Aus Raspberry Pi Geek 10/2021

Mit PiVPN ein Wireguard-VPN einrichten und verwalten (Seite 2)

Der Installationsassistent führt Schritt für Schritt durch die Konfiguration: Wie im Kasten “Voraussetzungen” beschrieben, trägt das Setup entweder eine statische IP-Adresse in das System ein oder belässt es bei DHCP (Abbildung 2). In diesem Fall müssten Sie in der Konfiguration des WLAN-Routers dafür sorgen, dass der PiVPN-RasPi immer dieselbe IP-Adresse erhält. Danach wählen Sie den Nutzer aus, unter dem die VPN-Konfiguration gespeichert wird – in aller Regel der Standardnutzer pi. Als Protokoll wählen Sie Wireguard und als Port 51820; danach spielt der Assistent alle nötigen Pakete ein.

Abbildung 2: Im Idealfall weisen Sie Ihren WLAN-Router an, dem PiVPN-RasPi immer dieselbe IP-Adresse zuzuteilen. Alternativ trägt das Setup von PiVPN eine statische IP in die Netzwerkkonfiguration ein.

Abbildung 2: Im Idealfall weisen Sie Ihren WLAN-Router an, dem PiVPN-RasPi immer dieselbe IP-Adresse zuzuteilen. Alternativ trägt das Setup von PiVPN eine statische IP in die Netzwerkkonfiguration ein.

Statische IP-Adressen

Anschließend ermittelt das Setup die öffentliche IP-Adresse und bietet an, sie in die Konfiguration zu übernehmen. Da sich die IP des Routers allerdings bei der Einwahl ins Internet jedes Mal ändert, sollten Sie die Option DNS Entry wählen und an dieser Stelle die zuvor eingerichtete und im Router konfigurierte DynDNS-Adresse eintragen (Abbildung 3). So ist Ihr VPN immer unter demselben sprechenden Domain-Namen zu erreichen, wie etwa zuhause.dyndns.org.

Abbildung 3: Da sich die externe IP-Adresse des Routers in der Regel bei jeder Einwahl ins Netz &auml;ndert, sollten Sie eine DynDNS-Adresse einrichten und als <span class="ui-element">DNS Entry</span> in die Konfiguration eintragen.

Abbildung 3: Da sich die externe IP-Adresse des Routers in der Regel bei jeder Einwahl ins Netz ändert, sollten Sie eine DynDNS-Adresse einrichten und als DNS Entry in die Konfiguration eintragen.

In den letzten Konfigurationsschritten ermittelt das Setup von PiVPN, ob auf dem System bereits ein Pi-hole-Adblocker läuft (siehe Kasten “Schwarzes Loch”) und erstellt die für die Verschlüsselung nötigen kryptografischen Schlüssel. Optional haben Sie noch die Wahl, Unattended Upgrades zu aktivieren, wodurch das System automatisch alle anstehenden Sicherheitsaktualisierungen einspielt. Die Funktion startet das System allerdings nicht automatisch neu, was etwa zum Aktivieren eines neuen Kernels notwendig wäre.

Schwarzes Loch

Um Anzeigen und Webtracker aus dem Datenstrom zu filtern, leitet Pi-hole Namensanfragen via DNS zu einer Vielzahl solcher Dienste über einen eigenen DNS-Server ins Leere um. Versucht eine Webseite dann zum Beispiel, Anzeigen oder Tracker von bekannten Werbedienstleistern wie Zanox-affiliate.de oder View4cash.de einzubinden, kommt nichts zurück. Das Einspielen von Pi-hole beschreibt ein Artikel aus RPG 10/2020 [16]. PiVPN erkennt während der Installation das Vorhandensein von Pi-hole und passt auf Wunsch automatisch die Netzwerkkonfiguration so an, dass via PiVPN eingewählte Geräte in den Genuss eines werbefreien Internet-Zugangs kommen.

Clients konfigurieren

Zur Konfiguration des VPN-Dienstes nutzen Sie nun das Programm pivpn. Ohne weitere Optionen aufgerufen, zeigt es eine Übersicht aller Schalter des Kommandos an. Mit der Eingabe von pivpn add legen Sie einen ersten Client an. Das Profil überträgt das Programm automatisch nach /home/pi/configs/. Von dort kopieren Sie es auf einen Rechner, der zukünftig über den PiVPN-Tunnel ins Netz gehen soll.

Eine Übersicht über alle bereits angelegten Clients erhalten Sie mit pivpn list. Eine Übersicht mit Statistiken zu den einzelnen Clients zeigt pivpn clients an (Abbildung 4). Bei Bedarf löschen Sie einen Client mit pivpn remove aus dem System oder schalten ihn mit pivpn off vorübergehend ab (und mit pivpn on wieder an). Eine Übersicht über alle Schalter und deren Kurzform zeigt die Tabelle “Optionen für PiVPN-Kommando”.

