Aus Raspberry Pi Geek 11/2023

RasPi und Bildung

Endlosschleife

Thomas Leichtenstern

Mit dem Raspberry Pi gibt es einen kostengünstigen Kleinrechner, der explizit für den Einsatz an Schulen und Unis konzipiert wurde. An deutschen Bildungseinrichtungen scheint das Konzept aber spurlos vorbeizugehen, ärgert sich Redakteur Thomas Leichtenstern.

Im November 2008 gründete eine Gruppe von Treuhändern, unter ihnen Eben Upton, die Raspberry Pi Foundation mit dem Ziel, besonders an Schulen und Unis das Lernen und Studieren der Informatik und verwandter Themen zu fördern. Das ehrgeizige Projekt geriet schnell zum Selbstläufer, der die kühnsten Erwartungen der Protagonisten übertraf. So verkaufte die Foundation seit 2012 knapp 50 Millionen Exemplare ihrer Kleinstrechner und stieg damit zum erfolgreichsten britischen Computerproduzenten auf.

So kreativ und flexibel andere Länder das Thema IT in der Bildung angehen, so trist sieht es hingegen nach wie vor in deutschen Schulen aus. Warum ist das so? Eigentlich könnte man meinen, dass es seit 2019 am Geld nicht scheitern sollte. Damals wurde der sogenannte “Digitalpakt Schule” ins Leben gerufen, der Fördergelder in Höhe von 5 Milliarden Euro vorsah; inzwischen wuchs der Etat auf 7 Milliarden. Das entspricht umgerechnet etwa 170 000 Euro pro Schule.

Als IT-affiner Redakteur ging ich davon aus, dass die Schulen nach finanziellen Zuschüssen für ihre IT geradezu lechzen. Doch die Realität sieht anders aus: In der Anlaufphase wurden von Jahresbeginn 2020 bis zum Stichtag am 30. Juni lediglich 15,7 Millionen Euro abgerufen beziehungsweise bewilligt. Das änderte sich zwar im Laufe der Jahre, doch nach wie vor gelten nur 80 Prozent der Gelder als gebunden.

Allerdings kritisierte der Bundesrechnungshof den Digitalpakt in einem 2022 vorgelegten Prüfbericht scharf und forderte den Bund auf, diesen nicht zu verlängern. Die Prüfer bemängeln grundsätzlich die Finanzierung einer Aufgabe, die eigentlich bei den Ländern liegt, durch den Bund, der kaum Kontrollrechte habe. Ferner würden in den Ländern die Mittel durch insgesamt 38 Behörden und Investitionsbanken verwaltet. Deren überwiegend kleinteilige Vergabeverfahren unterscheide sich, das Nachweisverfahren sei lückenhaft und wirkungslos. Ergo ließe sich nicht überprüfen, ob das Geld den gewünschten Erfolg erzielt, moniert der Rechnungshof.

Darüber hinaus mangelt es an nachhaltigen Konzepten. An nur etwa jeder zehnten Schule in Deutschland ist einer Umfrage zufolge eine IT-Fachkraft beschäftigt. In einer Forsa-Umfrage unter mehr als 1000 Schulleitern gaben 11 Prozent an, in ihrer Einrichtung gebe es eine solche Fachkraft. In den anderen übernehmen diese Jobs meist Lehrer, die sich dafür qualifiziert fühlen.

Unterm Strich scheint es so, dass unser Bildungssystem in vieler Hinsicht in den Achtziger- und Neunzigerjahren hängen geblieben ist und es nach wie vor nicht schafft, in der Gegenwart anzukommen.

Herzliche Grüße,

Thomas Leichtenstern

Redakteur

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