Aus Raspberry Pi Geek 10/2020

Odroid C4 und Raspberry Pi 4 im Vergleich

© Computec Media GmbH

Doppeltes Lottchen

Christoph Langner

Mit dem Odroid C4 versucht sich der südkoreanische Hersteller Hardkernel an einer Alternative zum Raspberry Pi 4. Im Vergleich der beiden populären SBCs zeigen sich deren Stärken und Schwächen.

Neben der Raspberry-Pi-Foundation hat sich das südkoreanische Unternehmen Hardkernel als Hersteller für Single-Board-Computer etabliert. Mit den Odroid-Modellen offeriert Hardkernel schon seit Jahren eine ernsthafte Alternative zu den unterschiedlichen Raspberry-Pi-Varianten. Oft übertrafen die Odroids in Sachen Rechengeschwindigkeit und Ausstattung die RasPis der vergleichbaren Generation.

Mit dem Odroid C4 [1] stellt Hardkernel nun sein Gegenstück zum Raspberry Pi 4 vor: Beide SBCs arbeiten mit einer Quad-Core-CPU, besitzen 4 GByte Arbeitsspeicher (je nach Ausführung des RasPi 4 auch bis zu 8 GByte) sowie Gigabit-Ethernet und USB-3.0-Anschlüsse.

Der Core des Odroid C4 ist etwa zwei Jahre jünger als der Broadcom BCM2711 des RasPi 4. Er verfügt über vier mit 2,0 GHz getaktete Cortex-A55-CPUs (siehe Tabelle “Technische Details”). Die Grafikausgabe übernimmt eine GPU des Typs Mali-G31 mit 650 MHz Taktrate. Für Massenspeicher bietet der Odroid eine schnelle eMMC-Schnittstelle, vier USB-3.0-Ports sowie eine Buchse für eine MicroSD-Speicherkarte auf der Unterseite der Platine (Abbildung 1).

Abbildung 1: Auf der Rückseite finden sowohl das eMMC-Modul und eine Micro-SD-Speicherkarte ihren Platz.

Abbildung 1: Auf der Rückseite finden sowohl das eMMC-Modul und eine Micro-SD-Speicherkarte ihren Platz.

Anders als der RasPi 4 verzichtet der Odroid C4 auf ein Funkmodul für WLAN und Bluetooth, er kommt also nur per Ethernet ins Netz. Auch fehlt ihm eine Buchse für 3,5mm-Audiostecker zum Anschluss von Boxen. Das Audiosignal lässt sich jedoch über den zusätzlichen 7-Pin-GPIO ausleiten. Strom bezieht der Odroid C4 nicht über einen USB-Anschluss, sondern über einen Rundstecker. Eventuell benötigen Sie zum Betrieb daher ein zusätzliches Netzteil.

Raspberry Pi 4

Odroid C4

SoC

Broadcom BCM2711

Amlogic S905X3

CPU

4 x ARM Cortex-A72 (1,5 GHz)

4 x ARM Cortex-A55 (2,0 GHz)

GPU

VideoCore VI (500 MHz)

Mali-G31 (650 MHz)

RAM

1 bis 8 GByte LPDDR4

4 GByte LPDDR4

USB

2 x USB 2.0, 2 x USB 3.0

4 x USB 3.0, 1 x Micro-USB 2.0 (OTG)

GPIO

40 Pins

40 Pins, 7 Pins

Ethernet

1 x RJ45 (10/100/1000 Mbit/s)

1 x RJ45 (10/100/1000 Mbit/s)

WLAN

802.11b/g/n/ac

nicht vorhanden

Bluetooth

5.0 LE

nicht vorhanden

Monitor

2 x Micro-HDMI

1 x HDMI 2.0

Audio

3,5mm-Klinkenbuchse

nicht vorhanden

Sonstiges

CSI- und DSI-Schnittstellen

IR-Empfänger, eMMC-Sockel

Preis

56,34 Euro

77,50 Euro

Installation

Als Betriebssystem bietet Hardkernel für den Odroid C4 ein Ubuntu 20.04 mit Mate-Desktop sowie ein Minimal-Image auf Basis von Ubuntu (zu Redaktionsschluss noch nicht verfügbar) an. Die Installation auf einer Speicherkarte gleicht der von Raspberry Pi OS: Image herunterladen, mit einem Tool wie BalenaEtcher auf eine SD-Karte oder das eMMC-Modul schreiben und den Rechner vom Datenträger booten.

