berühmt-berüchtigten "Brotkasten" emuliert der RasPi, hier mithilfe von RetroPie.

Abbildung 3: Auch den berühmt-berüchtigten “Brotkasten” emuliert der RasPi, hier mithilfe von RetroPie.

Zwar kann man theoretisch ohnehin Joysticks und Joypads mit USB-Anschluss an den Raspberry Pi stöpseln. Dagegen spricht aber nicht nur, dass man damit pro Steuerknüppel einen USB-Port blockiert: Auch wegen des zusätzlichen Stromverbrauchers kann es dann Probleme mit der Spannungsversorgung geben. Die richtige Nostalgie kommt auf diese Weise auf keinen Fall auf, selbst wenn man die genannten Problemchen durch Einsatz eines aktiven USB-Hubs umgeht.

Hier wirkt der Ansatz des RetroPie-Projekts, die Original-Gamepads alter Konsolen an die GPIO-Pins des RasPis anzuschließen, besonders reizvoll. Ein Original-Joypad etwa für das Super Nintendo kostet auf Ebay nur um die 5 Euro, für eine komplette SNES-Konsole fällt hingegen je nach Zustand und Ausstattung oft das Zehnfache und mehr an.

Das Gamepad verdrahtet man dabei gemäß der Anleitung der RetroPie-Homepage direkt mit den entsprechenden Pins des RasPis. RetroPie offeriert zudem auch ein Adapter-Board zum Kauf, das den Vorgang zum einen etwas vereinfacht und zum anderen eine Schutzbeschaltung verwendet. Softwareseitig läuft auf dem RasPi im Hintergrund ein kleines C-Programm, das die GPIO-Pins im Polling-Verfahren abfragt und getätigte Steuerungsaktionen an die Emulatoren weiterleitet.

Der Adapter des RetroPie-Projekts vereinfacht das Anschließen originaler Konsolen-Gamepads an den RasPi.

Der Adapter des RetroPie-Projekts vereinfacht das Anschließen originaler Konsolen-Gamepads an den RasPi.

Ausblick

Falls Ihnen der RasPi selbst mit Original-Gamepads noch nicht retro genug erscheint, finden sich im Netz Dutzende Projekte, die sich damit befassen, zusätzlich ein passendes “Konsolen”-Gehäuse für den Raspberry zu entwerfen. Die Ideen reichen dabei von zweckentfremdeten Konsolen-Cartridges über nachmodellierte Homecomputer-Gehäuse bis hin zum Nachbau eines Spielhallenautomaten. Dabei können Sie Ihre Ideen entweder handwerklich umsetzen oder gleich zum 3D-Drucker greifen. 

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