Viele Overlays betreffen spezielle Hardware wie Soundkarten oder Displays. Entweder passt das dazugehörige Installationsskript die config.txt selbstständig an, oder die Anleitung erwähnt zumindest die notwendigen manuellen Schritte.
Unabhängig von solchen speziellen Overlays gibt es aber auch eine Reihe eher generischer Erweiterungen, die sich für den allgemeinen Gebrauch als nützlich erweisen. Einige davon lernen Sie in den nächsten Abschnitten kennen. Explizit ausgespart sind alle Einstellungen, die HDMI- und sonstige Videoeinstellungen betreffen, denn die dafür notwendigen Anpassungen finden Sie üblicherweise in den Einsteiger-Tutorien.
Was die Konfiguration des RasPi betrifft [2], pflegt die Foundation dafür eine ausführliche englischsprachige Dokumentation. Auf dem Rechner selbst finden Sie in der Datei /boot/overlays/README eine Dokumentation der Device-Tree-Parameter sowie der verfügbaren Overlays. Diese übernahm das Dokumentationsteam bei generischen Overlays aus der Linux-Kernel-Dokumentation, in einzelnen Fällen spielt also der ein oder andere Parameter für den RasPi keine Rolle.
Overlay-Parameter
Abhängig vom Typ arbeiten Overlays sowohl mit Parameter als auch ohne. Bei der Namensgebung kocht jeder Entwickler sein eigenes Süppchen. So erlaubt zum Beispiel der Parameter gpio_pin des bereits erwähnten Overlays gpio-shutdown, den verwendeten Pin (Vorgabe: GPIO3) zu ändern. Benötigen Sie GPIO3 beispielsweise für Hardware-I2C, legen Sie mit der ersten Zeile aus Listing 1 den Shutdown-Button auf GPIO21 (Pin 40 am Ende der Pin-Leiste).
Listing 1
dtoverlay=gpio-shutdown,gpio_pin=21,gpio_pull=up dtoverlay=gpio-poweroff,gpiopin=17
Über diesen Pin funktioniert jedoch das Anschalten nicht – das klappt nur über GPIO3 oder alternativ über den nicht bestückten RUN-Pin (Abbildung 3).

Abbildung 3: Verwenden Sie GPIO3 anderweitig, lässt sich der RasPi auch über den unbestückten RUN-Pin (rechts, mittig) wieder anschalten.
Wer externe Geräte am RasPi betreibt, muss diese eventuell über einen Shutdown informieren. Das erledigt der Kleinrechner mit der entsprechenden Anpassung aus der zweiten Zeile von Listing 1 eigenständig.
Bei diesem Overlay heißt der Parameter gpiopin statt gpio_pin. Mit diesem Overlay schaltet GPIO17 nach dem Herunterfahren auf High. Mit diesem Signal lassen sich Verbraucher abschalten. Bei einem Reboot ändert sich der Pin-Level nicht.
Ein typischer Anwendungsfall wären beispielsweise Mini-USVs, die dann nach dem Shutdown den Strom komplett kappen. Die Verwendung dieses Overlays schaltet übrigens die Startfunktion von GPIO3 aus, womit der RasPi dann im heruntergefahrenen Zustand noch etwas mehr Strom verbraucht als sonst.
Filter
Wer mehrere RasPis betreibt, der kennt das Problem: Die Micro-SD-Karte des einen Mini-Rechners lässt sich wegen der recht speziellen Einstellungen nicht mit dem anderen nutzen. Wenn der Kleinstrechner beispielsweise mal am Monitor hängt und mal am Fernseher, dann beißen sich die HDMI-Einstellungen. Für diese Probleme bieten sogenannte Filter in der config.txt die passende Lösung.
Ein Filter besteht lediglich aus der einer Zeile, beispielsweise [all] oder [none]. Er gilt ab seiner Position entweder bis Zeilenende oder bis ihn ein anderer Filter aufhebt. Der [all]-Filter hebt dabei alle vorhergehenden auf. [none] blendet dagegen alle Folgezeilen bis zum nächsten Filter aus und dient als schnelle Alternative zum Auskommentieren von Zeilen.
Die config.txt unterstützt diverse Filtertypen. Wahrscheinlich begegneten Ihnen schon Modell-Filter wie [pi4]. Die Zeilen danach betreffen nur das angegebene Modell – mit zwei Ausnahmen: Zeilen nach dem Filter [pi0] gelten auch für den Pi Zero W, und Zeilen nach dem Filter [pi3] beeinflussen auch die RasPi-3+-Modelle. Umgekehrt gilt das nicht: So gibt es mit [pi0w] beziehungsweise [pi3+] auch speziellere Filter.
Noch spezieller als mit Modell-Filtern verhält es sich mit Seriennummer-Filtern, etwa [0xef61208d]. Die Seriennummer Ihres RasPi ermitteln Sie mit dem Befehl cat /proc/cpuinfo.
Das Problem mit wechselnden Monitoren bekommen Sie dagegen mit dem Filter [EDID=Name] in den Griff. Den passenden Namen des fraglichen Monitors oder Fernsehers gibt dabei das Kommando tvservice -n aus (Abbildung 4). Es funktioniert allerdings nicht beim Anschließen eines Monitors im laufenden Betrieb: Damit der RasPi zur Boot-Zeit den Monitor abfragen kann, muss der eingeschaltet am Mini-Rechner hängen.





