Aus Raspberry Pi Geek 03/2016

Animierte Diaschauen mit Photofilmstrip (Seite 2)

Aufgepeppt

Damit die Diaschau nicht zum hochauflösenden Stummfilm verkommt, fügen Sie beim Rendern eine Audio-Datei hinzu, deren Länge die Abspieldauer des resultierenden Videos bestimmt. Durch Variation der Bildanzahl beeinflussen Sie die Anzeigedauer der einzelnen Fotos, ohne direkt in die Überblendparameter eingreifen zu müssen.

Das direkte Aufsprechen eines Kommentars klappt nicht ohne Weiteres. Mit einem einfachen Trick kommen Sie dennoch zum Ziel: Rendern Sie das Video zunächst ohne Ton. Während des Abspielens starten Sie dann ein Aufnahmeprogramm und zeichnen Ihre Kommentare in eine Audio-Datei beliebigen Formats auf. Anschließend rendern Sie das Video erneut und geben dabei das Audio als Untermalung an. So laufen Kommentar und Bild stets synchron.

Rechts unter der Ansicht des Zielbilds finden Sie ein mit Untertitel beschriftetes Eingabefeld. Versprechen Sie sich nicht zu viel davon: Zwar platziert Photofilmstrip dort eingegebenen Text korrekt im entsprechenden Bild, jedoch mit minimaler Schriftgröße. Zudem gibt es keine weiteren Konfigurationsmöglichkeiten wie etwa Farbanpassungen. Eine echte Untertitelsoftware ersetzt das Feature also nicht.

Die Untertiteldatei mit der Endung .srt finden Sie nach dem Rendern im selben Ordner wie das Video selbst. Mit Programmen wie zum Beispiel Gnome Subtitles oder auch nur einem einfachen Texteditor lassen sich die Inhalte nachbearbeiten, um etwa die Schriftfarbe oder den Schriftschnitt zu ändern.

Im Terminal

Bringt ein grafisches Programm auch eine Befehlszeilenvariante mit, ist das eigentlich eine erfreuliche Tatsache – schließlich lässt sich die Stapelverarbeitung größerer Bildmengen auf diese Weise oft leichter bewältigen. Tatsächlich lässt sich auch mit Photofilmstrip über das Kommando photofilmstrip-cli unter Angabe einer Projektdatei und eines Ausgabepfads ein Video im Terminal rendern (Abbildung 5). Allerdings haben die Entwickler das Konzept nicht ganz zu Ende gedacht: Es fehlt eine Option, spezielle Optionen an den im Hintergrund werkelnden Mencoder durchreichen zu können.

Abbildung 5: Die Befehlszeilenvariante von Photofilmstrip kennt nur wenige Optionen.

Abbildung 5: Die Befehlszeilenvariante von Photofilmstrip kennt nur wenige Optionen.

Fazit

Photofilmstrip lässt sich einfach bedienen und produziert erstklassige Videos, ohne dass Sie allzu tief in den Produktionsprozess eingreifen müssen. Bei Bedarf können Sie das aber, denn die Ausstattung braucht sich keineswegs zu verstecken. Nur die Untertitelfunktion bedarf noch der Nachbesserung, ansonsten ist Photofilmstrip voll praxistauglich. Dank wxPython-Basis läuft das Programm nicht nur unter Linux und den BSD-Derivaten, sondern auch unter Windows. So können Wanderer zwischen den Welten ein begonnenes Projekt einfach auf einem anderen Betriebssystem weiterbearbeiten. 

Alternativen

Photofilmstrip steht nicht allein auf weiter Flur. In LU 10/2011 haben wir Imagination [4] vorgestellt, das ebenfalls den Ken-Burns-Effekt beherrscht. Zwar scheint die Weiterentwicklung seither eingeschlafen zu sein, aber HD-Videos produziert die nach wie vor aktuelle Version 3.0 auch.

DVD-Slideshow [5] als weiterer Mitbewerber liegt ebenfalls seit vier Jahren im Dornröschenschlaf. Hinzu kommt, dass das Terminalprogramm die Videobearbeitung nicht unbedingt erleichtert und eine steile Lernkurve mit sich bringt. Das Paket enthält fünf Bash-Skripte, die über Befehlszeilenoptionen externe Werkzeuge wie Ffmpeg, Dvdauthor oder ImageMagick (für den Ken-Burns-Effekt) steuern. Zum gezielten Bearbeiten einzelner Bilder eignet es sich aufgrund seiner Natur eher nicht, lediglich bei der Stapelverarbeitung vieler Bilder spielt es seine Vorteile aus.

In einschlägigen Foren und Mailinglisten wurde bereits mehrfach der Wunsch geäußert, LibreOffice Impress mit einem Ken-Burns-Feature auszustatten. Außer dem Effekt selbst fehlt dem Präsentationsprogramm bisher eine passable Möglichkeit zum Export von Videos. Das derzeit ausschließlich verfügbare Flash-Format gilt als totes Gleis, sodass die freie Bürosuite spezialisierteren Programmen auf absehbare Zeit kaum Konkurrenz machen kann.

Infos

  1. Rostrum-Kamera: https://en.wikipedia.org/wiki/Rostrum_camera
  2. Photofilmstrip: http://www.photofilmstrip.org
  3. Ken-Burns-Effekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Ken_Burns#Ken-Burns-Effekt
  4. Imagination: Vincze-Aron Szabo, “Elegante Vorstellung”, LU 10/2011, S. 68, http://www.linux-community.de/24338
  5. DVD-Slideshow: http://dvd-slideshow.sourceforge.net/wiki/Main_Page
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