Dabei erwarten sowohl Ubuntu als auch Armbian einen DHCP-Server im Netz. Anders als bei Raspbian greifen Sie direkt als root auf den Rechner zu, bei der Ubuntu-Variante des Hardware-Herstellers mit dem Passwort odroid und bei Armbian mit 1234.
Beide Betriebssystemvarianten richten sich an erfahrene Anwender. Wer sich nicht auf die Linux-Kommandozeile versteht, tut sich schwer. Bei Armbian gibt es zumindest das Tool armbian-config, das zwar nicht so vielseitig ist wie das Pendant von Raspbian, aber zumindest das Lokalisieren des Systems auf ein paar Tastendrücke reduziert. Da sowohl Ubuntu als auch Armbian letztlich auf Debian basieren, ziehen Sie weitere Pakete wie von Raspbian gewohnt mit Apt-get auf die Platte.
Während die Boot-SD sich als /dev/mmcblk1 meldet, finden Sie die angeschlossene Festplatte als /dev/sda im System. Armbian stellt ein Tool für die Installation auf eine SATA-Platte bereit, aber je nach Einsatz empfiehlt sich das zumindest für eine konventionelle Platte nicht: Es verhindert zuverlässig den Spindown der Platte beim Leerlauf des Systems.
Messwerte
Bei den Tests stand die CPU-Leistung nicht im Mittelpunkt, da die Performance des RasPi 3 für den Einsatz als Cloud-Server im LAN locker ausreicht. Trotzdem warfen wir einen kurzen Blick auf eine CPU-intensive Anwendung, die in diesem Szenario durchaus vorkommt: das Transkodieren eines MPEG-2 Videos nach H264. Dies vor allem deshalb, weil Hardkernel eine Variante des HC1 ohne SATA-Anschluss plant. Diese Variante heißt MC1 (My Cluster) und kommt voraussichtlich nur als Paket aus vier Rechnern in den Verkauf – Rechenleistung pur mit 32 Cores und 8 GByte Hauptspeicher [2].
Der schnelle Test zeigt aber, dass selbst ein Octa-Core unter Umständen Probleme nicht löst, die wirklich Rechenleistung benötigen. Obwohl der HC1 etwa doppelt so schnell agiert wie der RasPi 3, hängt selbst ein uralter Intel i7-3770 – im Vergleich zu den aktuellen Intel-CPUs um fünf Generationen zurück – den Testkandidaten um den Faktor 6 ab.
Bei Software, die zum Lesen und Schreiben von Daten intensiv auf das Netzwerk zugreift, glänzt der HC1 dagegen. Der Durchsatz bei Protokollen wie NFS oder Samba liegt bei 80 MByte/s. Bei kleineren Dateien fällt der Durchsatz sogar höher aus, dank großem Speicher puffert der Server die Daten im Dateisystem-Cache. Lediglich die Gigabit-Schnittstelle limitiert die Performance. Im Vergleich zum Gigabit-aufgerüsteten RasPi 3 arbeitet das System also viermal so schnell, die eingebaute Ethernet-Schnittstelle des RasPi hängt der HC1 sogar um den Faktor 8 ab.
Bei verschlüsselten Transfers via Scp oder Rsync sinkt die Transferrate des HC1 auf 50 bis 60 MByte/s – ein guter Wert. Im Gegensatz zu den anderen Protokollen steigt hier wegen der CPU-Belastung die Leistungsaufnahme auf rund 12 Watt an. Ansonsten liegt der Wert im Idle-Modus bei 4 bis 5 Watt, bei Transfers zwischen 5 und 6 Watt. Ein RasPi 3 mit Festplatte liegt nur im Idle-Modus spürbar unter diesen Werten.
Alle Werte beeinflussen Sie bei Bedarf mit diversen Tuning-Maßnahmen. Bei Armbian etwa passen Sie den CPU-Governor sowie die minimalen und maximalen CPU-Frequenzen in der Datei /etc/default/cpufrequtils an. Unterbinden Sie hier das Hochtakten der großen CPUs auf 2 GHz, fällt die Leistungsaufnahme bei verschlüsselten Transfers deutlich niedriger aus, freilich auf Kosten des Durchsatzes. Letztlich ist es also möglich, das System unter Abwägung aller Anforderungen mit vertretbarem Aufwand zu optimieren.
Aus und an
Nach einem Shutdown nimmt der HC1 keine Leistung auf, vom Verlust des Schaltnetzteils einmal abgesehen. Das ist ein großer Vorteil im Vergleich zum Pi, der sogar regelmäßig das Abschalten der USB-Ports beim Herunterfahren versäumt. Obendrein verfügt der HC1 über eine eingebaute Realtime-Clock, die das selbstständige Aufwachen unterstützt. Dazu schreiben Sie mit dem folgenden Kommando den nächsten Boot-Zeitpunkt in die entsprechende Datei:
$ date -d "tomorrow 08:00" '+%s' > /sys/class/rtc/rtc0/wakealarm
Das Format "+%s" kodiert die Zeitangabe im Unix-Standardformat, also in Sekunden seit dem 01.01.1970. Das Date-Kommando hilft beim Ausrechnen. Das Kommando setzt also den nächsten Start auf den Folgetag um 8 Uhr. Damit das selbst bei einem Stromausfall funktioniert, schließen Sie eine Backup-Batterie in Form einer Knopfzelle an.
Dank RTC fährt also das System bei Bedarf automatisch herunter und wieder hoch, was ohne besondere Maßnahmen den Stromverbrauch der heimischen Cloud deutlich reduzieren kann. Ein Wake-on-LAN, also das automatische Starten durch spezielle Pakete, die ein anderer Rechner über das Netzwerk schickt, klappt allerdings nicht: Das gibt das Design der Platine laut offiziellem Statement des Herstellers nicht her.
Fazit
Der HC1 weiß zu gefallen; seine Hardware hält, was sie verspricht. Als Fileserver hängt das neue System den Raspberry Pi 3 locker ab. Damit ist der HC1 der erste ARM-basierte Mini-PC, der als NAS eine gute Figur macht. Trotzdem kratzt er nicht an der Position des RasPi 3 als bestem Allrounder, denn der sinnvolle Einsatz des HC1 beschränkt sich auf eine Nische: Nur wer hohe Anforderungen an den Durchsatz hat, seine Rechner am Gigabit-Router betreibt und gleichzeitig kein großes NAS benötigt, bekommt mit dem System genau das Richtige.
Außerdem fehlt dem HC1 eine zweite schnelle Schnittstelle für flotte lokale Backups – die müssen über das Netzwerk auf einen weiteren Server erfolgen. Auch wer wirklich große Datenmengen speichern will, kommt mit nur einer Platte oft nicht aus. Aber das wäre bei einem RasPi nicht anders. Echte NAS-Systeme bieten zwar für Laien wegen der einfacheren Pflege eine gute Alternative, aber de facto gibt es keine echten 1-Bay-Systeme mehr. Fast alle aktuellen NAS nehmen mindestens zwei 3,5-Zoll-Festplatten auf und verbrauchen dadurch deutlich mehr Strom. Außerdem schränkt ein solches System Sie in Bezug auf Betriebssystem und Bedienoberfläche ein. Raspbian, Ubuntu oder Armbian bieten da ganz andere Möglichkeiten.





