Raspbian enthält seit wenigen Monaten einen eigenen App Store. Der “PiStore” weist zwar ein paar kleinere Schwächen auf, aber auch viele Stärken.
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Das Konzept des PiStores unterscheidet sich stark von dem des klassischen Debian-Paketmanagers. Der folgende Artikel geht auf die Unterschiede ein und stellt die wichtigsten Facetten des PiStores vor.
Raspbian stellt nicht nur die am weitesten verbreitete Distribution für den Raspberry Pi dar, sondern kann sich daneben auch einer breiten Software-Vielfalt rühmen: Die offizielle Paketquelle des Debian-Derivates listet für den Minicomputer über 35 000 Pakete auf. Dabei verrichtet der seit jeher vorhandene Paketmanager gute Arbeit: Sobald der Nutzer ein neues Programm installiert, prüft er Abhängigkeiten zu anderer benötigter Software respektive zu Bibliotheken, und bezieht diese ebenfalls. Besteht bei solch einem gut funktionierenden System überhaupt die Notwendigkeit, zusätzlich eine andere Möglichkeit der Software-Einrichtung im System zu verankern?
Der Paketmanager eignet sich zwar gut zum Bezug freier Software, die von den offiziellen Debian-Maintainern berücksichtigt wurde. Wer aber schnell und unkompliziert eigene Programme veröffentlichen möchte, steht vor einem Problem: Er müsste dazu selbst eine Fremdquelle aufsetzen, die das selbst geschriebene Programm enthält. Jeder potenzielle Nutzer des Programms müsste zum einen erst einmal wissen, dass diese Paketquelle überhaupt existiert, und sie zum anderen vor der Installation auf seinem System in die Datei /etc/apt/sources.list integrieren. Allein schon wegen des damit verbundenen Aufwandes und des nötigen Vorwissens würden viele Benutzer stattdessen eher komplett auf das angebotene Programm verzichten.
Ferner wäre der Vertrieb kommerzieller Software auf diesem Wege schwierig. Viele Anwender kennen mittlerweile vom Smartphone oder aus kommerziellen Betriebssystemen die benutzerfreundliche Aufmachung sogenannter App Stores. Sie möchten, wie von dort gewohnt, die Software von einer zentralen Stelle auf Knopfdruck beziehen und sie dabei auch bewerten und kommentieren können. Ferner helfen Screenshots bei einer schnellen Entscheidung für oder gegen ein Programm.
All diese Gründe haben die Raspbian-Entwickler bewogen, auch bei ihrer Distribution den “PiStore” vorzuinstallieren. Das dazugehörige Icon blinkt Neueinsteigern direkt nach dem ersten Booten vom Desktop entgegen.
Bilder und Kommentare
Der Aufbau des PiStores wirkt sehr übersichtlich. Ähnlich wie bei den von mobilen Endgeräten oder auch Ubuntu her bekannten App Stores präsentiert er die Programme mit Vorschaubildern, Beschreibungstexten und Nutzerkommentaren. Blättern Sie auf der Software-Suche durch die anschaulich sortierten Kategorien, dann merken Sie schnell, dass sich nicht nur Binärprogramme im Angebot befinden: Auch Python-Skripte, PDFs, Videos und sonstige Dateitypen stehen zum Herunterladen bereit. Bei den Mediendateien beschränkt sich das Angebot derzeit jedoch hauptsächlich auf selbst erstellte Tutorials von PiStore-Nutzern.
Nach der Installation kann man Software auf Wunsch auch direkt aus der Oberfläche des PiStores heraus starten (Abbildung 1). Handelt es sich nicht um ein ausführbares Programm, sondern um eine Mediendatei, gibt es dafür trotzdem einen Launch-Button. Ein Klick darauf startet automatisch ein zur Datei passendes Anzeigeprogramm.
Sind Sie mit einem Programm nicht zufrieden, brauchen Sie – zumindest in der Theorie – nicht lange nach einer Alternative zu suchen: Unter jeder angebotenen Software befindet sich eine Linkliste für Similar Items, also ähnliche Programme. In der Praxis allerdings enthält der PiStore derzeit noch relativ wenig Inhalte, sodass Sie bei der Suche nicht immer fündig werden.
Ihre Erfahrungen mit der heruntergeladenen Software teilen Sie über ein Bewertungssystem, in dem Sie bis zu fünf Sterne vergeben dürfen, mit den anderen Nutzern (Abbildung 2). Parallel dazu können Sie unterhalb des jeweiligen PiStore-Eintrages Kommentare hinterlegen. Letztere stellt der PiStore optisch wie einen Foren-Thread dar, sodass sich leicht erkennen lässt, ob und wo eine Person direkten Bezug auf die Anmerkungen eines anderen Nutzers nimmt.
Bevor Sie jedoch Software installieren und bewerten dürfen, steht eine Registrierung via E-Mail-Adresse und Passwort an (Abbildung 3). Es empfiehlt sich, nach dem ersten Login im PiStore direkt das Einstellungsmenü aufzurufen. Zwei der dort dargestellten Punkte sollten Sie keinesfalls übersehen: Zum einen müssen Sie automatische Updates für die via PiStore bezogene Software erst einmal mittels Setzen eines Häkchens explizit aktivieren. Zum anderen gibt eine von Anfang an vorhandene Standardeinstellung an, dass Sie mit dem Empfang von Marketing-E-Mails einverstanden sind. Per Mausklick schalten Sie das unkompliziert ab.
Der PiStore wird nicht etwa von der Raspberry Pi Foundation selbst betrieben – die Stiftung verfügt nur über sehr wenig Personal. Infolgedessen wählte man als betreuendes Partnerunternehmen IndieCity, das bereits über Erfahrungen mit dem Betrieb ähnlicher Plattformen für Independent Developer verfügt [1] und als seriös gilt. Trotzdem hinterlässt die Tatsache, dass der Nutzer Marketing-E-Mails per Opt-out deaktivieren muss, einen schalen Beigeschmack.
Dazu trägt auch bei, dass dies erst gelingt, wenn der Registrierungsvorgang bereits abgeschlossen wurde und man nach dem ersten Login in den Menüs stöbert. Dies dürfte nach deutschem Recht außerdem zumindest problematisch sein. Während und nach dem Test erhielten wir jedoch auch keinerlei Werbe-E-Mails, sodass ein zeitnahes Ausschalten dieser Option für ausreichenden Schutz vor unerwünschter Reklame sorgen dürfte.
Selbst veröffentlichen
Jedermann darf auch eigenen Content für den PiStore einreichen. Der Upload erfolgt unkompliziert aus dem Programm oder der Webseite des PiStores heraus [2]. Nach Eingabe einer Beschreibung und dem Hochladen von Screenshots bekommt zunächst ein Moderator den neuen PiStore-Eintrag zu Gesicht. Er prüft die eingereichte Software vor dem endgültigen Freischalten auf mögliche Rechtsverstöße. Die Moderation erfolgt dabei nicht durch IndieCity, sondern seitens vertrauenswürdiger Mitglieder der RasPi-Community. Insgesamt gesehen läuft der Vorgang sehr reibungslos ab. Stoßen Sie trotzdem auf Probleme, konsultieren Sie am besten die von IndieCity [3] und der Raspberry Pi Foundation [4] angebotenen näheren Erläuterungen.









