Nun können Sie nach Herzenslust HTML/PHP-Seiten erstellen und mit Ihrem eigenen RasPi-Webserver verwenden. Die Pages erstellen Sie wahlweise direkt auf dem Pi unter /var/www/ oder mit einer Entwicklungsumgebung Ihrer Wahl auf einem PC. In letzterem Fall übertragen Sie die Dateien anschließend per SFTP auf den Raspberry Pi übertragen. In diesem Fall muss der SFTP-Benutzer allerdings ausreichende Zugriffsrechte für das Webseiten-Verzeichnis besitzen.
Dies erreichen Sie am einfachsten, indem Sie das Benutzerkonto pi der Gruppe www-data hinzufügen (Listing 2, Zeile 1) und allen Mitgliedern dieser Gruppe Schreibrechte für das Homepage-Verzeichnis einräumen (Zeile 2). Um für Dateiübertragungen einen anderen Nutzer als Pi zu verwenden, müssen Sie diesen gesondert anlegen (Zeile 3).
Listing 2
$ sudo usermod -a -G www-data pi $ sudo chmod 775 /var/www $ sudo adduser Benutzer www-data
Auf Diät
In manchen Fällen erweist sich der Raspberry Pi als zu schwach für den umfangreich ausgestatteten Apache-Server – etwa, in mehrere Personen gleichzeitig auf den Webserver zugreifen. Das setzt die schlanke Hardware gehörig unter Last, wodurch sich die Seiten im Browser nur langsam aufbauen. Peilen Sie also ein solches Szenario an, sollten Sie einen genügsameren Webserver [3] verwenden, der mehr aus den Ressourcen des Mini-Rechners herausholt.
Ein guter Kandidat für diesen Zweck ist Lighttpd. Falls Sie vor dessen Installation bereits Apache verwendet haben, gilt es diesen samt seinen Zusatzpaketen zunächst zu entfernen:
$ sudo apt-get remove apache2 php5 libapache2-mod-php5 php5-mysql
Dann richten Sie Lighttpd über den Befehl sudo apt-get install lighttpd ein. Die MySQL-Installation erfolgt auf die gleiche Weise wie bei einer Apache-Umgebung. Nur bei PHP gibt es einen Unterschied: Sie müssen es hier als CGI-Modul einbinden. Die Befehle dazu zeigen die ersten beiden Zeilen von Listing 3. Zu guter Letzt gestatten Sie dem Webserver noch explizit, PHP-Skripte zu parsen (Zeile 3). Nach einem Neustart von Lighttpd (Zeile 4) ist diese Einstellung aktiv: Die Seite firsttest.php zeigt nun eine ähnliche Ausgabe wie für Apache in Abbildung 2.
Listing 3
$ sudo apt-get install php5-common php5-cgi php5 $ sudo apt-get install php5-mysql $ sudo lighty-enable-mod fastcgi-php $ sudo service lighttpd force-reload
Content-Management
Früher war es gang und gäbe, bei jeder Änderung einer Webseite die entsprechenden Daten per FTP neu hochzuladen, mittlerweile ermöglichen Content-Management-Systeme ein effizienteres Vorgehen: So können Sie nun via Browser von jedem Gerät aus schnell neue Inhalte auf die eigene Homepage stellen und sich obendrein die Arbeit mit Anderen teilen. Betreiben Sie etwa mit mehreren Bekannten zusammen die Website eines Vereins, kann jeder der Beteiligten über ein ein eigenes Redakteurskonto selbstständig neue Inhalte einstellen, während Sie nur für sich selbst als Technikverantwortlichen weitergehende Zugriffsrechte einräumen.
Der Markt an unterschiedlichen CMS scheint schier unerschöpflich, doch viele Anfänger vertrauen auf WordPress –eigentlich kein CMS, sondern eine Blogging-Software. Aufgrund seiner übersichtlichen Bedienoberfläche ist es auch keine schlechte Wahl. Trotzdem sollten Sie besser auf eine echte CMS-Lösung setzen, wie etwa Joomla. Letzteres bietet weitaus mehr Möglichkeiten als WordPress, weist aber dennoch eine durchdachte, intuitiv erlernbare Bedienoberfläche auf.
Zur Installation von Joomla laden Sie dieses als Zip-Archiv von der offiziellen Homepage [4] herunter und übertragen es via SFTP in das Verzeichnis /var/www/ auf dem RasPi. Dort entpacken Sie das Archiv und löschen anschließend die nun nicht mehr benötigte ZIP-Datei. Geben Sie nun die IP-Adresse des Raspberry in den Browser eines PCs ein, leitet Joomla Sie mittels mehrerer Dialoge durch die Erstkonfiguration des CMS.
Falls die Webkonfiguration fehlschlägt, müssen Sie noch die Zugriffsrechte der Joomla-Version für die Verzeichnisse und Dateien anpassen. Dies erledigen Sie auf dem Pi, indem Sie in das Verzeichnis /var/www/ wechseln und dort die Befehl aus Listing 4 ausführen. Anschließend starten Sie die Konfiguration erneut.
Listing 4
$ find . -type f -exec chmod 644 {} \;
$ find . -type d -exec chmod 755 {} \;
Ausblick
Nun verfügen Sie über einen reichhaltig ausgestatteten Heim-Webserver. Soll Ihre Website irgendwann das Test- und Experimentierstadium verlassen, gilt es die Daten für den Produktivbetrieb ins World Wide Web hochzuladen. Für kleine bis mittelgroße Sites genügt hierfür preisgünstiger Webspace. In der Regel unterstützt die Konfiguration der Webhosting-Unternehmen gängigste CMS wie Joomla – die FAQ des Hosters sollte hierüber weitere Auskunft geben.





