Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

Neue Flash-Software für Microchips PIC-Prozessoren (Seite 2)

Der Aufruf in Abbildung 3 mag auf den ersten Blick kryptisch erscheinen, hat aber seine interne Logik. So schaltet die Option -w am Anfang die Stromversorgung für den Chip an. Anschließend wird der Chip definiert, dann folgen Aktionen. So fragt das Beispiel per -i -gc die Chipinfo und die Konfigurationsbits ab.

Die Linux- und Pi-OS-Versionen des Programms gibt es im Gegensatz zur Windows-Variante nur für die Kommandozeile. Das ist nur auf den ersten Blick eine Einschränkung, denn unter Linux erfolgt die Software-Entwicklung fast immer mittels Makefiles. Der Befehl für das Flashen landet dann dort, und als Anwender tippen Sie dann einfach make flash statt eines länglichen Befehls.

Dank der üblicherweise guten Integration von modernen Editoren und Make-Utilities gelingt das sogar direkt aus dem Editor heraus. Abbildung 4 zeigt, wie der Autor das für VSCode implementiert hat: Der Aufruf von build beziehungsweise flash erfolgt über die beiden Aktionsschalter in der Statusleiste.

Abbildung 4: PICKitPlus integriert sich bei Bedarf nahtlos in Entwicklungsumgebungen.

Abbildung 4: PICKitPlus integriert sich bei Bedarf nahtlos in Entwicklungsumgebungen.

Auch wenn der Hersteller PICKitPlus für Linux und später den RasPi extra neu entwickelt hat (in Lisp), kann es seine Herkunft aus der Windows-Welt nicht leugnen. Linux-Anwender sind es gewohnt, dass die Reihenfolge der Optionen bei einem Programmaufruf keine Rolle spielt – das gilt hier nicht. Die Schreiboption für Programm und Konfigurationsbits (-mpc) muss zum Beispiel zwingend nach der Angabe der Datei (-f Datei.hex) stehen.

Spezielle Tricks

Die Angabe der Chip-Familie statt des Chips zur Identifikation kam bereits zur Sprache. Da sich der Aufdruck auf den Chips oft nur einer Lupe ausmachen lässt, erleichtert das die Handhabung. Wer seinen Code für mehrere Chips implementiert, kann ihn über dieses Feature auch dynamisch anpassen.

Zu den weiteren nützlichen Feature zählt das Remote-Flashing. Beim Autor steht der Workstation-PC nicht direkt am Elektronikarbeitsplatz. Statt die Mikrocontroller immer wieder hin und her zu tragen, hängt jetzt der PICKit 2 an einem RasPi und wird via LAN mit der Hex-Datei versorgt (Listing 2). Das funktioniert, da man das Flash-Programm per SSH starten kann.

Listing 2

Remote-Flashing

### Variante 1:
$ ssh User@pi "pkcmd-pi -w --family 0 -f - -mpc" < firmware.hex
### Variante 2:
$ cat firmware.hex | ssh User@pi "pkcmd-pi -w --family 0 -f - -mpc"

Der Dateiname - aus der Option -f - verweist dabei Linux-üblich auf die Standardeingabe. Diese ist wiederum mit der Standardausgabe des Ssh-Kommandos verbunden, was in diesem Beispiel nicht viel anders wirkt als der Cat-Befehl. Die zweite Variante macht genau dasselbe; zwar wirkt die Syntax des Aufrufs etwas komplexer, dafür lässt sich die Ausgabe besser lesen.

Fazit

Weitere Funktionen befinden sich in Entwicklung oder wurden kürzlich erst veröffentlicht, wie etwa ein Turbomodus, der das Schreiben in gewissen Situation um 90 Prozent verkürzt.

Insbesondere der Raspberry Pi 4 mausert sich mit PICKitPlus zu einem vollwertigen Elektronikarbeitsplatz: Mit KiCad entwerfen Sie Schaltungen und Platinen [7], ein Oszilloskop funktioniert mit minimalen Aufwand [8], Editoren und Make-Utilities liefert Pi OS frei Haus. Da kommt PICKitPlus als Programmer-Software mit gutem Support für die Chips eines der großen Hersteller gerade recht. (cla)

Der Autor

Bernhard Bablok arbeitet bei der Allianz Technology SE als SAP-HR-Entwickler. Wenn er nicht Musik hört oder mit dem Rad respektive zu Fuß unterwegs ist, beschäftigt er sich mit Themen rund um Linux, Programmierung und Kleincomputer. Sie erreichen ihn unter mailto:[email protected].

Infos

  1. MPLAB-X-IDE: https://www.microchip.com/en-us/development-tools-tools-and-software/mplab-x-ide
  2. PIC-Toolchain: Bernhard Bablok, Lothar Hiller, “Aus einer Hand”, RPG 04/2019, S. 78, https://www.raspi-geek.de/42092
  3. Quellcode von Pk2cmd: https://github.com/psmay/pk2cmd
  4. PICKitPlus für den RasPi: https://pickitplus.co.uk/Typesetter/index.php/PKCMD-Pi-Application
  5. PICKitPlus-Datenbank mit Chipkonfiguration: https://github.com/Anobium/PICKitPlus
  6. App-Images: https://appimage.org/
  7. KiCad: Peter Kreußel, “Planvoll verdrahtet”, RPG 02/2019, S. 24, https://www.raspi-geek.de/41933
  8. Hantek 6022BE: Bernhard Bablok, “Einfach messen”, RPG 02/2021, S. 62, https://www.raspi-geek.de/45299
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