Datendurchsatz
Nicht nur CPU- und RAM-Auslastung beeinflussen die gefühlte Leistungsfähigkeit eines Systems, sondern auch die Datenträger, auf denen Betriebssystem und Anwendungen lagern. Dstat bringt Schalter mit, über die Sie die Zugriffe pro Sekunde sowie den Durchsatz eines Speichermediums messen, meist als “Disk-I/O” bezeichnet (Abbildung 4).

Abbildung 4: Dstat ändert bei den Schreibzugriffen die Anzeigefarbe, um eine Veränderung anzuzeigen.
Das Kommando dstat -d --disk-util --disk-tps fördert alle diesbezüglich relevanten Daten zutage: Der Bereich Dsk/total (-d) zeigt den Durchsatz beim Lesen und Schreiben für alle Datenträger zusammen. Im Anschluss folgt für jedes erkannte Speichermedium (in Abbildung 4: sda, Schalter --disk-util) die aktuelle Auslastung in Prozent, während der dritte Bereich mit dem Namensdoppler dsk/total die Lese- und Schreiboperation pro Zeitintervall anzeigt.
Bedenklich wird es, wenn etwa die Festplattenauslastung deutlich steigt, denn bei 100 Prozent ist bekanntlich Schluss. Ab dieser Schwelle würde die Zahl der Prozesse, die auf Disk-I/O warten (CPU-Statistiken, Spalte wait), dramatisch steigen.
Datenstrom
Für eine Betrachtung der aktuellen Ressourcenauslastung auf dem System lohnt sich oft auch ein Blick in den Netzwerkbereich: Je nachdem, wie viele Daten fließen, können der Kernel oder eine Anwendung Rechenzeit für sich beanspruchen. Die Schalterkombination -n --net-packets macht sichtbar, wie es mit der derzeitigen Auslastung steht (Abbildung 5).
Der Bereich net/total fasst alle Netzwerkschnittstellen zusammen und zeigt die Bandbreite für den ein- (recv) sowie ausgehenden (send) Datenverkehr in Bytes oder KBytes pro Zeitintervall an. Die Kategorie pkt/total hingegen bezieht sich auf die Anzahl der empfangenen (#recv) sowie versendeten (#send) Datenpakete für alle Netzwerkschnittstellen.
Die Daten unter net/total geben unter Umständen Aufschluss über Engpässe. Im Test etwa betrug die Bandbreite für den Empfang von Daten rund 1,2 Mbit/s – bei einer 16-Mbit-DSL-Leitung mit 2 Mbit/s Downstream zeigt sich, dass nicht mehr allzu viel Luft nach oben bleibt.
Kombinationen
Mit den jeweiligen Schaltern behalten Sie die einzelnen Ressourcen gezielt im Blick. Bei Bedarf kombinieren Sie die Schalter und beobachten so beispielsweise Disk-I/O und die Last im Netzwerk gleichzeitig.
Zudem lohnt sich ein Blick in die Manpage von Dstat – hier finden sich zahlreiche andere Optionen, mit denen Sie nützliche Informationen zutage fördern. Kombinieren Sie doch einmal -n --net-packets mit dem Schalter --top-io und prüfen Sie, was passiert.
TIPP
Von den Dstat-Schaltern erweisen sich einige im Alltag beim Betreuen von Servern als nützlich. So bringt das Tool etwa solche für Postfix und MySQL mit.
Fazit
Mithilfe des Alleskönners Dstat behalten Sie dank einer Vielzahl von Schaltern jeden Bereich eines Systems im Blick. Sobald der Rechner lahmt, genügt ein schneller Aufruf, um mögliche Ressourcenfresser zu identifizieren. Die zahlreichen Module eröffnen zudem die Möglichkeit, Metriken zu verschiedenen Anwendungen auszugeben, was insbesondere Server-Admins interessiert.
Da Dstat in der Skriptsprache Python implementiert ist, unterliegen viele Messungen jedoch einer minimalen Abweichung – schließlich verbraucht Dstat selbst Ressourcen. In der Manpage von Dstat finden Sie entsprechende Hinweise, wie Sie den Verbrauch von Dstat selbst ermitteln.
Infos
- Dstat: http://dag.wiee.rs/home-made/dstat/
- Ifstat: http://gael.roualland.free.fr/ifstat/
- Iostat-Manpage: http://linux.die.net/man/1/iostat
- Netstat-Manpage (Debian): http://manpages.debian.org/cgi-bin/man.cgi?query=netstat&apropos=0&sektion=8&manpath=Debian+8+jessie&format=html&locale=de
- Vmstat-Manpage: http://linux.die.net/man/8/vmstat
- Mbw: https://github.com/raas/mbw/






