Aus Raspberry Pi Geek 06/2022

Alte DOS-Spiele auf dem Raspberry Pi

© Allan Swart / 123RF.com

Retrokonsole

Erik Bärwaldt

Mithilfe des Betriebssystems Dosbian mutiert der Raspberry Pi zu einem 80486er-PC, auf dem sich trefflich alte DOS-Spiele zocken lassen.

Viele Anwender haben alte DOS-Spiele trotz Klötzchengrafik und piepsender Töne in ihr Herz geschlossen. Doch auf aktuellen PCs lassen sich in der Regel Spiele für das alte 16-Bit-Betriebssystem nicht mehr installieren und nutzen, weil die moderne Hardware viel zu schnell arbeitet und obendrein zahlreiche Komponenten wie beispielsweise Soundblaster-16-Soundkarten oder Diskettenlaufwerke nicht mehr unterstützt. Auch DOS-Laufzeitumgebungen und DOS-Emulatoren wie DOSEMU oder die DOSBox müssen unter Linux häufig aufwendig konfiguriert werden, bis sie mit alten DOS-Spielen harmonieren.

Da ältere Computersysteme, die sich noch für das 16-Bit-Betriebssystem aus den 1980er- und frühen 1990er-Jahren eignen, immer seltener werden, bietet sich als alternative Plattform für die alten Spiele der Raspberry Pi an. Mit Dosbian, einer Entwicklung des italienischen Programmierers Carmelo Maiolino, erhalten Sie dazu eine ausgereifte und schnell einzusetzende Lösung [1].

Voraussetzungen

Der Einsatz von Dosbian auf dem Raspberry Pi ist an recht geringe Ressourcen geknüpft. So lässt sich das Betriebssystem bereits auf einem Raspberry Pi 2B einsetzen, auch wenn dabei einige Modifikationen der Konfiguration anfallen, um Spiele flüssig nutzen zu können. Alle moderneren Generationen des Kleincomputers unterstützt Dosbian dagegen problemlos. Da auch alte Windows-Spiele unter Dosbian laufen, empfiehlt sich für deren Einsatz jedoch ein Raspberry Pi 4 mit größerem Arbeitsspeicher, da die Software für diese Spiele umfangreichere Speicherkapazitäten benötigt.

Weitere Voraussetzungen nennen die Dosbian-Entwickler nicht. Das Betriebssystem emuliert benötigte alte Hardware wie Sound-, Netzwerk- und Grafikkarten automatisch und weist auch Speicherkapazitäten entsprechend zu. Außerdem können Sie mit der aktuellen Version von Dosbian alte Disketten und Festplattenspeicher generieren, wobei diese für eine Kapazität von bis zu 2 GByte ausgelegt sind.

Einrichtung

Dosbian basiert auf Raspberry Pi OS und der DOSBox, wobei die Distribution speziell für den Einsatz mit DOS-Software angepasst ist. Ein Einsatz als herkömmliches Desktop-System ist nicht vorgesehen. Sie erhalten das Betriebssystemabbild auf der Website des Projekts als 7Z-Archiv mit einem Umfang von 1,1 GByte, das nach dem Entpacken als Abbild eine Größe von 3,6 GByte aufweist. Sie transferieren das Image dann wie gewohnt auf eine Micro-SD-Karte, etwa mit dem Raspberry Pi Imager oder dem Linux-Kommando Dd.

Anders als bei Raspberry Pi OS gelangen Sie in Dosbian nicht in eine grafische Oberfläche, sondern werden lediglich an einen DOS-Prompt geleitet. Dosbian emuliert dabei einen Hauptprozessor 80486DX2 mit 66 MHz Taktfrequenz und 16 MByte Arbeitsspeicher. Das Betriebssystem startet im Hintergrund während des Hochfahrens bereits die vorkonfigurierte DOSBox [2]. Um damit arbeiten zu können, sollten Sie die grundlegende Befehlssyntax des 16-Bit-Betriebssystems beherrschen.

Einstellungen

Obwohl sich viele sehr alte DOS-Spiele und auch zahlreiche Anwendungen unter DOS nicht mit der Maus bedienen lassen, empfiehlt es sich unbedingt, eine Maus am System angeschlossen zu haben, da Sie mit deren Hilfe einige Einstellungen vornehmen können. Falls Sie Dosbian mit einem älteren Raspberry Pi nutzen möchten, der noch keine Hardware für den drahtlosen Netzzugang aufweist, sollten Sie den Mini-Rechner über die LAN-Buchse mit dem Internet verbinden. Anschließend fahren Sie das System hoch und geben am DOS-Prompt den Befehl exit ein. Dosbian öffnet nun ein spezielles Konfigurationsmenü (Abbildung 1).

Abbildung 1: Das Dosbian-Konfigurationsmenü macht die Arbeit am Prompt überflüssig.

Abbildung 1: Das Dosbian-Konfigurationsmenü macht die Arbeit am Prompt überflüssig.

Darin öffnen Sie durch einen Druck auf [C] und Bestätigung mit OK zunächst die Raspi-config-Konsole. In der Routine wählen Sie danach die Option 5 Localisation Options und im aufgerufenen Untermenü den Punkt L3 Keyboard, um die deutsche Tastaturbelegung zu aktivieren. Im sich danach öffnenden Menü behalten Sie die eingestellte Tastatur bei und wählen im jetzt aktivierten Menü Keyboard Layout die Option Other. Danach können Sie die deutsche Tastaturbelegung einstellen und zur Standardvorgabe machen. Nach einer kurzen Pause, in der die neue Einstellung aktiviert wird, gelangen Sie zurück ins Hauptmenü.

Dort wählen Sie nun bei Verwendung eines aktuellen Raspberry Pi der vierten Generation den ersten Eintrag 1 System Options und danach S1 Wireless LAN. In den nächsten beiden Dialogen müssen Sie die SSID und die Passphrase Ihrer WLAN-Installation angeben. Danach gelangen Sie erneut ins Hauptmenü. Dort wählen Sie die Option 6 Advanced Options und A1 Expand Filesystem. Dosbian dehnt das Dateisystem dann auf die gesamte Größe der Micro-SD-Karte aus und blendet nach Abschluss einen entsprechenden Hinweis ein (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mithilfe des Raspberry-Konfigurationstools richten Sie den Mini-Computer ein.

Abbildung 2: Mithilfe des Raspberry-Konfigurationstools richten Sie den Mini-Computer ein.

Damit Sie über einen SSH-Server Zugriff auf den Raspberry Pi erhalten, starten Sie nun den entsprechenden Server, indem Sie im Hauptmenü die Option 3 Interface Options anwählen und im nächsten Menü die Option P2 SSH. Danach führen Sie einen Warmstart aus, um alle neuen Einstellungen zu aktivieren.

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