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Aus Raspberry Pi Geek 06/2019

Editorial 05-06/2019

Keep calm …

Jörg Luther

Zurzeit stellen sich viele Anwender die bange Frage, wie sich ein harter Brexit wohl auf die Verfügbarkeit und die Preise des Raspberry Pi auswirkt. Chefredakteur Jörg Luther gibt Entwarnung.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

nach der Abgabe einer RasPi-Geek-Ausgabe in die Druckerei dauert es exakt 14 Tage, bis das Heft am Kiosk liegt. Möglicherweise kennen Sie also, wenn Sie diese Zeilen lesen, schon die Antwort auf eine Frage, die ich mir bei Tippen am 21. März noch stelle: Kommt der harte Brexit am 29.03., oder wird er auf Mitte Mai (vor den Europa-Wahlen) oder gar bis Juni verschoben? Finden UK und EU vielleicht sogar noch eine Einigung, die ein ungeregeltes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der Union verhindert?

Zwar betreffen diese Fragen letztlich jeden Europäer, doch gerade wir Raspberry-Anwender sehen da mit besonderem Interesse hin. Schließlich wurde unser Lieblingsrechner nicht nur auf den britischen Inseln erfunden, sondern wird dort auch gefertigt: Sony baut jeden Monat rund 50:000 der Single-Board-Computer in einer Fabrik im südwalisischen Pencoed, zwischen Cardiff und Swansea. Und so stellt sich just zum 7. Geburtstag des Raspberry Pi die bange Frage, wie sich der Brexit – insbesondere in der harten Variante ohne Abkommen – wohl auf die Verfügbarkeit und die Preise des Mini-Rechners und des zahlreichen Zubehörs auswirkt, das die Raspberry Pi Foundation anbietet.

Fürs Erste lässt sich da aber weitgehend Entwarnung geben, auch ohne zu wissen, wann und wie das Brexit-Drama endet. Zum einen haben sich die großen Anbieter hierzulande in weiser Voraussicht mit großen Mengen an RasPis aller Modelle und passendem Zubehör eingedeckt, um nicht in Lieferengpässe zu laufen. Zum anderen fallen die SBCs zolltechnisch in die Rubrik der “automatischen Datenverarbeitungsmaschinen”, die bei der Einfuhr in die EU aus Drittstaaten regelmäßig mit null Prozent verzollt werden. Der Wermutstropfen: Das gilt nur für die Mini-Rechner selbst, nicht aber für Zubehör wie etwa die RasPi-Cam oder einen DVB-T-µHAT.

Zudem könnten sich bei einem harten Brexit die Transportkosten für die RasPis erhöhen, etwa wenn die Lkw bei der dann notwendigen Zollabfertigung in Calais stundenlang warten müssten. “Deutsche Speditionen und Logistikunternehmen werden durch Grenzkontrollen und damit verbundene Wartezeiten, höhere Kosten und enorme Hürden durch Zollabfertigung und Nachweispflichten belastet”, fürchtet da der Deutsche Speditions- und Logistikverband. Die entstehenden Mehrkosten würden zwangsläufig die Lieferkette vom Spediteur bis zum Endkunden hochwandern.

Aber Hand aufs Herz: Würden Sie bei Ihrem nächsten Projekt auf einen Raspberry Pi verzichten, wenn er ein paar Euro teurer würde? Ich nehme an, die Reaktion auf diese Frage fällt bei Ihnen ebenso aus wie bei mir und besteht in einem energischen Kopfschütteln. Insofern bleibt uns nichts anderes übrig, als abzuwarten und uns ins Unvermeidliche zu fügen. Keep calm and carry on, wie der Brite sagt …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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