PiCockpit ist eine speziell auf den RasPi zugeschnittene Online-Monitoring-Lösung. Wir werfen einen ersten Blick auf den brandneuen und in Ausbau befindlichen kostenlosen Dienst.
In Rechenzentren stapeln sich Rechner über Rechner in klimatisierten Server-Schränken. Große Einrichtungen betreiben in einer Installation schnell ein paar Tausend Server. Ein wichtiger Bestandteil solcher Rechnerparks ist das Monitoring, also die Überwachung wichtiger Systemparameter. So melden sich Systeme automatisch, wenn der Speicher knapp wird, Festplatten auszufallen drohen oder Dienste nicht starten. Administratoren wäre es ohne eine Monitoring-Lösung unmöglich, den Überblick zu behalten.
Die meisten Anwender betreiben in den eigenen vier Wänden zwar keinen Rechnerpark, doch der günstige und stromsparende Raspberry Pi hat zur Folge, dass die Anzahl an Rechnern im Haus wesentlich zunimmt. Ob Mediacenter, Smart-Home-Lösung oder Überwachungskamera: Der RasPi lässt sich schon aufgrund seiner unterschiedlichen Bauformen in vielen Szenarien sinnvoll einsetzen. Um den Überblick über die im Haus installierten Mini-Rechner zu behalten, empfiehlt sich der kostenlose Dienst PiCockpit [1].
RasPi-Monitoring
PiCockpit bietet ein auf den Raspberry Pi zugeschnittenes Monitoring im Rahmen einer übersichtlichen Webseite. Das für die Überwachung nötige Client-Programm gibt es für das aktuelle Raspbian, das Paket müsste sich allerdings auch für andere Distributionen auf Basis von Raspbian “Stretch” eignen. Unter Raspbian erfolgt die Installation mit den Kommandos aus Listing 1. Sie fügen dem System eine neue Paketquelle hinzu, aus der Sie dann den PiCockpit-Client installieren und später auch aktualisieren.
Listing 1
$ curl -L http://repository.picockpit.com/picockpit.public.key | sudo apt-key add - $ echo "deb http://repository.picockpit.com/raspbian stretch main" | sudo tee -a /etc/apt/sources.list.d/picockpit.list $ sudo apt update $ sudo apt install picockpit-client
Nach diesem ersten Schritt registrieren Sie sich auf PiCockpit.com mit einem Login und einer E-Mail-Adresse und melden sich dann unter Login an. Der PiCockpit-Client authentifiziert sich gegenüber dem Dienst über einen individuellen API-Schlüssel statt über eine Login/Passwort-Kombination. Um einen RasPi nun in PiCockpit zu integrieren, klicken Sie rechts oben auf Ihren Namen und darunter auf Profile & Settings. In den Einstellungen öffnen Sie dann den Reiter API Keys.
Über den Knopf Add API Key erstellen Sie einen neuen Schlüssel. Das System fragt dazu einmalig das Login-Passwort ab. Nach einem Klick auf Create API Key zeigt PiCockpit den Zugangsschlüssel auf dem Bildschirm an. Achten Sie darauf, das Fenster mit dem in der grünen Box gezeigten Schlüssel nicht sofort zu schließen, denn der Schlüssel lässt sich nicht wiederherstellen (Abbildung 1). Für einen besseren Überblick über die von PiCockpit betreuten RasPis klicken Sie unten in der Liste auf den Namen New API Key des neuen Schlüssels und geben dem Key einen sprechenden Namen.

Abbildung 1: Die Authentifizierung des Raspberry-Systems bei PiCockpit erfolgt über jeweils individuelle API-Schlüssel.
PiCockpit unter Raspbian
Mit dieser Information loggen Sie sich nun lokal oder via SSH auf dem Raspbian-System ein und führen den ersten Befehl aus Listing 2 aus. Erläuterungen zum Kommando erhalten Sie bei Bedarf über die Eingabe von picockpit-client --help. Das Kommando initiiert die Verbindung zwischen dem lokalen System und dem PiCockpit-Dienst im Internet. Zur Konfiguration müssen Sie lediglich den zuvor über die Webseite erstellten API-Key eintragen und den Dialog mit [Y] bestätigen (Abbildung 2).
Listing 2
$ sudo picockpit-client connect $ sudo picockpit-client pidoctor

Abbildung 2: Die Verknüpfung zwischen RasPi und PiCockpit müssen Sie einmalig über den Terminal-Client einrichten.
Das zweite Kommando aus Listing 2 konfiguriert den PiDoctor: Darunter versteht PiCockpit das Helferprogramm, das die an den Dienst zu übermittelnden Daten aus dem System ausliest. Die direkt nach dem Connect-Kommando initiierte Standardkonfiguration lässt die Privatsphäre betreffende Informationen außen vor, wie etwa die in der Umgebung aktiven WLAN-Netzwerke. Um möglichst viele Informationen zu erhalten, führen Sie daher das zweite Kommando einmal aus. Später lässt sich mit der Option --privacy die Erhebung der privaten Daten bei Bedarf wieder deaktivieren. Sollte es zu Fehlern kommen, erhalten Sie mit der Option --verbose weitere Informationen.
Nicht mehr benötigte API-Keys lassen sich über das Webfrontend des Diensts aus der Liste im Reiter API Keys unter Profile & Settings mit einem Klick auf das Mülleimer-Icon wieder löschen. Sollten Sie also ein Raspberry-System von der Speicherkarte löschen, ohne zuvor die Einstellungen von PiCockpit gesichert zu haben, lässt sich der Dienst leicht aufräumen. Zu Redaktionsschluss erlaubte PiCockpit ohne Kosten beliebig viele API-Keys pro Account.
Wechselbetrieb
PiCockpit identifiziert das Raspberry-System anhand der vom Chip ausgegebenen Seriennummer, analog zu grep Serial /proc/cpuinfo. Sie dürfen daher die zuvor mit PiCockpit konfigurierte Speicherkarte direkt in einen anderen Raspberry Pi übertragen. Sobald Sie das Kommando picockpit-client connect wiederholen, erkennt PiCockpit den Rechner in der Weboberfläche als neues Gerät. Die alte Konfiguration bleibt dabei erhalten. Das erlaubt, die Speicherkarte im Wechselbetrieb mit verschiedenen RasPis zu verwenden und trotzdem das Monitoring zu nutzen.
Alle RasPis im Blick
Nach der Installation des PiCockpit-Clients sowie der Konfiguration mit dem API-Key erscheint das Raspberry-System umgehend in der Weboberfläche von PiCockpit (Abbildung 3). Weitere RasPis fügen Sie hinzu, indem Sie analog zum bisherigen Vorgehen die Installation und Konfiguration des PiCockpit-Clients auf den weiteren Mini-Rechnern wiederholen. Sie benötigen nicht zwingend für jede neue Installation auch wieder einen neuen API-Schlüssel. PiCockpit unterstützt sämtliche Raspberry-Varianten; wir haben den Dienst mit einem RasPi 3B+ und einem Pi Zero W getestet.






