
Abbildung 2: Ein SVG-Dokument in Inkscape mit den Orientierungspunkten und der Werkzeugbibliothek aus der Gcode-Erweiterung.
Als Nächstes legen Sie die Pfade für Gravur oder Schnitt an. Arbeiten Sie mit Objekten wie Rechtecken, Kreisen oder dem Texten, wandeln Sie diese anschließend in Pfade um (Pfad | Objekt in Pfad umwandeln). Beachten Sie dabei, dass die Konvertierung häufig keine geschlossenen Pfade produziert. Daher ist es oft notwendig, den Pfad danach zu bereinigen, also Knoten zu vereinigen und zu löschen.
Wollen Sie den entsprechenden Pfad gravieren, dann bedenken Sie, das True- und OpenType-Fonts sogenannte Outline-Schriften sind und deren Verwendung dementsprechend das Fräsen der Umrisse der einzelnen Buchstaben nach sich zieht. Möchten Sie also Script-Fonts fräsen, sollten Sie sich die Hersheyfonts-Erweiterung für Inkscape ansehen. Falls diese keinen passenden Font anbietet, hilft die Erweiterung Stroke-Fonts [3] beim Erstellen passender Zeichensätze. Für Schneidplotter spielt das aber weniger eine Rolle.
Jetzt bleibt nur noch übrig, den oder die Pfade in Gcode umzuwandeln. Öffnen Sie dazu den Menüpunkt Erweiterungen | Gcode-Werkzeuge | Pfade zu Gcode umwandeln. Haben Sie keine einzelnen Pfade ausgewählt, konvertiert das alle vorhandenen Pfade. Der Inhalt der Zeichenfläche mutet danach kryptisch an: Sie sehen nun bunte Linien und dunkelblaue Pfeile (Abbildung 3). Blau und Grün markieren Kurven, während Rot gerade Linien kennzeichnet.
Eigentlich wäre damit im Groben die Arbeit getan, aber es gibt noch ein paar Feinheiten. Zum einem wären da Anwendungen für das Füllen von Flächen. Bei Gravuren lassen sich beispielsweise durch Muster Farbunterschiede in Logos erzeugen: Je dichter das Muster, desto dunkler erscheint die Farbe im Vergleich zur ungefüllten Fläche.
Die entsprechenden Funktionen finden Sie unter Erweiterungen | Gcode-Werkzeuge | Fläche. Das erste Werkzeug Fläche füllt den ausgewählten Pfad mithilfe der Funktion Dynamischer Versatz (Abbildung 4). Allerdings funktioniert sie im Augenblick durch die Umstellung auf Inkscape-Version 1.0 nicht.
Wer öfter mit den Versatzfunktionen arbeitet, der weiß, dass diese mitunter Deformationen im Originalpfad verursachen. Dieser Fehler tritt auch hier auf, Sie müssen also die erzeugten Pfade hinterher säubern.
Das zweite Werkzeug Bereich füllen bietet zwei Möglichkeiten: Zickzack füllt den Pfad mit einer Schraffur aus Pfaden, deren Winkel und Abstand Sie festlegen. Als zweite Methode gibt es die Spirale, bei der Sie ebenfalls Winkel und Abstand bestimmen können; das Programm füllt den Pfad mit einer winkligen Spirale auf. Andere Arten von Füllungen müssen Sie selbst zeichnen, die Musterfüllungen von Inkscape bieten hier keine Hilfe.
Im Untermenü von Gcode-Werkzeug finden Sie den Punkt Pfad für Plasma- oder Laserschneider vorbereiten. Damit runden Sie die Ecken um einen angegebenen Radius ab, sodass ein Cutter in der Lage ist, den Bereich in einem Vorgang zu durchfahren. Allerdings ist auch diese Funktion derzeit defekt.
Fazit
Die Gcode-Werkzeuge versuchen quasi als eierlegende Wollmilchsau eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten und Maschinen abzudecken. Dadurch fällt die Funktion allerdings komplex aus. Die absolut unzureichende Dokumentation und die teilweise kryptische Oberfläche mit inkonsistenten Bezeichnungen erleichtern den Einstieg nicht gerade. Haben Sie allerdings das Prinzip erst einmal verstanden, sind Sie auf alle Möglichkeiten vorbereitet.
Gcode-Tools aller Art sind unter den Hobbymaschinisten seit jeher sehr beliebt, allerdings kommen immer mehr Neulinge in den Besitz derartiger Maschinen und suchen einen Einstieg. Gerade deshalb gibt es immer mehr neue Werkzeuge für diesen Bereich. Es bleibt zu hoffen, dass die Gcode-Tool-Entwickler anfangen, mehr auf die Qualität des Codes zu achten, statt laufend weitere Features hinzuzufügen. Es wäre dringend nötig, die Benutzeroberflächen zu überarbeiten.
An dieser Stelle sind aber auch die Inkscape-Entwickler in der Verantwortung: Sie sollten den Gcode-Entwicklern notfalls helfend unter die Arme greifen. Allerdings scheint es, als hätte die Entwicklergemeinde etwas die Lust an dem Projekt verloren: Es gab schon lange keine neue Version mehr. (agr)
Der Autor
Sirko Kemter benutzt Inkscape seit 2003, arbeitet die meiste Zeit damit und hat bereits ein Buch darüber veröffentlicht. Er sucht gern nach Wegen, um mit seiner Lieblingssoftware neue Dinge zu kreieren.
Infos
- Svg2gcode: https://github.com/sameer/svg2gcode
- Dxf2gcode: https://sourceforge.net/projects/dxf2gcode/
- Stroke-Fonts-Extension: https://inkscape.org/de/~khemadeva/%E2%98%85inkscape-stroke-font-extensions
- GcodePlot: https://inkscape.org/~arpruss/%E2%98%85gcodeplot
- Unicorn-Plugin: http://makerbot.wikidot.com/unicorn-output-for-inkscape
- JTech Photonics: https://jtechphotonics.com/?page_id=2012
- Endurance Lasers: https://endurancelasers.com/endurance-line-shading-extension-for-inkscape/
- Scorchworks-Erweiterung: https://www.scorchworks.com/LaserDRW_extension/laserdrw_extension.html







