Der Raspberry Pi zeigt sich zwar anschlussfreudig, aber fast jedes Kabel zeigt in eine andere Richtung. Benötigen Sie dann noch einen USB-Hub, ist das Chaos perfekt. Das Media-Pi-Gehäuse von SB Components sorgt für Ordnung.
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Aus dem technisch eher ideenlosen Einheitsbrei der RasPi-Gehäuse hebt sich das Media-Pi-Gehäuse von SB Components wohltuend ab: Es bringt einen eigenen aktiven USB-Hub mit und führt sämtliche Kabel von den Anschlüssen auf die Rückseite, was den Mini-Rechner dank der resultierenden aufgeräumten Optik durchaus auch wohnzimmertauglich macht.
Was das Design und die Produktion von Gehäusen angeht, gibt sich die RasPi-Community sehr kreativ [1]. Die Macher optimieren ihre Gehäuse dabei meist auf Größe, was ja in aller Regel durchaus Sinn ergibt – auch der Pi ist schließlich klein. Die Kabelanschlüsse führen in diesen Konstellationen 1:1 an den entsprechenden Gehäuseseiten nach außen.
Daraus ergibt sich jedoch ein Problem: Die recht steifen Kabel für HDMI, Netzwerk oder USB drücken das Gehäuse in alle Richtungen, was es schwierig macht, sie zu fixieren. Benötigt die Konstellation dann zusätzlich noch einen aktiven USB-Hub, vergrößert das das Problem zusätzlich, denn jetzt kommt mindestens ein USB-Uplink-Kabel hinzu, und meist führt noch ein zweites Stromkabel zur nächsten Steckdose. Im Arbeitszimmer mag das noch angehen, das Wohnzimmer schmückt dieser Verhau aber nicht gerade.
Auf der Suche nach einer Lösung stießen wir auf das Media-Pi-Gehäuse der Firma SB Components [2], die ihre Produkte auch über den Amazon-Marketplace vertreibt [3], sodass man sie in Deutschland problemlos erhält. Der Preis erscheint auf den ersten Blick happig: Stolze 50 Euro verlangt der Hersteller für den RasPi-Edelzwirn.
Lieferung und Aufbau
Da der Versand durch Amazon selbst erfolgt, kommt das Gehäuse gewohnt schnell ins Haus. Das Paket enthält neben dem Case noch ein Netzteil samt Adaptersteckern für verschiedene Länder sowie eine kleine Anleitung in englischer Sprache.
Das Gehäuse selbst besteht aus Kunststoff und weist ungefähr die sechsfache Grundfläche eines normalen Pi-Gehäuses auf (Abbildung 1). Diverse Lüftungsschlitze verhindern zuverlässig ein Überhitzen des Geräts. Im hinteren Teil sitzt eine Platine mit aktivem USB-Hub, die alle Anschlüsse des Pi nach hinten aus dem Gehäuse führt (Abbildung 2). Dabei schließt die Box die Ausgänge des RasPi über sehr kurze Kabel an die Platine an und führt nur den SD-Kartenanschluss über ein langes Flachband nach vorne.

Abbildung 1: Die speziell auf den RasPi ausgelegte Verkabelung führt zu einer Platine, die auch den aktiven USB-Hub verwaltet.

Abbildung 2: Abgesehen vom SD-Karten-Einschub befinden sich alle Anschlüsse des Gehäuses auf der Rückseite.
Die Kabel passen in der Länge und Lage optimal zum Pi, eine Lektüre der Bedienungsanleitung erweist sich damit als überflüssig. Die Platine des Kleinrechners rastet bei der Installation in kleine Plastikklammern ein.
Da das Gehäuse nur einen der beiden USB-Ports des Pi verwendet, steht der zweite für andere Zwecke zur Verfügung, beispielsweise zum Verbinden interner Massenspeicher wie USB-Sticks oder eines Wifi-Dongles. Da das Gehäuse aus Kunststoff besteht, kommt es zu keinen negativen Abschirmeffekten. In dem recht geräumigen Case könnten Sie via Mini-USB-Hub auch mehrere kleine, aber genügsame USB-Geräte darin verschwinden lassen.
Messungen
Zwar löst das Gehäuse das Kabelgewirr elegant auf, aber in welchem Umfang beeinflusst die zusätzliche Elektronik den Stromverbrauch, die Funktionen und Performance? Messungen mit einem haushaltsüblichen Gerät aus dem Baumarkt zeigen beim Stromverbrauch keinen Unterschied zum Betrieb ohne Gehäuse. Auch der HDMI-Anschluss funktioniert ohne Probleme.
Netzwerkseitig erfolgt die Messung per Iperf. Um den Test selbst nachzuvollziehen, starten Sie auf dem RasPi via iperf -s den entsprechenden Server. Auf einem weiteren Rechner rufen Sie dann folgenden Befehl auf:
# iperf -c pi -f M RasPi-IP-Adresse
Die Kombination misst die rohe Netzwerkperformance und gibt die theoretische Obergrenze für den Netzwerkverkehr aus. Auf Anwendungsseite bleibt davon nur ein Teil übrig. Die Messungen mit und ohne Media-Pi-Gehäuse zeigen keine Auffälligkeiten, was für eine saubere Verarbeitung des Netzwerkanschlusses auf der Zusatzplatine spricht.
Auch die USB-Ports funktionieren mit der erwarteten Leistung. Eine externe USB-Festplatte, die wegen ihres zu hohen Anlaufstroms an anderen Rechnern Probleme bereitet, zeigt dasselbe Verhalten auch an den Media-Pi-Anschlüssen. Mit Y-Kabel läuft die Platte dort dann aber ohne Probleme. Das mitgelieferte Gehäusenetzteil liefert 3 Ampere Leistung, was ohne Probleme für die vier Ports und den Pi selbst genügt.
Was fehlt
Das Gehäuse überzeugt zwar in allen Disziplinen, trotzdem bleibt Raum für Verbesserungen, wie etwa für einen Infrarot-Empfänger samt Anschlusskabel – entsprechende Komponenten kosten einen Hersteller im Einkauf nur wenige Cent. Allerdings können Sie dieses Feature bei Bedarf auch ohne Lötkenntnisse selbst nachrüsten, müssen das Gehäuse dafür aber im wahrsten Sinne des Wortes aufbohren.



