Aus Raspberry Pi Geek 06/2021

Embedded World 2021 mit rein digitalem Messeauftritt

© Andrejs Pidjass / 123RF.com

Neuland

Martin Mohr

Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Embedded World dieses Jahr das erste Mal rein virtuell statt. Unser Autor Martin Mohr hat sie besucht. Sein Eindruck: durchwachsen.

In Zeiten einer weltweiten Pandemie versteht es sich von selbst, dass keine Großveranstaltungen vor Ort stattfinden. Daher war der Besuch auf der Embedded World vom 1. bis 5. März dieses Jahr nur rein digital möglich; in den Vorjahren fand die Messe traditionell auf dem Messegelände in Nürnberg statt.

Das Spektrum der größten Messe für Embedded-Systeme erstreckte sich von einfachen elektronischen Bauelementen bis hin zu kompletten Systemen und Dienstleistungen. Parallel bestand die Möglichkeit, viele Fachvorträge zu besuchen. Etwa 300 Aussteller zeigten ihre Produkte; im Jahr vor der Pandemie (2019) waren es noch 1117 Aussteller aus 42 Ländern, 2020 sank die Zahl bereits auf 900. Ähnlich verhielt es sich mit den Besuchern (2019 *31 000, 2020 *13 800), wobei für 2021 noch keine Angabe vorliegt.

Vorfreude

Obwohl die Embedded World dieses Jahr nur virtuell stattfand, war eine gewisse positive Anspannung nicht zu leugnen. Welche neuen Produkte präsentieren die Hersteller wohl? Wie fühlt sich eine digitale Messe an? Wie kommt man mit den Anbietern ins Gespräch?

Die Planung des Messebesuchs gestaltete sich aus mehreren Gründen viel aufwendiger als in den Vorjahren. Weder ließ sich einschätzen, wie gut die virtuellen Messestände besetzt sein würden, noch gab es die Möglichkeit, sich mit einem Spaziergang vorab einen groben Überblick zu verschaffen.

Talque

Als Plattform für die Messe kam das Tool Talque zum Einsatz (Abbildung 1), das auf den ersten Blick einen aufgeräumten Eindruck macht, allerdings bei genauerem Hinsehen einige Schwächen aufweist. Beim Suchen setzt es die Filterkriterien zurück, sobald man sich die Details zu einem Unternehmen angesehen hat – umso ärgerlicher, da sich an vielen Stellen keine Tabs öffnen lassen.

Abbildung 1: Die Managementplattform Talque erwies sich an vielen Stellen als nicht ausgereift.

Abbildung 1: Die Managementplattform Talque erwies sich an vielen Stellen als nicht ausgereift.

Auch ein Copy & Paste aus der Plattform heraus unterbindet die Software so gut wie überall. Das wirkt sich besonders hinderlich aus, da Talque nicht gestattet, die präsentierten Informationen in irgendeiner Art zu verwalten. Es zwingt den Besucher, ein externes Sheet zu pflegen, um den Überblick über die Kontakte nicht zu verlieren.

Beim Onboarding fragt die Plattform zwar sehr detailliert die Interessen des Besuchers ab, nutzt diese Informationen aber nicht, um Vorschläge für passende Vorträge oder Aussteller zu machen. Eigentümlich erscheint auch, dass scheinbar jeder Aussteller ein eigenes Videokonferenz-Tool mitbringt. Das erzeugt einen unstrukturierten Eindruck und sorgt außerdem immer wieder für technische Probleme.

Offensichtlich wiesen die Veranstalter auch die Aussteller nicht gut genug in die Verwendung von Talque ein. Bei einigen klappte das Weiterleiten an eine andere Kontaktperson problemlos; andere behaupteten, sie könnten das nicht und man müsse selbst versuchen, die entsprechende Person zu finden. Es versteht sich von selbst, dass ein Besucher sich dann einfach virtuell umdreht und sich einem anderen Aussteller zuwendet.

Ein weiterer Punkt, an dem die Aussteller noch arbeiten müssen, besteht in der Verfügbarkeit. Wenn der virtuelle Messestand Personen als Kontakte listet, sollten sie auch innerhalb einer gewissen Zeit auf Anfragen per Chat reagieren. Bei über der Hälfte der angesprochenen Personen war das nicht der Fall, sie reagierten überhaupt nicht.

Ein besonderes Highlight von Talque stellt die Funktion dar, für jeden einzelnen gesendeten Chat ein E-Mail-Protokoll zu versenden. Entsprechend war es nur eine Frage der Zeit, bis die E-Mail-Server platzten. Die virtuellen Messebesucher nervte dieses Feature schon nach kurzer Zeit.

WIZnet

Viele Bastler verwenden die Hardware TCP/IP Stack von WIZnet schon lange als einen festen Bestandteil in ihren Projekten. Beim W5500 handelt es sich um einen reinen IPv4-Hardware-Stack, der Dual-Stack-Chip W6100 unterstützt sowohl IPv4 als auch IPv6. Die Produkte bietet WIZnet im deutschen E-Store [1] an.

Mittlerweile produzierte WIZnet über 10 Millionen dieser Netzwerkprozessoren. Zukünftig entwickelt sich das Unternehmen in Richtung eines IoT-Cloud-Anbieters. Falls Sie mehr über die Bausteine von WIZnet erfahren möchten, besuchen Sie deren Webseite [2].

Trande UG

Das Startup-Unternehmen Trande UG bietet seinen Kunden ein System zum Realtime-Debugging von ARM-Cortex-A- und ARM-Cortex-M-Mikrocontrollern an. Die Lösung basiert auf dem Unix-Standard-Debugger Gdb, den sie so erweitert, dass er die Realtime-Hardware-Traces der ARM-CPUs offline verarbeitet. Für die ARM-Cortex-A-Familie kostet der Einsatz nichts.

Für die ARM-Cortex-M-Familie bietet der Hersteller eine erheblich preisgünstigere Lösung an als die Konkurrenz. Interessierten Besucher, die auch Fragen stellen durften, zeigte der Anbieter per Video eine Livedemonstration des Tools. Sollte das Debugging von ARM-Kernen zu Ihren Themen gehören, schauen Sie doch einmal auf der Webseite von Trande [3] vorbei.

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 5 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
RASPBERRY PI GEEK KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Raspberry Pi Geek bei Google Play Readly Logo
Nach oben