Abbildung 4: Die Konfiguration und Verwaltung der Zug&auml;nge erledigen Sie mit dem Kommando <code>pivpn</code>. Eine grafische Oberfl&auml;che zum Einrichten des Diensts gibt es bislang noch nicht.

Abbildung 4: Die Konfiguration und Verwaltung der Zugänge erledigen Sie mit dem Kommando pivpn. Eine grafische Oberfläche zum Einrichten des Diensts gibt es bislang noch nicht.

Schalter

Langform

Bemerkung

-a

add

Fügt einen neuen Client hinzu.

-c

clients

Listet die verbundenen Clients auf.

-l

list

Listet alle angelegten Clients auf.

-qr

qrcode

Zeigt QR-Code zur Konfiguration eines mobilen Clients an.

-r

remove

Löscht den Zugang eines Clients aus dem System.

-off

off

Deaktiviert vorübergehend einen Client.

-on

on

Aktiviert das Konto eines stillgelegten Clients wieder.

-u

uninstall

Löscht PiVPN vollständig aus dem System.

-up

update

Aktualisiert die PiVPN-Skripte ohne Verlust der Konfiguration.

-bk

backup

Sichert die VPN-Konfiguration und Clients in einem Backup.

Für den Zugang von Smartphones oder Tablets erstellen Sie mit pivpn qrcode einen QR-Code (Abbildung 5). Nutzer von Wireguard-Apps für Android oder iOS müssen den Code nur mit der Kamera des Smartphones einscannen, um eine Verbindung einzurichten. Die Eingabe von Server-Namen oder Passwörtern ist dabei dann nicht nötig. Arbeitet auf dem PiVPN gleichzeitig ein Pi-hole-Werbeblocker, kommen mobile Geräte auf diesem Weg auch unterwegs in den Genuss werbefreier Webseiten.

Abbildung 5: Zum Einrichten des Zugangs auf mobilen Ger&auml;ten erstellen Sie mit <code>pivpn qrcode</code> einen QR-Code, den Sie mit der entsprechenden Smartphone-App nur abfotografieren m&uuml;ssen.

Abbildung 5: Zum Einrichten des Zugangs auf mobilen Geräten erstellen Sie mit pivpn qrcode einen QR-Code, den Sie mit der entsprechenden Smartphone-App nur abfotografieren müssen.

Einwahl in das PiVPN

Nutzer eines PCs müssen die für ihren Client im Ordner /home/pi/configs/ abgelegte Datei mit der Endung .conf auf den entsprechenden Rechner kopieren und dann einen Wireguard-Client installieren. Die Homepage des Projekts verlinkt auf Programme für Linux, MacOS und Windows [12]. Die Clients für MacOS und Windows bringen eine grafische Oberfläche mit, über die sich die Konfiguration leicht importieren und die Verbindung zum VPN aufbauen lässt.

Der Linux-Kernel hingegen unterstützt Wireguard seit längerer Zeit direkt. Für den Verbindungsaufbau benötigt man lediglich das Paket wireguard-tools, das die meisten Distributionen allerdings nicht in der Standardkonfiguration mitführen. Um die Verbindung zu starten, rufen Sie mit wg-quick up /Pfad/zum/Client.conf die Konfigurationsdatei inklusive des vollständigen Pfads zum Speicherort auf.

Ob die VPN-Verbindung wie gewünscht funktioniert, testen Sie mit Webseiten wie etwa http://ifconfig.co (Listing 3). Die Seite zeigt unter anderem die IP-Adresse des genutzten Clients an. Rufen Sie sie einmal mit und einmal ohne PiVPN-Verbindung auf: Ohne VPN sollte die Seite im Feld ASN (organization) Ihren Mobilfunkanbieter ermitteln, bei aktiviertem VPN hingegen den von Ihnen zu Hause genutzten Festnetz- und Internet-Anbieter.

Listing 3

Wireguard unter Linux

$ curl ifconfig.co ### Internet-IP ohne VPN
46.114.###.###
$ sudo wg-quick up ~/Client.conf
[#] ip link add Client type wireguard
[#] wg setconf Client /dev/fd/63
[...]
[#] sysctl -q net.ipv4.conf.all.src_valid_mark=1
[#] iptables-restore -n
$ curl ifconfig.co ### Internet-IP mit VPN
93.236.###.###

Alternativ verwenden Sie für den Verbindungsaufbau den von vielen Distributionen und Desktop-Umgebungen genutzten NetworkManager, der Wireguard seit der Version 1.16 nativ implementiert. Die Unterstützung beschränkt sich allerdings aktuell noch auf die Kommandozeile (Listing 4). Für den Import der Konfigurationsdatei und den Verbindungsaufbau müssen Sie das Terminal bemühen. Einmal eingerichtet, initiiert der NetworkManager die VPN-Verbindung dann automatisch bei jedem Start des Systems.

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