Aus Raspberry Pi Geek 04/2020

Info-beamer Pi spielt 4K-Auflösung und HEVC-Videos

© alicephoto, 123RF

Besser informiert

Christoph Langner

Mithilfe der Digital-Signage-Lösung Info-beamer Pi lassen sich mehrere RasPis in zentral gesteuerte Infoanzeigen verwandeln.

An Hauswänden, in Bushaltestellen oder gar an Zigarettenautomaten: Wo früher einmal Plakate oder einfache Schilder hingen, finden sich heute immer mehr digitale Anzeigen mit dynamischen Inhalten oder Kundeninformationen. Neudeutsch nennt sich diese digitale Beschilderung der Welt Digital Signage. Eine der Stärken der Technik liegt in der Einfachheit: Statt Mitarbeiter durchs Land zu schicken, die Poster und Plakate von Hand austauschen müssen, genügen ein paar Mausklicks, und schon zeigen die in der Region verteilten Displays die gewünschte Information an.

Aufgrund seiner geringen Anschaffungs- und Betriebskosten greifen viele Entwickler auf den Raspberry Pi als Basis solcher Digital-Signage-Lösungen zurück. Der 35 US-Dollar teure Mini-Rechner unterstützt in der vierten Generation inzwischen 4K-Displays und spielt mit dem modernen HEVC-Codec komprimierte Videos ohne Ruckler ab. Geblieben ist der wartungsarme Betrieb; das Linux-Betriebssystem lässt sich wunderbar aus der Ferne warten und aufgrund des niedrigen Energieverbrauchs und der damit verbundenen geringen Abwärme kann man auf Lüfter verzichten.

Hosted OS von Info-beamer

Mit einem Raspberry Pi und ein wenig Software ist es jedoch selten getan. Damit auf der Display-Seite ein einfacher Internet-Anschluss genügt, braucht es einen stetig im Internet erreichbaren Server. Reine Open-Source-Lösungen wie LibreSignage [1] bieten die nötige Software-Plattform, allerdings muss die Server-Software auf einer immer im Netz verfügbaren Maschine installiert und gepflegt werden.

Eine einfache Digital-Signage-Alternative bietet Info-beamer [2] an. Die Firma aus dem badischen Karlsruhe setzt exklusiv auf den Raspberry Pi als Hardware-Plattform und bietet mit Hosted OS ein eigenes RasPi-Image an. Auf der Server-Seite betreibt der Dienst mit Info-beamer Hosted einen kommerziellen Dienst, über den sich die angebundenen Displays zentral steuern lassen.

Der Preis für die Dienstleistung hängt von der Anzahl der verbundenen Geräte und dem benötigten Speicherplatz ab. Eine Installation auf einem Gerät mit 1 GByte Speicher in der Software-Cloud des Unternehmens bleibt generell kostenlos. Vier weitere Geräte mit dann insgesamt 1,5 GByte Speicherplatz würden zum Beispiel mit 55,30 Euro zuzüglich Steuern pro Jahr zu Buche schlagen. Mithilfe eines Rechners auf der Homepage lässt sich der fällige Betrag leicht überschlagen [3].

Info-beamer Pi

Die Basis seines Dienstes veröffentlicht Info-beamer unter der 2-Klausel-BSD-Lizenz als Open-Source-Software [6]. Für den Raspberry Pi bietet das Unternehmen vorkompilierte Binaries an, die sich mit relativ geringem Aufwand auf einem aktuellen Raspbian-System installieren lassen [7]. Die Bedienung unterscheidet sich allerdings grundlegend von der kostenpflichtigen Hosted-Variante der Software. Präsentationen müssen in Lua eigenhändig programmiert werden, was Entwicklern zwar auf der einen Seite viele Freiräume lässt, Anwendern auf der anderen Seite allerdings eine steile Lernkurve abverlangt.

Installation auf RasPi 4

Die erweiterte Hardware der vierten Generation des Raspberry Pi bietet für Multimedia-Anwendungen wie Info-beamer Pi nun neue Möglichkeiten. Der RasPi 4 erlaubt erstmals die ruckelfreie Wiedergabe von HEVC-kodierten Videos (H.265) sowie das Ansteuern von 4K-Displays. Bei allen älteren Generationen war bei H.264 und Full HD Schluss. Zudem verfügt der neueste Raspberry Pi über zwei Monitorausgänge, was noch mehr Optionen zur Gestaltung der Anzeige schafft. Neben LibreELEC gehörte Info-beamer Pi zu den ersten Projekten, die die Wiedergabe von HEVC-Material unterstützen [4].

Den Support des Raspberry Pi 4 haben die Entwickler der Software allerdings noch nicht in den Stable-Zweig ihrer Anwendung integriert; Nutzer müssen noch auf die Testing-Ausgabe des Images zurückgreifen. Die Installation ist allerdings denkbar einfach: Man lädt das Installationspaket in Form der Datei install.zip herunter und entpackt es auf einem beliebigen Computer. Anschließend muss man die Dateien nur auf eine leere und mit FAT oder FAT32 formatierte SD-Speicherkarte kopieren (Abbildung 1). Das System installiert sich beim Start von dieser so vorbereiteten Karte automatisch.

Abbildung 1: Für die Installation von Info-beamer auf einem Raspberry Pi genügt ein Dateimanager.

Abbildung 1: Für die Installation von Info-beamer auf einem Raspberry Pi genügt ein Dateimanager.

Integration in Info-beamer

Auf dem Display des mit Info-beamer Pi ausgestatteten RasPi erscheint anfangs lediglich eine achtstellige PIN zusammen mit ein paar Basisdaten wie der IP- und MAC-Adresse des Geräts (Abbildung 2). Soll der Info-beamer-RasPi per WLAN ins Netz, nehmen Sie die Speicherkarte noch einmal aus dem RasPi und legen darauf die Datei config/wireless an. Dort tragen Sie dann die Zugangsdaten wie folgt ein: In der ersten Zeile steht die SSID des WLAN-Netzwerks, in der zweiten Zeile das Passwort (Abbildung 3). Verwenden Sie ein unverschlüsseltes WLAN, schreiben Sie für das Passwort lediglich NONE. Später lässt sich der Wi-Fi-Zugang dann auch vom Dashboard aus ändern.

Abbildung 2: Beim ersten Start zeigt Info-beamer Pi lediglich eine PIN. Mit dieser verbinden Sie das Gerät dann im Dashboard des Dienstes.

Abbildung 2: Beim ersten Start zeigt Info-beamer Pi lediglich eine PIN. Mit dieser verbinden Sie das Gerät dann im Dashboard des Dienstes.

Abbildung 3: Info-beamer empfiehlt, Display-Geräte per Kabelnetzwerk zu verbinden. Über eine Konfigurationsdatei lässt sich aber auch ein WLAN nutzen.

Abbildung 3: Info-beamer empfiehlt, Display-Geräte per Kabelnetzwerk zu verbinden. Über eine Konfigurationsdatei lässt sich aber auch ein WLAN nutzen.

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