Infoterminals mit Raspberry Digital Signage

© Weerayut Ranmai, 123RF

Informativ

Kiosksysteme als interaktives Informationsangebot verursachen in Anschaffung, Betrieb und Wartung meist erhebliche Kosten. Raspberry Digital Signage dagegen bietet eine Lösung für das kleine Budget.

Multimedia-Informationssysteme finden sich mittlerweile überall im öffentlichen Raum, etwa an Bahnhöfen, Flughäfen, in Behörden, Hotels, Banken und Geschäften. Der Anwender kann an einem solchen Info-Kiosk spezifische Informationen abfragen und Transaktionen vornehmen.

Dabei kommen die Digital-Signage-Systeme sehr flexibel für jeweils einen einzigen Zweck zum Einsatz: Es läuft ein Webbrowser im Vollbildmodus, für den ein lokaler Webserver die zugehörigen Inhalte liefert. Bei den interaktiv genutzten Kiosksystemen kann der Anwender in aller Regel per Touchscreen auf der Webseite navigieren, gelegentlich auch per Tastatur mit integrierter Maus. Uneingeschränkten Internet-Zugriff erhält er dagegen nicht, er kann die vorgegebenen Webseiten nicht verlassen.

Mit entsprechend angepasster Software bietet inzwischen auch der Raspberry Pi die Möglichkeit, ein solches Kiosksystem zu betreiben – und das zu unschlagbar niedrigen Einstiegskosten. Auch der Aufwand für Betrieb und Wartung liegt im Vergleich zu herkömmlichen Rechnersystemen deutlich niedriger, vor allem dank des geringen Energiebedarfs des britischen Mini-Rechners.

In Form von Raspberry Digital Signage (RDS) steht zudem ein einfach zu bedienendes Kiosksystem bereit, das nicht nur vorgegebene Inhalte aus dem Web oder einem lokalen Netz verfügbar macht, sondern auch von der lokalen Speicherkarte des Raspberry Pi.

Auf die Karte

Raspberry Digital Signage erhalten Sie als rund 710 MByte großes Archiv auf der Webseite des Projekts [1]. Nach dem Herunterladen entpacken Sie das Archiv und installieren das entpackte Abbild auf einer mindestens 4 GByte großen Micro-SD-Karte. Dazu empfiehlt sich die Benutzung des Befehls dcfldd, der im Gegensatz zu dd auch den Fortgang des Schreibvorgangs anzeigt (Listing 1). Achten Sie darauf, dass die Micro-SD-Karte mindestens der Class-10-Spezifikation entspricht, damit später beim installierten System keine Latenzzeiten mit ruckelnden Bewegungen am Bildschirm auftreten.

Listing 1

 

$ dcfldd if=/Pfad/zum/Image.img of=/dev/Gerät bs=1M

Nach dem Einrichten des Systems auf der Speicherkarte setzen Sie diese in einen Raspberry Pi ein und starten das Gerät. Neben dem eigentlichen Betriebssystem aktivieren sich nun alle für den Kioskbetrieb nötigen Dienste, wie ein MariaDB-Datenbankserver und ein Apache-Webserver. Die Startroutine öffnet anschließend ein auf HTML und Javascript basierendes, schnörkelloses Webinterface, das der Administration dient. Das Interface erlaubt dabei das Konfigurieren der Netzwerkanbindung, wobei die Software auch die im RasPi 3 vorhandene WLAN-Schnittstelle erkennt und korrekt anspricht.

Nutzen Sie RDS auf einem Raspberry Pi der ersten oder zweiten Generation, dann müssen Sie für die Netzwerkanbindung per WLAN einen passenden USB-Adapter an das Gerät anstecken und die im Betriebssystem noch nicht vorhandenen Firmware-Dateien nachinstallieren. Das klappt aber nur in den kostenpflichtigen Vollversionen von Raspberry Digital Signage und erfolgt über einen SSH-Zugang von einem entfernten Rechner aus, der Zugriff auf die Kommandozeile mit der Paketverwaltung bietet. Eine detaillierte Beschreibung, welche Firmware-Dateien Sie aus den Repositories nachziehen müssen, bietet die Online-Dokumentation [2].

Weitere Einstellungen betreffen die Lokalisierung, den Videomodus, die Audiounterstützung sowie die Konfiguration des Kioskmodus. Dabei geben Sie eine Ziel-URL an, die das System anzeigen soll, und deaktivieren bei Bedarf auch Tastatur und Maus. Die angegebene URL darf dabei sowohl ins Internet verweisen als auch ins lokale Netz oder eine Datei auf dem Rechner selbst. An dieser Stelle können Sie zudem für die Nutzung von Touchscreens eine virtuelle Tastatur einschalten, die es allerdings nur mit US-Tastenbelegung gibt.

Die RDS-Vollversionen bieten in diesem Dialog zusätzliche Einstellungen an, etwa für das Nutzen eines Proxy-Servers oder das tägliche Herunterfahren des Systems zu einem definierten Zeitpunkt. Haben Sie alle Einstellungen abgeschlossen, dann starten Sie den Kioskmodus durch einen Klick auf den Button Start kiosk mode, wobei RDS alle Modifikationen an der Konfiguration automatisch sichert (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Webinterface für die Systemeinstellungen fällt weitgehend selbsterklärend aus.

Raspberry Digital Signage verzweigt nun in die angegebene Ziel-URL, wobei der recht ressourcenschonende Chromium-Browser ohne Menü- und URL-Zeile, aber mit Buttons erscheint (Abbildung 2). Unter der Haube kommt der Browser mit HTML5-, Flash- und H.264/AVC-Inhalten zurecht, sodass sich auch Seiten mit anspruchsvollen Multimedia-Inhalten anzeigen lassen, ohne den Raspberry Pi dabei an seine Leistungsgrenzen zu treiben.

Abbildung 2: Der Kioskmodus erlaubt keine wahlfreien Eingaben des Anwenders.

Versionen

Der italienische Entwickler Marco Buratto bietet Raspberry Digital Signage in drei Varianten an: Die frei verfügbare Version (die Sie auch auf der Heft-DVD finden) bietet alle Grundfunktionen zum Ausprobieren des Komplettsystems und den produktiven Einsatz in eingeschränktem Rahmen.

Benötigen Sie mehr Funktionen, greifen Sie zu den sogenannten Donor's-Versionen. Mit diesen Varianten, für die Buratto einen Unkostenbeitrag von 16,90 Euro (Personal Edition) beziehungsweise 29,90 Euro (Professional Edition) aufruft, erhalten Sie einen erweiterten Funktionsumfang. Funktionell besteht zwischen den beiden Donor's-Versionen kein funktionaler Unterschied, die teurere Variante umfasst jedoch zusätzlich zur Software auch kostenlosen Support per E-Mail [3].

Die kostenpflichtigen Versionen bieten vielfältige Zusatzfunktionen für den professionellen Einsatz der Software: So dürfen Sie hier den Konfigurationsbildschirm per Passwort sichern und können das System komplett per SSH von entfernten Rechnern aus warten. Außerdem ist die Bildschirmrotation aktiviert, sodass Sie bei Bedarf die Inhalte auch im Hochformat präsentieren können. Dazu müssen Sie lediglich die Datei /boot/config.txt entsprechend modifizieren.

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