OpenSuse auf dem Raspberry Pi

© Medialinx AG

Gecko trifft Himbeere

Auf Desktop-PCs bekannt und beliebt, zählt die Linux-Distribution OpenSuse auf dem RasPi zu den Underdogs – aus gutem Grund.

README

OpenSuse hat auf Desktop-PCs bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Der Artikel hilft beim OpenSuse-Einstieg auf dem RasPi, erklärt die ersten Schritte auf dem System und untersucht, wie sich die Distribution im Vergleich zu Raspbian schlägt.

Vor 20 Jahren trat eine neue Linux-Distribution auf die Bühne, die im Laufe der folgenden Jahre substanzielle Marktanteile eroberte: Suse Linux, herausgegeben von einer gleichnamigen GmbH aus Bayern. Insbesondere unter Anfängern galt die Distribution mit dem grünen Gecko als Maskottchen als erste Wahl: Zum einen lieferten die Nürnberger eine ausführliche deutsche Dokumentation mit, zum anderen erleichterte das Werkzeug YaST ("Yet another Setup Tool") die Konfiguration, indem es dem Anwender das persönliche Editieren von Konfigurationsdateien ersparte; beides war damals noch keine Selbstverständlichkeit.

Nach der Jahrtausendwende schwand die Bedeutung der Distribution trotz des inzwischen freien Nachfolgers OpenSuse zunehmend. Viele Desktop-Nutzer greifen heute lieber zu Debian-Derivaten wie Ubuntu oder Linux Mint. Auch wenn OpenSuse nicht mehr den Stellenwert von einst besitzt, nutzen es doch noch eine Menge Leute. Grund genug, die Distribution für Kleinstrechner wie den RasPi zu portieren – doch wie schlägt sich OpenSuse darauf?

Imagesache

Eine erste Hürde bei der Installation der Distribution besteht darin, das richtige Image herunterzuladen. Die offizielle OpenSuse-Homepage verlinkt bezüglich des RasPi nur auf das JeOS-Image für ARM-Computer [1]. Das ließ sich im Test benutzen – im Netz kursierende Berichte, denen zufolge das Image überhaupt nicht funktioniert, können wir nicht bestätigen.

Allerdings enthält JeOS gemäß dem namensgebenden Prinzip "Just enough Operating System" nur das Nötigste zum Starten: Es bootet in eine Textkonsole, der selbst simple Tools fehlen. Für einfachste Embedded-Zwecke geht das in Ordnung; für alle anderen Fälle gilt es, sehr viele Pakete nachzuinstallieren und zu konfigurieren. Wesentlich schwerer wiegt, dass das Image sich als sehr instabil erweist: An verschiedenen Stellen crashte der Kernel im Test. Das liegt wohl unter anderem daran, dass das Image jede Nacht aus den aktuellsten Dateien automatisiert generiert wird. Auch die enthaltenen Werkzeuge – allen voran YaST – verärgerten mit Bugs. Zu allem Übel erwies sich das System selbst im Konsolenmodus als sehr träge.

Wesentlich empfehlenswerter ist das Image des Suse-Mitarbeiters Bernhard Wiedemann, das er auf seinem privaten Server zum Download bereitstellt [2]. Wiedemann aktualisiert es zwar nur unregelmäßig und lediglich im Abstand von mehreren Monaten, dafür erwies es sich im Test aber als stabil: Es traten keinerlei Abstürze auf.

Das Image startet direkt in eine grafische Benutzeroberfläche mit dem Fenstermanager IceWM. Im Hinblick auf die begrenzten Ressourcen des RasPi stellt das sicherlich eine gute Wahl dar, Gnome oder KDE würden den Kleinstrechner überfordern. Zum Anmelden als Nutzer root verwenden Sie das Passwort linux.

Laufen lernen

Zwar bringt das Image einen vorinstallierten Fenstermanager mit, beschränkt sich aber dennoch an vielen Stellen auf das Nötigste. Sicherlich wäre es auch hier möglich gewesen, ein paar Dinge benutzerfreundlicher vorzukonfigurieren, wie beispielsweise Raspbian beweist.

