
Abbildung 1: Eine 60-Prozent-Tastatur mit nicht exakt passendem, aber angeblich GH60-kompatiblem Holzgehäuse.
Besonders hervorzuheben ist an dieser Stelle aber ein anderer Tastaturcontroller von Hasu, den TMK ebenfalls unterstützt, nämlich der USB2USB-Converter [16]. Dieser USB-Stecker, den Sie zwischen Tastatur und PC stöpseln, macht beinahe jede USB-Tastatur programmierbar. Auch bei ihm liegen alle Details der Hard- und Software offen. Im Sortiment hat ihn beispielsweise 1UP Keyboards aus den USA [17].
Um das Erstellen eines individuellen Tastaturlayouts zu erleichtern, bietet TMK einen webbasierten Keymap-Editor an [18]. Der lässt sich zwar auch via Webbrowser per HTTPS erreichen, bindet aber JQuery nur per HTTP ein und funktioniert damit nur per HTTP. Mit einem Klick auf die jeweilige Taste ändern Sie deren Beschriftung und Funktion ganz nach Belieben (Abbildung 2).
QMK
QMK [19] – das Q steht für Quantum und MK für Mechanical Keyboards – ist die vermutlich am weitesten verbreitete freie Tastatur-Firmware und ein Fork von TMK. Auch wenn TMK nach wie vor weiterentwickelt wird, steht hinter dem Projekt primär eine Person, was durchaus einschränkt, wie viele verschiedene Tastaturen unterstützt werden.
QMK scheint da offener in Bezug auf Beiträge der Community zu sein. Zwar entstand auch diese Firmware, um bestimmte Hardware zu unterstützen, in diesem Fall die ortholineare Tastatur Planck [20] des US-Amerikaners Jack Humbert. Mit Planck (ebenfalls Open Hardware) und der Webseite http://olkb.com legte Jack Humbert 2014 den Grundstein für alle modernen ortholinearen Tastaturen. Der Subreddit /r/olkb ist noch heute das offizielle Forum für QMK [21].
So gibt es jetzt eine Handvoll Tastaturen, die QMK ganz offiziell unterstützt. Ähnlich wie beim Linux-Kernel darf jeder beitragen, und es gibt über 1500 unterstützte Tastaturen [22], gepflegt von einer Community. Dabei gibt es zu jeder Tastatur eine Person, die sich speziell um diese kümmert, ähnlich wie bei den verschiedenen Treibern und Untersystemen des Kernels.
Neben der großen Anzahl an unterstützten Tastaturen, Controllern und Bootloadern bietet QMK viele weitere Funktionen, wie etwa Unterstützung für RGB-LEDs (unter jeder Taste wie auch als Beleuchtung des Unterbodens) oder OLED-Displays für Statusanzeigen sowie Soundausgaben (zum Beispiel ein Piepton, wenn Sie eine Einstellung ändern). Auch für die Mehrfachbelegung einzelner Tasten erlaubt QMK mehr Einstellungsmöglichkeiten, obwohl TMK hier auch schon einiges bietet.
Bei einer typischen Mehrfachbelegung sendet eine Taste beim kurzen Antippen wie gewohnt ein Zeichen oder einen Buchstaben. Halten Sie die Taste aber gedrückt, sendet sie entweder eine Modifikationstaste ([Umschalt]+[Strg]+[Alt]), ein anderes Zeichen oder wechselt auf eine andere Layoutebene. Auf diese Weise tippen Sie auch mit deutlich weniger als 105 Tasten sämtliche Zeichen einer ausgewachsenen Full-Size-Tastatur. Abbildung 3 zeigt die Tastaturbelegung der Alpha28-Tastatur des Autors.

Abbildung 3: Eine Tastenbelegung auf fünf Ebenen für die Tastatur Alpha28. Nach unten zeigende Dreiecke verweisen auf die Belegung der tiefer liegenden Ebene. Tasten, deren Beschriftung _T oder LT enthält, haben unterschiedliche Funktionen, je nachdem ob man sie nur antippt oder gedrückt hält. Erstellt wurde die Belegung mit der Druckfunktion des QMK-Online-Konfigurators.
QMK bietet ebenfalls einen Online-Konfigurator für Tastaturlayouts an [23]. Auch hier toppt QMK das Vorbild TMK sowohl in Sachen Features als auch beim Komfort, unter anderem aufgrund einer deutschsprachigen Lokalisierung. So ändern Sie etwa die Tastenbelegung nicht nur durch Anklicken, sondern auch per Drag & Drop. Das erleichtert die Konfiguration, wenn es zum Beispiel um das Austauschen der Funktion zweier Tasten geht (Abbildung 4).
Zudem sind die verfügbaren Tasten wie auf einer Standardtastatur angeordnet, sodass Sie die passenden Funktionen schneller finden. Obendrein können Sie, etwa zum Veranschaulichen des Layouts, die Farbkombinationen vieler in der Mechaniktastaturszene beliebten Tastenkappensets verwenden. Auch Mehrfachbelegungen lassen sich im QMK Configurator wesentlich einfacher einrichten: Sie erscheinen im Konfigurator als kleine Taste in der Taste und lassen sich ebenfalls per Drag & Drop zuweisen.
Und am Ende bekommen Sie nicht nur die fertige Firmware als HEX-Datei, sondern auch noch das reine Layout als JSON sowie den kompletten Quelltext der Firmware als ZIP-Datei. Daneben können Sie sich noch das konfigurierte Layout aller Ebenen gleichzeitig anzeigen und ausdrucken lassen. Mittlerweile entwickelt das QMK-Projekt eigene Open Hardware, den Proton-C-Mikrocontroller.
KMK
Die recht junge Firmware KMK [24] ist in Adafruits CircuitPython [25] geschrieben und wird auch damit konfiguriert. Im Gegensatz zu QMK und TMK läuft KMK auch auf dem erst kürzlich erschienenen Raspberry Pi Pico beziehungsweise dessen RP2040-Mikrocontroller.
Obwohl der Raspberry Pi Pico und der RP2040 erst vor wenigen Monaten erschienen, gibt es bereits erste Tastaturen, die darauf aufbauen und KMK als Firmware benutzen. Dazu zählt etwa das ortholineare, 3 x 10 Tasten große PiPi Gherkin [26] von http://40percent.club [27]. PiPi steht für Pi Pico und nicht etwa für das, was man im deutschsprachigen Raum meist damit assoziiert. Das Keyboard stammt von der sehr beliebten 30-Prozent-Tastatur [28] Gherkin ab, ebenfalls Open Hardware von http://40percent.club.
Eine weitere Tastatur mit einem Raspberry Pi Pico und KMK ist die TKL-Tastatur Env-KB [29][30] von Envious/Adam. Auf dieses Keyboard gehen wir später noch gesondert ein.
Einzelne Anbieter von Nischentastaturen haben ebenfalls freie Firmwares [31] für ihre Keyboards geschrieben, so etwa Keyboardio [32] und ZSA Technologies [33]. Letztere, früher bekannt als Ergodox EZ, haben in Go ein eigenes Open-Source-Tool [34] geschrieben, um QMK auf ihre Tastaturen zu flashen.







