In COBOL geschriebene Anwendungen finden sich vor allem im Finanzsektor und bei Behörden auf Großrechnern. Aber auch auf dem RasPi lässt sich in COBOL programmieren.
COBOL steht für “Common Business Oriented Language”, eine schon 1959 entwickelte Programmiersprache. Auch über 60 Jahre später kommen COBOL-Programme immer noch und gerade im Finanz- und Versicherungssektor intensiv zum Einsatz. Ein Grund dafür ist, dass diese Wirtschaftszweige schon sehr früh begannen, IT-Systeme zum Verarbeiten von Daten zu nutzen und es zu dieser Zeit nur überwiegend in COBOL oder PL1 programmierte Großrechner gab. Der zweite, viel wichtigere Grund: Hinter COBOL steckt eine standardisierte, hardwareunabhängige und problemorientierte Sprache zum Erstellen von Programmen im betriebswirtschaftlichen Bereich.
Die Sprache dient der effizienten Massendatenverarbeitung, und ihre Entwickler legten Wert darauf, dass sich die Programme leicht lesen und verstehen lassen. Zudem besteht keine Möglichkeit, den Code zu kapseln, um Komplexität zu verbergen. Sie sehen also in einem COBOL-Programm immer genau, was passiert. Dadurch verkürzt sich die Einarbeitungszeit für Entwickler enorm. Die aktuelle COBOL-Version erschien 2014. COBOL-Entwickler müssen sich also vergleichsweise selten mit Neuerungen in der Programmiersprache auseinandersetzen.
Die Syntax von COBOL sieht aus heutiger Sicht ein wenig gewöhnungsbedürftig aus, lässt sich aber gut lesen und tatsächlich leichter verstehen als beispielsweise C oder Java. Was den Vorrat an Operatoren angeht, unterscheidet sich COBOL kaum von seinen modernen Kollegen. Kommentare markieren Sie mit einem Asterisk, Zeilenenden durch Punkte. Zeilennummern lassen sich zwar verwenden, wirken sich jedoch nicht auf die Programmausführung aus – wohl ein Überbleibsel aus dem Lochkartenzeitalter.
COBOL bringt mehr Kommandos mit, als man es von Sprachen wie Java oder Go kennt, was erneut daran liegt, dass COBOL zum Verarbeiten von Massendaten konzipiert wurde. Eine Übersicht der Operatoren und Kommandos sowie die vollständige Dokumentation finden sich auf den IBM-Webseiten [1]. Bei Problemen helfen die Mitglieder im Forum des Open Mainframe Projects [2].
Installieren
Um COBOL auf einem Raspberry Pi zu installieren, braucht es nur zwei Schritte. Zuerst erstellen Sie mit dem RPi Imager eine bootfähige SD-Karte mit Raspberry Pi OS (32 Bit). Anschließend implementieren Sie mithilfe der Befehle aus Listing 1 über ein Terminal die nötigen Pakete und können direkt mit dem COBOL-Programmieren auf dem RasPi beginnen. Das letzte Kommando aus Listing 1 zeigt die aktuelle Versionsnummer des COBOL-Compilers an.
Listing 1
COBOL installieren
$ sudo apt update $ sudo apt upgrade $ sudo apt install open-cobol code $ cobc -V
Editor
In Sachen Editor bietet Ihnen COBOL freie Auswahl. Sie arbeiten problemlos beispielsweise mit Vi oder Nano. Alternativ nutzen Sie eine modernere IDE wie Visual Studio Code (VSC [3]), die im Artikelbeispiel zum Einsatz kommt. Obwohl von Microsoft entwickelt, existieren dafür freie Pakete für Linux. Da VSC wie zahlreiche IDEs recht ressourcenhungrig ist, empfiehlt es sich, einen Raspberry Pi 4 mit mindestens 4 GByte RAM zu verwenden. Mithilfe von Extensions erweitern Sie Visual Studio Code und passen es an einzelne Programmiersprachen an. Suchen Sie unter dem Extensions-Icon (Abbildung 1) nach IBM Z Open Editor. Mit einem Klick auf Install fügen Sie der IDE die entsprechende Erweiterung hinzu.

Abbildung 1: Das Installieren von Extensions in Visual Studio Code erfolgt über das dazugehörige Icon.
Um ein COBOL-Programm zu schreiben, wählen Sie im Menü File | New File. Daraufhin öffnet sich ein neuer Reiter für die Datei, in dem sie zunächst als Programmiersprache COBOL einstellen. Abbildung 2 illustriert, welche Vorteile der Einsatz von VSC mit der passenden Extension bringt. Zunächst fallen die durch vertikale Linien gekennzeichneten Bereiche des COBOL-Programms auf. Darüber hinaus stehen ein Kontext-Highlighting und eine nützliche Autovervollständigungsfunktion zur Verfügung.

Abbildung 2: Der COBOL-Editor von Visual Studio Code bietet neben Kontext-Highlighting eine nützliche Autovervollständigungsfunktion.
Hallo Welt!
Wie beim Erlernen jeder neuen Programmiersprache starten Sie mit dem guten alten Hallo-Welt-Beispiel (Listing 2). Es besteht, wie grundsätzlich jedes COBOL-Programm, aus vier aufeinanderfolgenden Abschnitten (Divisions), wobei leere einfach entfallen dürfen.
Listing 2
hallowelt.cbl
000100*hallowelt.cob Hallo Welt 000200 IDENTIFICATION DIVISION. 000300 PROGRAM-ID. hallo. 000400 AUTHOR. Martin Mohr. 000500 DATE-WRITTEN. 24. APR. 2022. 000550 ENVIRONMENT DIVISION. 000600 DATA DIVISION. 000700 WORKING-STORAGE SECTION. 000800 01 HALLO-TEXT PICTURE A(12). 000900 PROCEDURE DIVISION. 001000 MOVE "Hallo Welt" TO HALLO-TEXT. 001100 DISPLAY HALLO-TEXT. 001200 STOP RUN.
Am Anfang jedes Programms steht die Identification Division, in der Sie allgemeine Informationen zum Programm ablegen wie dessen Name oder den des Entwicklers. Es folgt die Environment Division, in der Sie festlegen, mit welchen Dateien das Programm arbeiten soll. In der anschließenden Data Division entscheiden Sie darüber, wie die Daten in den Dateien strukturiert sind, und definieren das COBOL-Äquivalent zu Variablen. Zu guter Letzt landet das eigentliche Programm in der Procedure Division.
Um nicht direkt bei den ersten Gehversuchen mit COBOL Schiffbruch zu erleiden, sollten Sie sich klarmachen, dass Sie es mit einer für das Programmieren mit Lochkarten entwickelten Sprache zu tun haben. Daher müssen Sie sich unbedingt an einige aus der Vergangenheit stammende Konventionen halten (siehe Tabelle “Konventionen für COBOL-Programmdateien”).