Stattdessen gilt es erst einmal, gewünschte Software aus dem Netz nachzuinstallieren. Unter OpenSuse erledigen Sie das mit dem Kommandozeilentool Zypper. Da in der Grundausstattung Software zum Nutzen eines WLAN-Sticks fehlt, benötigen Sie zunächst zwingend eine kabelgebundene Internetverbindung – einer von vielen wesentlichen Unterschieden zu Raspbian, das die notwendigen Treiber bereits mitbringt.

Steht die Netzverbindung, bringen Sie als root das System mit dem Kommando zypper ref gefolgt von zypper dist-upgrade zunächst auf den neuesten Stand. Neue Pakete installieren Sie mit dem Aufruf zypper install Paket. So holt zum Beispiel zypper install midori den schlanken Webbrowser Midori an Bord.

Suse-Fans favorisieren zur System- und Softwarepflege jedoch oft das grafische Frontend YaST2. Das erlaubt zum einen das Ändern diverser Systemeinstellungen und zum anderen das problemlose Nachinstallieren von Paketen. Jedoch zählt auch YaST2 zu den vielen Programmen, die im Image fehlen. Daher müssen Sie es mit den Befehlen aus Listing 1 erst einmal installieren. Danach lässt es sich ganz gewöhnlich über das IceWM-Menü starten. Bevorzugen Sie eine ressourcenschonendere Variante von YaST2, die mittels Ncurses nur Textmenüs nutzt, führen Sie den zweiten Zypper-Aufruf aus Listing 1 nicht aus.

Listing 1

 

# zypper install yast2 yast2-online-update yast2-online-update-configuration yast2-online-update-frontend ncurses libyui-ncurses libyui-ncurses-pkg4 yast2_basis patterns-openSUSE-yast2_basis yast2-inetd yast2-network yast2-storage yast2-sysconfig yast2-trans yast2-sudo yast2-sshd yast2-runlevel yast2-pam
# zypper install yast2-x11 yast2-control-center-qt libui-qt-pkg4

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Raspberry Pi Geek kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Aktuelle Ausgabe

04/2019
TV & Multimedia

Diese Ausgabe als PDF kaufen

Preis € 9,99
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Neuigkeiten

  • Finger weg

    Ein Temperatursensor verrät, ob Sie einen Gegenstand gefahrlos berühren dürfen. Beim Messen brauchen Sie dabei noch nicht einmal Kontakt zum Objekt.

  • Aus einer Hand

    Um einen Mikrocontroller zu programmieren, genügt ein Raspberry Pi. Wir zeigen, was Sie dazu noch benötigen.

  • Im Gleichtakt

    Synchronisierte Live-Loops und selbst erstellte Funktionen helfen dabei, Sonic Pi wie ein Live-Instrument zu spielen.

  • Mach mal

    Das Ftduino-Modul schlägt die Brücke zu Fischertechnik und ermöglicht es unter anderem, einen Drei-Achsen-Roboter anzusteuern.

  • Eleganter Diener

    Jeden Morgen dieselben Handgriffe, um zu sehen, ob die S-Bahn fährt und wie das Wetter wird? Ein cleverer Infoscreen auf RasPi-Basis automatisiert den Vorgang.

  • Bienenflüsterer

    Bienenzüchter, die ihre Völker besser kennenlernen möchten, müssen die fleißigen Insekten nicht pausenlos stören. Mit einem Raspberry Pi und verschiedenen Sensoren überwachen sie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und bald auch das Gewicht des Bienenstocks.

  • Beerige Musik

    Für echten Hi-Fi-Sound braucht es mehr als einen kleinen Bluetooth-Brüllwürfel. Mit Volumio und einem Raspberry Pi rüsten Sie Ihre klassische Hi-Fi-Anlage mit smarten Funktionen auf.

  • Ton ab!

    Auf den ersten Blick erscheint der RasPi zu schwachbrüstig für den Betrieb leistungshungriger DAW-Software. Doch der Schein trügt.

  • Himbeer-TV

    Der DVB TV µHAT rüstet den Raspberry Pi mit einem DVB-T/T2-Tuner auf. Die deutsche TV-Landschaft schränkt dessen Möglichkeiten allerdings ein.

  • Git à la RasPi

    Mit wenigen Handgriffen zum Git-Hoster: Die dezentrale Arbeitsweise von Git erleichtert in Kombination mit der Netzwerkfähigkeit des RasPi das Verwalten von Quellcode.