Als weitere Option gibt es für den Odroid C4 ein Android-Image auf Basis von Android 9 (“Pie”), das jedoch auf das Google-Framework verzichtet (Abbildung 2). Es fehlen daher die klassischen Google-Anwendungen wie Chrome oder Gmail. Ebenso bleibt der Play Store außen vor, sodass man für die Installation weiterer Apps auf unabhängige App-Stores wie F-Droid oder heruntergeladene APK-Dateien zurückgreifen müsste.

Abbildung 2: Mit Android 9.0 bietet Hardkernel eine Alternative zu den beim RasPi üblichen Linux-Systemen.

Abbildung 2: Mit Android 9.0 bietet Hardkernel eine Alternative zu den beim RasPi üblichen Linux-Systemen.

Der Mate-Desktop des Ubuntu-Systems fällt gegenüber dem Pendant auf einem klassischen PC-System nicht aus der Reihe (Abbildung 3). Der vorinstallierte Benutzer nennt sich odroid, das Passwort entspricht dem Benutzernamen. Das System spricht nach der Installation lediglich Englisch. Über Menu | Language Support und Install/Remove Languages… lässt sich eine deutsche Lokalisierung allerdings mit wenigen Klicks nachinstallieren.

Abbildung 3: Der Mate-Desktop des Ubuntu-Systems für den Odroid C4 gleicht dem auf einem herkömmlichen PC.

Abbildung 3: Der Mate-Desktop des Ubuntu-Systems für den Odroid C4 gleicht dem auf einem herkömmlichen PC.

Das Arbeiten auf dem Desktop fühlt subjektiv betrachtet ein kleines bisschen flüssiger an als beim RasPi 4: Fenster gleiten beim Verschieben ohne Ruckeln oder Stocken über den Bildschirm. Das Betriebssystem lastet den 4 GByte großen Arbeitsspeicher des Odroid C4 mit rund 710 MByte aus.

Ein über die Paketverwaltung nachinstallierter Ubuntu-Desktop (auf Basis von Gnome 3.20) nimmt mit in etwa 1,3 GByte wesentlich mehr Platz im RAM ein. Auf dem Datenträger benötigt das Ubuntu-System direkt nach der Einspielen des Betriebssystems und der deutschen Sprachpakete 6,5 GByte Raum. Bei Installation des Systems auf einem 8 GByte großen eMMC-Modul bleibt daher nur wenig Platz für Daten.

Inoffizielle OS

Wie beim RasPi gibt es auch rund um den Odroid eine aktive Community, die Betriebssystem-Images für die Hardkernel-Rechner pflegt. Für den Odroid C4 gibt daher neben dem offiziellen Ubuntu auch Images mit Debian, Manjaro, Arch Linux, CoreELEC und Volumio [5].

Benchmarks

Auf dem Papier ist der Odroid C4 dem Raspberry Pi 4 überlegen: Jeweils vier mit 2 GHz getaktete Kerne stehen vier RasPi-Cores mit lediglich 1,5 GHz Takt.

Unsere via Hardinfo [3] gemessenen Benchmarks zeigen allerdings ein anderes Bild: Der Raspberry Pi 4 ist dem Odroid C4 in so gut wie allen CPU-lastigen Tests überlegen (siehe Tabelle “CPU-/FPU-Benchmarks”). Der Unterschied wird besonders dann deutlich, wenn man auf die aktuelle Beta der 64-Bit-Version von Raspberry Pi OS zurückgreift. Sie beschleunigt den RasPi gegenüber der 32-Bit-Raspbian um gut 10 Prozent, manche Benchmarks laufen sogar in der halben Zeit durch.

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