
Abbildung 6: Gnumeric präsentiert sich als leistungsfähige Alternative zu schwergewichtigeren Tabellenkalkulationen.
Speicherbedarf
Möglicherweise ist bis hierher bei Ihnen der Eindruck entstanden, der Raspberry Pi eigne sich nicht besonders für Computerspiele. Das täuscht aber, wie unser Workshop zum Einsatz des RasPi als Game-Server in dieser Ausgabe beweist [6]. Tatsächlich zeigte auch eines der berühmtesten Videos über den Einsatz der ersten RasPi-Modelle eine Quake-3-Session mit mehreren Spielern.
Der beliebte First-Person-Shooter lässt sich nach dem oben gezeigten Schema mit apt-get problemlos auf dem RasPi einrichten. Damit er aber auch sauber läuft, müssen Sie dem Grafikprozessor mit etwas mehr RAM unter die Arme greifen. In der Voreinstellung erhält die GPU rund 64 MByte des Arbeitsspeichers, Linux selbst reserviert weitere 10 MByte. Der verbleibende Rest steht dann der CPU zur Verfügung. Um die aktuelle Speicherbelegung festzustellen, verwenden Sie den Befehl free (Listing 1).
Listing 1
$ free -m
total used free shared buffers cached
Mem: 438 359 79 0 14 223
-/+ buffers/cache: 121 317
Swap: 99 0 99
Der Parameter -m weist free an, die Ergebnisse in MByte statt in Byte auszugeben. Der Wert unter total in der ersten Spalte gibt den Speicher an, welcher der CPU zur Verfügung steht. Ziehen Sie nun diesen Wert von der Speicherausstattung Ihres RasPi ab (Modell A: 256 MByte, Modell B: 512 MByte) und subtrahieren weitere 10 MByte für das von Linux reservierte RAM, dann erhalten Sie den für die GPU verfügbaren Speicher. In der Regel handelt es sich dabei um eine exakte Zweierpotenz (etwa 64, 128 oder 256), in unserem Beispiel sind es 512-438-10=64 MByte.
Um diesen Wert für den Einsatz einer grafiklastigen Anwendung etwas aufzubessern, weisen Sie der GPU mehr Speicher zu. Dazu rufen Sie mit sudo raspi-config das Konfigurationswerkzeug des RasPi auf und wählen dort aus dem Menü den Punkt memory_split. Im daraufhin erscheinenden Dialog geben Sie die Speichermenge im MByte an, die dem Grafikchip zur Verfügung stehen soll (Abbildung 7). Wie andere Anwender diesen Balance-Akt zwischen Grafikleistung und Arbeitsspeichergröße handhaben, können Sie bei Interesse in den Raspberry-Pi-Foren [7] nachschlagen.
Nach der Eingabe eines neuen Werts müssen Sie den RasPi neu booten, damit die Änderung auch greift. Anschließend können Sie mittels free prüfen, ob auch alles wie gewünscht geklappt hat.
Was dem Ego-Shooter recht ist, ist auch dem Mediaplayer billig: Solche grafikintensiven Anwendungen laufen oft mit nur 64 MByte Grafikspeicher mehr schlecht denn recht. Der wahrscheinlich beste Kandidat für das lokale Betrachten von Videos heißt VLC. Sie installieren ihn mit sudo apt-get install vlc. Zwar eignet sich VLC durchaus auch dazu, Videos über ein Netzwerk zu streamen, aber falls Sie ein echtes Multimedia-Center suchen, das außerdem noch mit Musik und Fotos umgehen kann und obendrein gut aussieht, dann sollten Sie sich XBMC näher ansehen (Abbildung 8).
Allerdings läuft ein nachträglich auf Raspbian aufgesetztes XBMC unabhängig von der bereitgestellten Menge an Grafikspeicher eher holprig. Für einen ernsthaften Einsatz sollten Sie eine Standalone-Lösung mit maßgeschneidertem Unterbau installieren, wie beispielsweise Raspbmc. Einen Workshop dazu haben wir bereits im letzten Heft veröffentlicht [8], ein Interview mit dem Raspbmc-Entwickler Sam Nazarko finden Sie in der Rubrik “Report” in dieser Ausgabe [9].
Fazit
Der RasPi lässt viel mit sich anstellen, doch wer seine speziellen Beschränkungen nicht beachtet, stößt schnell an (Leistungs-)Grenzen. Eine sorgsame Auswahl der verwendeten Software hinsichtlich ihrer Speicheranforderungen zahlt sich ebenso aus wie das Unterstützen grafiklastiger Anwendungen mit mehr RAM. Gehen Sie hier sorgfältig vor, dann erweist sich der Raspberry Pi angesichts seiner Größe als erstaunlich leistungsfähig – sie werden überrascht sein, was er alles kann.
Glossar
- IDE
-
Integrated Development Environment. Eine solche integrierte Entwicklungsumgebung fasst alle für das Programmieren in einer bestimmten Sprache notwendigen Komponenten zusammen. Meist gehören dazu neben einem Editor auch Compiler/Interpreter, Linker und Debugger, oft auch eine Versionsverwaltung.
Infos
- Erfolgsgeschichte RasPi: Bruce Byfield, “Schritt für Schritt”, RPG 05/2013, S. 6, http://www.raspberry-pi-geek.de/29877
- Scratch: http://scratch.mit.edu/
- Python: http://www.python.org/
- Kompatible WLAN-Sticks: http://elinux.org/RPi_VerifiedPeripherals#USB_Wi-Fi_Adapters
- Crash-Kurs Raspbian-Shell: Paul Brown, “Erste Schritte”, RPG 05/2013, S. 28, http://www.raspberry-pi-geek.de/29879
- RasPi als Game-Server: Joseph Guarino, “Feuer frei”, RPG 06/2013, S. 38, http://www.raspberry-pi-geek.de/29886
- Raspberry Pi Forums: http://www.raspberrypi.org/phpBB3/
- RasPi als Mediacenter: Mirko Dragicevic, “Smarte Himbeere”, RPG 05/2013, S. 55, http://www.raspberry-pi-geek.de/29847
- Interview mit Sam Nazarko: Mirko Dragicevic, “Heimkino”, RPG 06/2013, S. 10, http://www.raspberry-pi-geek.de/30586








