Kindgerechter Audioplayer mit dem Raspberry Pi

© pawelproc, 123RF

Spielt wie gedruckt!

In Kombination mit einer Webcam und ein paar Skripts macht der RasPi eine gute Figur als kindgerechter Musikspieler.

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Die Musik im Kinderzimmer dröhnt meist aus einem robusten Plastik-CD-Spieler – weniger robust sind die dazugehörigen CDs. Nach ein paar beherzten Handgriffen sorgen Kratzer für bittere Tränen. Eine pfiffige Lösung mithilfe des Raspberry Pi und einer Webcam ermöglicht ruckelfreien Musikspaß.

Der CD-Player im Kinderzimmer hing wieder einmal, und das an der spannendsten Stelle des Lieblingshörbuchs. Das Ergebnis waren dicke Tränen – und für Papi die Motivation zu einem neuen Projekt mit dem Raspberry Pi: Irgendwie sollte es doch möglich sein, einen kindgerechten Musikspieler zu bauen.

Wieso müssen Kinder sich überhaupt noch mit CDs herumschlagen? Ein MP3-Player mit Touchscreen böte sich als Alternative an, aber entweder fällt die Handhabung nicht kindgerecht aus, oder die Geräte erlauben zu wenig Kontrolle darüber, was Apps und Internet so alles auf den Schirm bringen. Eine Lösung lag also nicht gerade auf der Hand.

Design Thinking

Daraus ergab sich eine gute Gelegenheit, einmal mit Design Thinking zu experimentieren. Dahinter verbirgt sich eine Methode, Probleme auf innovative Art zu lösen. Im Wesentlichen gilt es, schrittweise vier Fragen abzuarbeiten: Was ist? Was wäre, wenn? Was produziert einen "Wow"-Effekt? Was funktioniert?

Das Problem ließ sich zusammen mit den "Usern" im Kinderzimmer schnell festnageln: Kassetten verwandeln sich in Bandsalat, CDs bekommen Kratzer ab und MP3-Player stellen kleinere Kinder vor gravierende Bedienungsprobleme. Es musste also ein neues Bedienkonzept her.

In der Phase "Was wäre, wenn?" darf sich der Designer, losgelöst von skeptischen Einwänden, einfach vorstellen, wie eine ideale Lösung aussähe. Was wäre, wenn die Kinder nicht mit Medien hantieren müssten, durch keine Menüs zu navigieren hätten und keine mehrfach belegten Knöpfe bedienen müssten? Was, wenn sie einfach nur "Spiel mal »Rabe Socke«!" zu sagen brauchten?

Danach lohnt es sich zu überlegen, was das Besondere an der Lösung darstellt, und was daran begeistert. Wie cool wäre es, wenn die Kinder dem Musikspieler einfach ein Bildchen mit dem Album-Cover hinhalten, woraufhin dieser gleich losspielt – egal, ob gerade etwas anderes läuft?

Anstelle kryptischer Bildschirmtexte sollten lustige akustische Rückmeldungen Auskunft darüber geben, ob eine Aktion geklappt hat oder schiefging. Etwa ein "Juhu!", wenn die Software das Album erkennt, oder ein Pups, wenn die Bilderkennung versagt hat.

Was funktioniert?

Musik abspielen funktioniert mit dem Raspberry Pi bestens. Dafür braucht man nur den Mini-PC, Lautsprecher und ein Netzteil. Liegen die Audio-Dateien nicht direkt auf der SD-Karte, kommt noch ein Netzwerkanschluss hinzu. Eine einfache Bedienung gelingt mit einer abgespeckten Fernbedienung und einem Infrarot-Empfänger.

Für das Erkennen von Alben-Covern eignet sich eine Webcam. Für den Anfang sollte es reichen, einen QR-Code zu erkennen: Dafür gibt es Programme, die auf dem RasPi laufen. Abbildung 1 zeigt eine Übersicht über die nötigen Komponenten. Die Tabelle "Einkaufsliste" fasst die benötigten Teile zusammen und führt deren ungefähre Kosten auf, die sich zu rund 100 Euro summieren.

Abbildung 1: Vom ersten Design führt die Arbeit zu einer Liste an Komponenten, die es erlauben, das Projekt in die Tat umzusetzen.

Einkaufsliste

Bauteil

Preis

Raspberry Pi

40 Euro

Gehäuse

5 Euro

SD-Karte (8 GByte)

6 Euro

Netzteil 1.5 A

7 Euro

Fernbedienung

8 Euro

IR-Empfänger

9 Euro

Lautsprecher

10 Euro

Webcam

15 Euro

Summe

100 Euro

Eventuell haben Sie ja das eine oder andere Teil schon in Ihrem Fundus, sodass es sich für den Player wiederverwenden lässt. Beim IR-Empfänger sollte es sich um ein mit Lirc kompatibles Modell handeln. Beim Prototyp kam der kompakte IgorPlug USB zum Einsatz, der am RasPi direkt nach dem Einstecken funktioniert [1].

Die Fernbedienung sollte angesichts der angepeilten "Benutzergruppe" möglichst wenig Tasten aufweisen. Im Test fiel die Wahl auf die Seki Slim mit nur sechs Tasten, wobei die Möglichkeit besteht, diese frei zu programmieren. Das ist von Vorteil, da Lirc nicht mit jeder Fernbedienung funktioniert.

Linux unterstützt viele Webcams direkt. Auf Ebay findet sich zum Beispiel die Logitech C170 für unter 15 Euro. Die für unseren Prototyp genutzte Microsoft LifeCam HD liefert zu viele Pixel, was das Verarbeiten der Aufnahme entsprechend aufwendig macht. Daher reduzierten wir die Auflösung der Kamera per Konfiguration künstlich auf das kleinste Format: Je geringer die Auflösung, umso schneller verarbeitet der RasPi die Bilder.

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