Aus Raspberry Pi Geek 12/2019

Voice over IP mit dem RasPi

© AndreyZyk, 123RF

Kommunikativ

Anzela Minosi

Nicht jeder traut sich zu, sein eigenes Smartphone zu bauen. Allerdings kann jeder Linux-Nutzer den Raspberry Pi im Handumdrehen zu einem VoIP-Telefon aufrüsten.

Es soll Nutzer geben, die lieber ihre eigenen Geräte herstellen. Einige sind sogar so kreativ, dass sie mit geeigneter Software ein Gehäuse für den Raspberry Pi erstellen und es per 3D-Drucker reproduzieren. Quasi im Nu ähnelt der RasPi einem Laptop oder Netbook. Andere gehen sogar so weit, dass sie basierend auf dem Pi Zero ihr eigenes Smartphone kreieren [1].

Doch auch ohne Know-how in Elektrotechnik lässt sich mit geeigneter Hardware sowohl unterwegs als auch zu Hause telefonieren. Alles, was man dafür braucht, ist ein Raspberry Pi, eine USB-Webcam und Kopfhörer, wobei sich der Ton auch über ein externes Soundmodul leiten lässt. Bevor Sie jedoch eine Einkaufsliste erstellen, sollten Sie zuvor noch die Kompatibilität zu Ihrem Raspberry Pi prüfen [2].

SIP-Account

Bekanntlich wimmelt es in der Netzwerktechnik nur so von Abkürzungen, von denen auch die Kommunikationstechnik nicht verschont bleibt. Dazu zählen der allseits bekannte Dienst Voice over Internet Protocol, genannt VoIP, mit dem das Telefonieren über das Netzwerk gemeint ist, oder die Abkürzung SIP, die für Session Initiation Protocol steht und die Kommunikation zwischen zwei Teilnehmern regelt.

Einen SIP-Account bekommen Sie bei mehreren Anbietern, beispielsweise bei Sipgate [3]. Der Dienst ermöglicht Teilnehmern, Gespräche über das Internet zu führen und gegen ein Entgelt auch beliebige Telefonnummern anzuwählen. Andere Anbieter, wie zum Beispiel Linphone [4], kommen gleich mit einem eigenen Softphone daher und bieten obendrein einen kostenlosen SIP-Account an. In der Tabelle “SIP-Konto” finden Sie die wichtigsten Angaben samt Beispielen, die für das Einrichten eines Accounts bei einem Softphone erforderlich sind.

Begriff

Beispiel

Proxy

sip:sipgate.de

Registrar/Domäne

sipgate.de

SIP-Adresse/Identität

sip:544848@sipgate.de

SIP-Benutzername

544848

VoIP-Hardware

Um über das Internet zu telefonieren, benötigen Sie Kopfhörer, eventuell eine Webcam sowie ein Mikrofon (Abbildung 1). Viele USB-Webcams, wie etwa die Creative VF0700 [5], beherbergen bereits ein integriertes Mikrofon. Daher benötigen Sie nicht unbedingt ein gesondertes Soundmodul für den RasPi.

Abbildung 1: Mit diesen Geräten lässt sich auf dem RasPi über das Internet telefonieren.

Abbildung 1: Mit diesen Geräten lässt sich auf dem RasPi über das Internet telefonieren.

Dank Plug & Play klappt der Anschluss der Webcam ohne Treiberinstallation. Ob die Kamera erkannt wurde, prüfen Sie gegebenenfalls mithilfe des Befehls lsusb, die Ausgabe auf der Konsole sollte wie Listing 1 aussehen. Da das Mikrofon der Webcam sich vorne befindet, sollten Sie sie nah am Mund halten oder laut sprechen, damit die Gegenstelle Sie in ausreichender Lautstärke hört. Der im Test verwendete Kopfhörer stammte von Native Union [6] und wurde über die 3,5-mm-Klinkenbuchse des RasPi angeschlossen.

Listing 1

$ lsusb
[...]
Bus 001 Device 005: ID 041e:4097 Creative Technology, Ltd Live! Cam Chat HD [VF0700]
[...]

Die Audiounterstützung erfolgt unter Raspbian in der Regel mithilfe der Advanced Linux Sound Architecture Alsa [7]. Im bereits installierten Paket alsa-utils befindet sich zudem das Tool Alsamixer, mit dem Sie die Lautstärke einstellen oder das passende Audiogerät zum Aufnehmen oder zur Wiedergabe von Ton auswählen können.

Auf der Konsole geben Sie den Befehl alsamixer ein, um die nötigen Einstellungen am Sound vorzunehmen. Über [F6]+ wählen Sie die Soundkarte aus. Beginnt deren Name mit dem Ausdruck bcm, dann ist damit der Onboard-Sound des RasPi gemeint, der ausschließlich zur Wiedergabe taugt. Bei einem Druck auf [F3]+ erscheint der entsprechende Lautstärkeregler. Rufen Sie stattdessen die Einstellungen der Webcam auf, funktioniert nach einem Druck auf [F4] die Lautstärkeregelung auch für die Aufnahmen. Optimale Ergebnisse erzielen Sie mit Pegeln von etwa 75 bis 100 Prozent.

VoIP-Software

In Form von Linphone finden Sie eine VoIP-Software, die umfangreich, aktuell sowie leicht zu installieren ist und noch dazu problemlos auf dem Raspberry Pi läuft. Nicht nur die dazugehörige Webseite wirkt gut gestaltet, auch die Software selbst beinhaltet etliche Einstellungen und weist eine moderne Oberfläche auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: Linphone beherrscht das Telefonieren und Chatten. Daneben verwaltet das Softphone Kontakte sowie eine Anrufhistorie.

Abbildung 2: Linphone beherrscht das Telefonieren und Chatten. Daneben verwaltet das Softphone Kontakte sowie eine Anrufhistorie.

Es gibt zwar weitere VoIP-Clients unter Linux, aber die müssen Sie manuell installieren, wenn Sie nicht in Kauf nehmen wollen, dass sie veraltet sind beziehungsweise ohne GUI daherkommen. Die einzig nennenswerte Alternative bietet Yate [8], für das die Entwickler allerdings lediglich den Quellcode liefern, sodass Sie die Anwendung selbst kompilieren müssen.

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