Ab der vierten Generation bietet der RasPi die Möglichkeit, auch von anderen Medien als einer SD-Karte zu booten. Das bietet erhebliche Geschwindigkeitsvorteile.
Es begab sich zu später Stunde, dass der müde Geek beschloss, sein Tagwerk zu beenden. Alle Werkzeuge wurden zurück an ihren Platz gelegt, alle Bauteile wanderten in ihre Schubladen und die Ordnung hielt wieder Einzug in die Werkstatt. Zu guter Letzt musste nur noch der Raspberry Pi zurück an seinen Platz. “Nanu, was klemmt da? Ach, egal!” Mit etwas mehr Kraft fand auch der Mini-Rechner an seinen angestammten Platz.
Am nächsten Morgen stürmte der Geek frohgemut in seine Werkstatt und begann in neuer Frische mit der Arbeit. “Oh Schreck! Der Pi bootet nicht mehr!” Der scharfe Blick des Geeks förderte schnell die Ursache zutage: Bei der energischen Aufräumaktion am Vorabend war der SD-Card-Slot abgerissen und damit der RasPi scheinbar hinüber (Abbildung 1). Doch noch gab der Geek nicht alles verloren.

Abbildung 1: Ein abgerissener SD-Card-Slot bedeutet nicht zwangsläufig das Todesurteil für den RasPi 4.
Die Rettung
Ab dem RasPi 4 ist es möglich, den Kleinstrechner auch von anderen Medien als der SD-Karte zu booten. Bei den früheren Modellen war das oft nur mit Änderungen an der Firmware machbar.
Bevor Sie einen derart beschädigten Pi aber wieder verwenden, sollten Sie sich ein paar Gedanken um den abgerissenen Slot machen. Die frei in der Luft hängenden Kontakte des Slots könnten leicht für Kurzschlüsse sorgen, was dem RasPi mit etwas Pech endgültig das Lebenslicht ausbläst.
Der einfachste Weg zur Schadensbegrenzung besteht darin, die Reste des Slots mit einem Stück Isolierband zu fixieren. Dabei gilt es, darauf zu achten, dass sich die einzelnen Kontakte nicht berühren. Zum Glück befinden sich auf der Platine unterhalb der Kontakte keine leitenden Bereiche.
Ein weitaus besserer Weg, mit dem Schaden umzugehen, besteht im vollständigen Entfernen aller Reste des Slots. Dazu benötigen Sie nur einen geeigneten Lötkolben und etwas Geschick. Achten Sie penibel darauf, keine ungewollten Lötzinnbrücken zu hinterlassen. Nachdem Sie die Unfallstelle fachmännisch behandelt haben, können Sie sich dem Boot-Problem zuwenden.
Neues Bootmedium
Es ist kein großes Geheimnis, dass SD-Karten keine besonders hohe Lebenserwartung haben, wenn sie als Speichermedium für ein Betriebssystem zum Einsatz kommen. Ähnlich sieht es mit den üblichen USB-Sticks aus. Das liegt an der bei diesen Medien eingesetzten Speichertechnik. Wenn Sie also ein neues Boot-Medium für Ihren RasPi suchen, können Sie es auch gleich richtig machen und eine geeignete HDD verwenden. Der Autor hat sich hier für eine in die Jahre gekommene NAS-Festplatte aus der WD-Red-Baureihe entschieden. Es lässt sich aber auch jede andere SATA-Disk verwenden.
Um eine solche Festplatte an einem RasPi zu betreiben, benötigen Sie einen beliebigen USB-zu-SATA-Adapter [1]. Sie müssen beim Kauf nur darauf achten, dass er eine zusätzliche Spannungsversorgung mitbringt. Ansonsten kann es vorkommen, dass eine 3,5-Zoll-Festplatte den Dienst verweigert. Die kleineren 2,5-Zoll-Modelle dagegen lassen sich in der Regel ohne zusätzliche Spannungsversorgung betreiben. Man kann hier allerdings keine allgemeingültige Aussage treffen.
Betriebssystem
Um das Betriebssystem auf die Festplatte zu schreiben, schließen Sie diese zunächst über den USB-SATA-Adapter an Ihren Desktop an. Um möglichen Problemen aus dem Weg zu gehen, empfiehlt es sich, alle auf der Festplatte vorhandenen Partitionen zu löschen. Der Autor verwendete dafür das Kommandozeilenwerkzeug Fdisk. Alternativ könnten Sie dazu beispielsweise Gparted nutzen.
Beim Betriebssystem haben Sie die Qual der Wahl. Mittlerweile gibt es für den RasPi eine recht beachtliche Auswahl. Für einen ersten Test, ob das Auslöten der Slot-Reste keinen Schaden verursacht hat, greifen Sie am besten zum einfachen Raspberry Pi OS, das Sie mit dem RPi-Imager auf die Festplatte schreiben (Abbildung 2). Danach trennen Sie die Verbindung zum PC und schließen die Disk an den Raspberry Pi an. Achten Sie darauf, die Platte an den blauen USB-3-Anschluss des Mini-Rechners zu stecken.
Danach versorgen Sie den Pi mit Spannung. Und siehe da: Er bootet jetzt ohne Murren von der angeschlossenen Festplatte. Raspberry Pi OS erweitert beim ersten Booten grundsätzlich das Filesystem auf die maximal mögliche Größe. Bei einer SD-Card bekommt man das oft gar nicht mit, weil es so schnell geht. Bei einer großen Festplatte benötigt dieser Vorgang allerdings eine Weile. Solange der RasPi keine Fehlermeldungen ausgibt, ist mit dem Boot-Medium vermutlich alles in Ordnung. Die folgenden Boot-Vorgänge laufen dann rasend schnell.
Beim Autor zeigte dieser erste Test, dass die Platte normal arbeitet und dem RasPi alle Vorteile einer echten Festplatte bietet. Allerdings mutet es schon ein wenig eigentümlich an, eine 3,5-Zoll-HDD an den kleinen SBC anzuschließen (Abbildung 3).







