Aus Raspberry Pi Geek 09/2024

Festplatte als Boot-Medium für den Raspberry Pi (Seite 2)

Abbildung 3: RasPi mit 3,5-Zoll-HDD: Der Aufbau wirkt etwas eigentümlich, funktioniert aber sehr gut.

Abbildung 3: RasPi mit 3,5-Zoll-HDD: Der Aufbau wirkt etwas eigentümlich, funktioniert aber sehr gut.

Speedometer

Der folgende Abschnitt nimmt nicht für sich in Anspruch, ein besonders ausgefeilter Leistungstest zu sein – es ist eher der Versuch, die gefühlt höhere Geschwindigkeit mit Messwerten zu untermauern. Hierzu verglichen wir den HDD-RasPi mit einem System, das mit einer SD-Karte ausgestattet war. Zum Messen der Datenübertragungsrate kam das Unix-Tool Dd zum Einsatz.

Listing 1 zeigt die ausgeführten Kommandos auf den beiden Systemen. Das erste schreibt eine Datei auf das Medium. Der zweite Befehl löscht den Cache, um die echte Lesegeschwindigkeit des Mediums zu bekommen. Das dritte Kommando liest die Datei zur Durchsatzermittlung ein. Zu guter Letzt zeigt eine Wiederholung des Lesebefehls, wie sich das Caching auf die Geschwindigkeit auswirkt.

Dieser einfache Test zeigt, dass die echte Festplatte doppelt so schnell liest und dreimal so schnell schreibt wie die SD-Karte. Beim Lesen aus dem Cache arbeiten beide Medien superschnell. Spannend hierbei ist die recht hohe Schreibgeschwindigkeit beider Medien. Sie rührt vermutlich daher, dass der RasPi einen Cache für das Schreiben verwendet.

Listing 1

Leistungstest

### Festplatte
$ dd if=/dev/zero of=~/test.tmp bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 0,953431 s, 550 MB/s
$ sync; echo 3 | sudo tee /proc/sys/vm/drop_caches
3
$ dd if=~/test.tmp of=/dev/null bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 3,62972 s, 144 MB/s
$ dd if=~/test.tmp of=/dev/null bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 0,388574 s, 1,3 GB/s
### SD-Karte
$ dd if=/dev/zero of=~/test.tmp bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 1,93894 s, 270 MB/s
$ sync; echo 3 | sudo tee /proc/sys/vm/drop_caches
3
$ dd if=~/test.tmp of=/dev/null bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 11,8159 s, 44,4 MB/s
$ dd if=~/test.tmp of=/dev/null bs=500K count=1024
1024+0 Datensätze ein
1024+0 Datensätze aus
524288000 Bytes (524 MB, 500 MiB) kopiert, 0,342468 s, 1,5 GB/s

Fazit

Nur weil ein Gerät einen Defekt aufweist, ist es nicht zwangsläufig ein Kandidat für den Mülleimer. Es weiterzuverwenden schont zum einen die Umwelt und zum anderen den Geldbeutel. In vielen Fällen lässt sich ein defekter Raspberry Pi immer noch einsetzen. Hat etwa die GPIO eine Macke, kann der Minirechner immer noch als Server dienen.

Mit der Möglichkeit, von einer USB-Festplatte zu booten, eröffnen sich tatsächlich viele neue Einsatzgebiete für den Raspberry Pi. In einem solchen Fall erscheint es beispielsweise gar nicht mehr so abwegig, ihn als Datenbankserver einzusetzen. Relationale Datenbanksysteme benötigen neben viel Plattenplatz auch ordentliche I/O-Leistung. Die Zugriffsgeschwindigkeit und die Lebensdauer liegen bei einer Festplatte in einem solchen Szenario zudem erheblich höher als bei einer SD-Karte. (tle)

Der Autor

Martin Mohr hat die komplette Entwicklung der modernen Computertechnik live miterlebt. Nach dem Studium entwickelte er überwiegend Java-Applikationen. Mit dem Raspberry Pi erwachte seine alte Liebe zur Elektronik wieder.

Infos

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