Kollaboratives Schreiben mit Etherpad Lite auf Cubietruck

© sentavio, 123RF

An einem Tisch

,

Gemeinsames Arbeiten auf einer mobilen Plattform im lokalen Netzwerk – dazu brauchen Sie nicht mehr als einen SBC und die Software Etherpad Lite.

Die moderne Gesellschaft funktioniert nicht ohne Arbeitsteilung. Dabei bilden kollaborative Plattformen zum Austausch der Arbeitsergebnisse eine essenzielle Voraussetzung für mobiles Arbeiten von Teams in wechselnder Besetzung von jedem Ort der Welt aus [1]. Mit einem Raspberry Pi oder Alternativen wie dem Cubietruck [2] und der Open-Source-Software Etherpad Lite [3] schaffen Sie einen gemeinsamen Arbeitsraum im Netzwerk.

Bereits im letzten Jahr stand das Cubietruck genannte Cubieboard 3 (Abbildung 1) im Blickpunkt eines RPG-Artikels [4]. Der mit einem Mehrkern-ARM-Prozessor von Allwinner ausgestattete Einplatinenrechner verfügt über 2 GByte RAM und kommt mit Anschlüssen für USB, HDMI sowie VGA beziehungsweise DVI (ab Cubieboard 4). Als Datenträger nutzen Sie entweder eine Micro-SD-Karte oder eine Notebook-Festplatte. Aufgrund der gegenüber dem RasPi leistungsfähigeren Hardware kommt bei diesem Projekt ein Cubietruck zum Einsatz.

Abbildung 1: Ein zusammengebautes Cubieboard 3 im Auslieferungszustand.

Bei vielen Anwendern fristen SBCs ein einfaches Leben als File- oder SSH-Server. Als Media- und Kommunikationsserver für das gemeinsame Arbeiten übernimmt der Mini-Rechner nun eine weitere Aufgabe. Die Software-Basis bildet in unserem Beispiel das Debian-Derivat Armbian [5]. Als Alternativen stehen Debian und Ubuntu zur Verfügung, die beide die Prozessorarchitektur nativ unterstützen.

Vor Etherpad Lite

Textverarbeitungen sind so alt wie der Computer selbst. Früher genügte es in der Regel, ein angelegtes Textdokument auszudrucken, bei einem Meeting an die Anwesenden zu verteilen und danach gemeinsam besprochene Änderungen und Korrekturen einzupflegen. In der heutigen, stark vernetzten und zunehmend dezentral organisierten Arbeitswelt funktioniert das jedoch nicht mehr ganz so einfach. Auch Personen einzubinden, die nur virtuell am Meeting teilnehmen, erfordert zeitgemäßere Tools.

Dazu gab und gibt es sowohl technische als auch organisatorische Lösungsvarianten. Im einfachsten Fall schickt man Dokumente als E-Mail-Anhang hin und her, wobei Absprachen regeln, wer gerade woran im Dokument arbeitet, sodass man sich nicht unnötig in die Quere kommt. In Konkurrenz dazu stehen komplette Lösungen für Unternehmen wie Lotus Notes (heute: IBM Notes). Daneben erfreuen sich Revisionskontrollsysteme (RCS) wie CVS, Git oder Subversion einer großen Beliebtheit. Wikis wie beispielsweise Mediawiki [6] verbinden das Arbeiten im Webbrowser mit einer Historie der Änderungen.

Alle genannten Lösungen besitzen ihre Eigenheiten, die bei den Beteiligten häufiger für graue Haare sorgen – seien es (vergessene) Revisionsnummern bei Dateinamen, fehlende oder verlorene Inhalte oder auch die Komplexität im Umgang mit dem RCS. Zudem erlaubt keines davon das simultane Arbeiten am selben Dokument in Echtzeit – stets muss einer der Beteiligten warten oder anderweitig Rücksicht nehmen, bis das Dokument für ihn verfügbar wird.

Etherpad Lite

Etherpad Lite funktioniert auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher, webbasierter Texteditor (siehe Kasten "Abgespeckt"). Allerdings erlaubt es mehreren Personen, parallel in Echtzeit an einem Dokument zu arbeiten – jeder sieht sofort die Änderungen des anderen. Farbige Markierungen im Text geben zu erkennen, von wem welche Passage stammt.

Die Software kombiniert die Textverarbeitung mit einem Versionskontrollsystem oder einer Datenbank. In dieselbe Kategorie fallen auch Werkzeuge wie etwa Google Docs, Gobby [7], Firepad [8], Owncloud Documents und Hiro [9]. Weitere, teils auch an spezifische Bedürfnisse angelehnte Werkzeuge beschreibt Jens Kubieziel in einem lesenswerten Blogpost [10].

Im Hintergrund werkelt ein Etherpad-Lite-Server. Er verwaltet die einzelnen Textdokumente ("Pads") über eine spezifische URL, die mit der Benennung des Textdokuments korrespondiert. Jeder Nutzer, der diese URL kennt, erhält Zugriff auf die Daten und kann das Dokument via Webbrowser sofort einsehen und bearbeiten.

Alle Änderungen erscheinen bei jedem Nutzer sofort auf dem Bildschirm. Zur besseren Übersicht, wer welche Änderung vorgenommen hat, wählt jeder Nutzer einen Namen sowie eine Farbe. Eingefügten oder modifizierten Text hinterlegt Etherpad Lite dann mit der entsprechenden Kolorierung. In Abbildung 2 bearbeiten zwei Nutzer einen Text und kommunizieren zudem über den integrierten Chat.

Abbildung 2: Das Bearbeitungsfenster von Etherpad Lite mit zwei Nutzern und Chat.

Abgespeckt

Bei Etherpad Lite handelt es sich um eine Neuimplementierung von Etherpad [19]. Die Software steht unter der Apache License 2.0 und nutzt als Basis statt Java das Javascript-Framework Node.js [20]. Die Lite-Version offeriert deutlich weniger Funktionen, kommt deshalb aber auch mit weniger Speicher aus und arbeitet besonders auf kleineren Servern flinker. Aus diesem Grund richtet sie sich an Anwender in kleineren Arbeitsgruppen. Das macht das Programm für Teams bei spontanen Treffen attraktiv, wo sich jeder kennt und es nur darum geht, gemeinsam einen Text zu erarbeiten. Benötigen Sie keine Passwörter und Programmierschnittstellen, sind Sie mit der Lite-Version gut beraten. Zusätzliche Funktionen ergänzen Sie je nach Bedarf über Plugins.

Etherpad Lite bringt alle Funktionen einer einfachen Textverarbeitung mit. Dazu zählen das Eingeben und Bearbeiten von Text sowie dessen Formatierung mit den Attributen fett, kursiv, unterstrichen und durchgestrichen. Zur Strukturierung stehen das Einrücken von Text und Aufzählungen bereit. Das Design der Aufzählungspunkte – Punkte, Bindestriche oder Quadrate – passt Etherpad Lite entsprechend der Einrückung an.

Im Textdokument geht keine Ihrer Änderungen verloren. Über den Bearbeitungsverlauf des geöffneten Pads vollziehen Sie die einzelnen Schritte jederzeit nach. Gegebenenfalls drehen Sie Änderungen auch wieder zurück – dazu dienen die beiden Knöpfe mit den Pfeilen entgegen dem beziehungsweise im Uhrzeigersinn. Der Schalter mit dem Doppelpfeil bringt Sie zum Menü für den Import und Export des Texts als HTML und Plaintext. Weitere Formate müssen Sie über Plugins nachrüsten.

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