Aus Raspberry Pi Geek 03/2025

TV-Empfänger für den Raspberry Pi

© ANONT WONGFUN / 123rf.com

Empfangsgeräte

Tim Schürmann

Wer sich vor den laufenden Gebühren des Internetfernsehens scheut oder schlicht die Programmvielfalt erhöhen möchte, benötigt einen TV-Empfänger für die klassischen Übertragungswege. Für den Raspberry Pi erweist sich die Auswahl allerdings als stark eingeschränkt.

Noch bis weit in die 2000er Jahre kam das Fernsehprogramm fast ausschließlich über einen Kabelanschluss, eine mehr oder weniger unansehnliche Satellitenschüssel am Balkongeländer oder ein wirres Drahtgeflecht in Form einer Antenne auf dem Dach. Heutzutage genügt bereits ein Internetzugang. Die dort von einigen Sendern verbreiteten kostenlosen Streams zapfen das Media-Center Kodi [1] und viele weitere Fernseh-Tools direkt an – mehr dazu im Artikel auf Seite 28 [2]. Diese IPTV getaufte Empfangsart hat allerdings gleich mehrere Haken.

Zunächst führen Übertragungsfehler und instabile Internetverbindungen zu Aussetzern oder Artefakten im Bild. In solchen Fällen schalten die Sender häufig automatisch auf eine schlechtere Qualität zurück. Das passiert auch, wenn mehrere Familienmitglieder gleichzeitig unterschiedliche Programme sehen wollen und der schmale Internetanschluss dabei verstopft.

Des Weiteren streamen die großen deutschen Privatsender wie RTL, SAT.1 und ProSieben ihre Programme ausschließlich über ihre eigenen Onlineplattformen. RTL+, Joyn und Co. geben das Bild jedoch erst nach mindestens einer Registrierung über den Browser frei. Die von der Telekom, Vodafone und weiteren Dienstleistern angebotenen IPTV-Pakete kosten wiederum eine monatliche Gebühr, zudem wandern die Programme ebenfalls nur verschlüsselt durch das Internet. Anzapfen lassen sich solche Streams auf dem Raspberry Pi nur mit mehr oder weniger großen Verrenkungen.

Abschließend fehlen den öffentlich-rechtlichen Sendern für einige Sportereignisse, Filme und ältere Serien die Onlinerechte. Die Streams senden dann in der entsprechenden Zeit nichts, lediglich ein schwarzes Bild, eine Hinweistafel oder im besten Fall ein Ersatzprogramm. Umgehen können Sie alle diese Nachteile nur über das klassische Antennen-, Satelliten- oder Kabelfernsehen. Um diese alten Empfangswege auf dem Raspberry Pi anzuzapfen, benötigen Sie Zusatzhardware, die wiederum vom jeweiligen Empfangsweg abhängt.

Aus der Luft

Das nach dem DVB-T2-Standard funkende Antennenfernsehen holt der TV HAT auf den Raspberry Pi [3]. Er ist teilweise unter der Bezeichnung DVB TV µHAT für einen Preis zwischen 23 und 30 Euro zu bekommen (Abbildung 1). Die kleine Platine stecken Sie mit dem mitgelieferten schwarzen Abstandshalter auf die GPIO-Pins, wobei der Antennenanschluss wie in Abbildung 2 von den USB-Ports weg zeigen muss.

Abbildung 1: Der TV HAT entspricht als µHAT ungefähr der Größe eines Raspberry Pi Pico und sitzt…

Abbildung 1: Der TV HAT entspricht als µHAT ungefähr der Größe eines Raspberry Pi Pico und sitzt…

Abbildung 2: …so auf einem Raspberry Pi 4B. Für den nötigen Abstand sorgt die beim TV HAT mitgelieferte GPIO-Leiste.

Abbildung 2: …so auf einem Raspberry Pi 4B. Für den nötigen Abstand sorgt die beim TV HAT mitgelieferte GPIO-Leiste.

Zusätzlich brauchen Sie eine für den DVB-T2-Empfang geeignete Antenne, die dem TV HAT nicht beiliegt. In Großstädten wie Dortmund oder München genügt eine passive Stabantenne (Abbildung 3), am Stadtrand oder in ländlichen Gebieten kann eine aktive Antenne notwendig sein. In jedem Fall schließen Sie die Antenne über den beim TV HAT mitgelieferten silberfarbenen Adapter an. Damit haben Sie die Einrichtung abgeschlossen, das Raspberry Pi OS bringt bereits einen passenden Treiber mit.

Abbildung 3: In Metropolregionen wie im Rhein-Ruhr-Gebiet genügt schon diese kleine Stabantenne zum Empfang des terrestrischen Fernsehens.

Abbildung 3: In Metropolregionen wie im Rhein-Ruhr-Gebiet genügt schon diese kleine Stabantenne zum Empfang des terrestrischen Fernsehens.

Aus der Dose

Das Antennenfernsehen sendet zwar beinahe überall, unverschlüsselt funken darüber in Deutschland aber lediglich die öffentlich-rechtlichen Anstalten sowie einige Teleshopping-Kanäle. Wenn Sie mehr wollen, bleibt Ihnen zunächst das gute alte Kabelnetz. Zumindest liegt diese Lösung sehr nahe.

Bevor Sie einen dazu passenden Empfänger kaufen, sollten sie unbedingt prüfen, ob Sie überhaupt noch Kabelfernsehen gemäß DVB-C-Standard empfangen. Die meisten Dienstleister wie Vodafone bieten über ihr Kabelnetz heutzutage bevorzugt Internetzugänge mit IPTV an. Durch den Wegfall des Nebenkostenprivilegs im Sommer 2024 wurden außerdem gerade in Wohnanlagen zahlreiche Kabelverträge gekündigt. Die alten Kabelkanäle kommen bei Ihnen noch an, wenn Sie Ihren Fernseher direkt mit der Dose in der Wand verbinden und ein Suchlauf die Programme auf den Bildschirm bringt.

VU+ Turbo SE

Für den Empfang via DVB-C haben wir im Handel den VU+ Turbo SE gefunden. Der USB-Stick findet sich im Internet bei verschiedenen Versandhändlern für rund 60 Euro und empfängt alternativ auch DVB-T2-Signale (Abbildung 4). Doch Obacht: Unter der Bezeichnung VU+ Turbo existiert noch ein anderer Empfänger, der sich nicht für den Raspberry Pi eignet.

Abbildung 4: Der VU+ Turbo SE kann sowohl als DVB-T2- als auch DVB-C-Empfänger arbeiten.

Abbildung 4: Der VU+ Turbo SE kann sowohl als DVB-T2- als auch DVB-C-Empfänger arbeiten.

Um den VU+ Turbo SE in Betrieb zu nehmen, benötigen Sie die Firmware-Datei dvb-demod-si2168-b40-01.fw. Die beiden Kommandozeilenbefehle aus Listing 1 laden sie beim OpenELEC-Projekt herunter und schieben sie anschließend an die passende Position unter /lib/firmware.

Listing 1

Firmware-Datei

$ wget https://github.com/OpenELEC/dvb-firmware/raw/master/firmware/dvb-demod-si2168-b40-01.fw
$ sudo cp dvb-demod-si2168-b40-01.fw /lib/firmware

Stecken Sie jetzt den USB-Stick an. Die Ausgabe von dmesg (Abbildung 5) sollte in den letzten Zeilen eine erfolgreiche Einrichtung vermelden, zu erkennen am folgenden Ausschnitt:

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