Einen HAT von Sparkfun mit vier I2C-Anschlüssen – allerdings alle an demselben Bus – haben wir bereits vor einem Jahr vorgestellt [7]. Der Grove-HAT aus Abbildung 4 dagegen stellt verschiedene Anschlüsse bereit, je einmal I2C, PWM und UART. Hinzu kommen zwei digitale Anschlüsse mit jeweils zwei angebundenen GPIOs sowie dreimal ADC mit je zwei Kanälen. Für den analogen Eingang sitzt auf dem HAT ein eigener Mikrocontroller. Den HAT gibt es für 10 Euro, auch in einer Variante mit noch mehr Anschlüssen für die großen RasPi-Modelle. Alleine der ADC-Anschluss ist dabei das Geld schon wert. Für den Pico greifen Sie am besten zum Maker Pi Pico von Cytron mit sechs Buchsen [8].
Der Doppeltaster aus Abbildung 3 ist ein gutes Beispiel dafür, dass das Stecksystem nicht nur für Lötmuffel taugt. Er kostet bei BerryBase 2,20 Euro (als Einzeltaster 1,90 Euro), was auf den ersten Blick sehr teuer erscheint, fallen doch für die typischen 6×6-Millimeter-Taster nur ein paar Cent an. Allerdings sitzt der Grove-Taster auf einer Trägerplatine mit rückseitiger Buchse, sodass er sich problemlos in Gehäusen montieren lässt. Als Zugabe gibt es noch Kappen in verschiedenen Farben. Auch wenn der Selbstbau kein Hexenwerk wäre, rechtfertigt die eingesparte Zeit doch den Preis.
Grove kennzeichnet diese für die Montage optimierten Bauteile mit dem Namenszusatz (P) für Panel. Den Taster gibt es auch noch in einer Variante mit nach oben weisendem Anschluss, ideal fürs Prototyping. Für denselben Zweck ist auch ein Mini-Breadboard für 3,80 Euro gedacht (Abbildung 5), mit dem Sie eigene Komponenten testen können. Dabei schützt eine Sicherung (auf dem Board mit FUSE beschriftet) den Anschluss.
Eine Alternative zu normalen Breadboards bieten Adapterkabel, die an einem Ende Dupont-Stecker beziehungsweise -Buchsen haben. Damit verkabeln Sie Grove-Bausteine direkt mit einem Raspberry Pi oder Pi Pico, umgekehrt schließen Sie damit vorhandene Sensoren mit klassischen Pins an einen Grove-HAT an. Auch die anderen Hersteller führen solche Adapterkabel im Programm.
Soll Ihr Baustein permanent einen Grove-Anschluss erhalten, bietet ein kleines Protoshield (Abbildung 6) die Lösung. Das pfiffige Bauteil kostet 1,90 Euro. Streng genommen bräuchten Sie noch die Pegelwandler, aber für eigene Basteleien können Sie darauf verzichten, solange Sie die Grenzen Ihres Bausteins kennen.
Montageoptimierte Breakouts, das Mini-Breadboard und das Protoshield sind gute Argumente für das Grove-System; die anderen Hersteller müssen hier passen.
Fazit
Keins der Stecksysteme nimmt Ihnen die Arbeit der Programmierung ab. Sie können sich aber voll und ganz auf die Software konzentrieren und verzweifeln nicht an vermeintlichen Programmfehlern, die sich nach stundenlanger Fehlersuche als schlechte Verbindungen herausstellen. Aber auch bei der Programmierarbeit lassen die Hersteller Sie nicht alleine, denn Wikis und Beispielcode für die jeweiligen Produkte stellt jeder Hersteller bereit. Seeed stellt sogar eine komplette Python-Bibliothek [9] für Grove zur Verfügung, die es erlaubt, die Sensoren einheitlich anzusteuern.
Wenn Sie also nicht zu den Hardcore-Lötern oder Pfennigfuchsern gehören, dann lohnt sich der Griff zur Kabelware auf alle Fälle. Die Systementscheidung betrifft dabei eher den HAT (beziehungsweise das Shield) als die Sensoren, die zur Not per Adapterkabel Anschluss finden. Wer neu einsteigt, fährt dabei auf alle Fälle mit Grove am besten. Seeeds System bietet die größte Flexibilität, und die Stecker sind robuster als die der kleineren Alternativen Stemma-Qt beziehungsweise Qwiic, die sich zudem auf I2C beschränken. (jlu)
Der Autor
Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler und entspannt gern beim Musikhören, Radfahren oder Spazierengehen. Daneben beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].
Infos
- Stemma-Bauteile: https://www.adafruit.com/category/1005
- Qwiic: https://www.sparkfun.com/qwiic
- Gravity: https://www.dfrobot.com/gravity.html
- Grove: https://www.seeedstudio.com/category/Grove-c-1003.html
- Tinkerforge: Bernhard Bablok, “Klötzchen-Technik”, RPG 05-06/2021, S. 66, https://www.raspi-geek.de/46119
- Tinkerforge: https://www.tinkerforge.com/de/
- Ausgepackt: Bernhard Bablok, “Ausgepackt”, RPG 01-02/2021, S. 8, https://www.raspi-geek.de/45305
- Ausgepackt: Bernhard Bablok, “Ausgepackt”, RPG 11-12/2021, S. 8, https://www.raspi-geek.de/45856
- Python-Bibliothek für Grove: https://github.com/Seeed-Studio/grove.py








