Aus Raspberry Pi Geek 06/2014

Raspberry-Pi-Roboter Rapiro im Test

© Medialinx AG

Kleiner Butler

Marko Dragicevic

Vor einiger Zeit erregte die Kickstarter-Kampagne um Rapiro, den humanoiden Roboter mit einem Raspberry Pi als Gehirn, viel Aufsehen. Wir haben das inzwischen lieferbare Endprodukt ausprobiert.

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Der folgende Text berichtet über den Test eines Rapiro-Roboters. Interessenten erfahren darüber hinaus, was sie bei dessen Beschaffung, Zusammenbau und Konfiguration beachten müssen sowie welche Erweiterungs- und Einsatzmöglichkeiten existieren.

Das Video zog viel Aufmerksamkeit auf sich: Man sah einen kleinen, knuffigen Roboter mit menschenähnlichem Äußeren, der tanzte, putzte und für seinen Besitzer eine Tasse Kaffee bei einer Padmaschine abholte. Der Clip warb für eine Crowdfunding-Kampagne: Der Japaner Shota Ishiwatari hatte am Computer die Hülle des Roboters modelliert und anschließend auf einem 3D-Drucker ausgegeben.

Im Inneren verbaute er neben zwölf Servomotoren und einem Arduino-Board auch einen im Kopf untergebrachten RasPi. Außerdem weist der Robot Aussparungen für Zusatzhardware auf: So kann eine verdeckt angebrachte Pi-Kamera alles filmen, was vor dem Roboter passiert. Die USB-Anschlüsse des Mini-Rechners lassen sich über die Rückseite des Robots erreichen, sodass man dort ebenfalls kompakte Hardware anstöpseln kann. Wer weitere Sensoren benötigt, steckt diese im Rapiro-Bauch an den Arduino an. Darüber hinaus verleihen programmierbare LEDs den Augen eine beliebige Farbe.

Das komplette Produkt nannte sein Erfinder “Rapiro” – eine Abkürzung für die Bezeichnung “Raspberry Pi Robot”. Mit der Kickstarter-Kampagne sammelte Ishiwatari dann Geld, weil er den Rapiro professionell produzieren und verkaufen lassen wollte. Das Finanzierungsziel war binnen kurzer Zeit erreicht, wir haben uns nun das inzwischen erhältliche Endprodukt näher angesehen.

Einkauf

Die offizielle Rapiro-Homepage [1] nennt mehrere Bezugsquellen. Zum Zeitpunkt unserer Bestellung gab es innerhalb der EU nur einen einzigen Distributor. Auf Nachfrage erklärte der britische Händler jedoch, dass er grundsätzlich nicht nach Deutschland liefere. So blieb nichts anderes übrig, als direkt beim japanischen Unternehmen Switch Science [2] zu bestellen.

Auf den ersten Blick wirkte das abschreckend. Wer schon einmal selbst Elektronik aus Fernost importiert hat, kennt das vielleicht: Einige Händler füllen die Papiere des Pakets falsch oder gar nicht aus, sodass der deutsche Zoll dieses bei Ankunft erst einmal für vier Wochen festsetzt. Verfügt das Produkt über keine CE-Kennzeichnung, schicken die Beamten es zurück oder vernichten es gar.

Im Fall des Rapiro waren alle diese Sorgen unbegründet. Am selben Tag, an dem wir Rapiro im Online-Shop von Switch Science bestellten, schickte der Versand den kleinen Roboter los. Laut Tracking landete das Paket bereits zwei Tage später am Frankfurter Flughafen, nach drei weiteren Tagen verließ es das Importzentrum des Zolls. Das klappt erfahrungsgemäß nur bei Paketen, deren Versender alle Vorschriften beachtet hat.

Dies bestätigte sich, als tags darauf das Paket ankam: Alle Servos verfügten über die CE-Kennzeichnung, die Rechnung wies vorschriftsgemäß alles korrekt aus und war für den Zoll auf der Außenseite des Pakets angebracht worden. Für den Roboter wurden 450 US-Dollar fällig, dazu kamen 54 US-Dollar Versandkosten. Der Staat kassierte noch einmal 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer (analog zur Mehrwertsteuer bei Inlandskäufen), sodass insgesamt ein Betrag von umgerechnet rund 438 Euro fällig wurde.

Wochen später trat dann ein weiterer EU-Distributor auf den Plan: ein dänischer Händler [3], der den Rapiro nach eigenen Angaben auch nach Deutschland versendet. Dennoch ist es nach wie vor durchaus sinnvoll, direkt bei Switch Science in Japan zu ordern: Dort gibt es, anders als bei den europäischen Händlern, nicht nur den Roboter selbst, sondern auch Ersatzteile dafür.

Da sich beispielsweise Servos mit der Zeit abnutzen, sollte man sicherheitshalber zwei bis drei für den Rapiro angepasste Exemplare zu je 10 US-Dollar mitbestellen. Auch schadet es nicht, gleich ein Set passender Ersatzschrauben für 2 US-Dollar mitschicken zu lassen: Da diese eher seltene Größen aufweisen, findet man sie nicht im heimischen Baumarkt.

Rapiro selbst drucken?

Im Sinne des Open-Hardware-Gedankens bietet Shota Ishiwatari die Einzelteile des Rapiro-Gehäuses auch als 3D-Modell zum Download an [4]. Sparfüchse könnten jetzt auf die Idee kommen, das Gehäuse des Roboters auf dem heimischen 3D-Drucker auszugeben, sich die passende Elektronik selbst zusammenzusuchen und sich auf diese Weise eine kostenintensive Bestellung in Japan zu sparen.

Davon raten wir ab: Der Rapiro beinhaltet unter anderem 12 Servomotoren, ein LED-Board und ein Arduino-kompatibles Board, sodass nicht nur alleine hierfür einige Kosten anfallen, sondern man auch erst einmal Elektronik finden muss, die exakt zu den Gegebenheiten des Roboters passt.

Alternativ könnten Sie alle benötigten Elektronikteile bei Switch Science bestellen und nur das Gehäuse via 3D-Druck selbst erzeugen. Die Hülle des 25 Zentimeter großen Roboters besteht allerdings aus 30 verschiedenen Einzelteilen. Um eine kleine Ersparnis gegenüber der professionell gefertigten Variante zu erzielen, müssten Sie obendrein als Werkstoff billiges PLA verwenden. Das schmälert die Ästhetik des Rapiro gegenüber der professionell gefertigten Spritzgussvariante jedoch deutlich.

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