Aus Raspberry Pi Geek 08/2021

Racknex UM-SBC-306 für 10-Zoll-Server-Schränke

© Mauro Rota / 123RF.com

RasPi in a Box

Bernhard Bablok

In Rechenzentren stecken Server in Boxen im Pizzakartonformat. Der für den RasPi entwickelte Einschub Racknex UM-SBC-306 im schlanken 10-Zoll-Format bringt ähnliche Ordnung in die heimische IT-Infrastruktur.

Im professionellen Bereich hat sich bei der Server- und Netzwerktechnik die Standard-Rack-Breite von 19 Zoll schon lange durchgesetzt; dementsprechend umfangreich fällt das Angebot an passendem Zubehör aus. Das reicht von der Stromversorgung bis hin zu Ablagefächern, von Servern über Switches bis hin zu Patch-Feldern. Spöttisch nennen Netzwerktechniker Server in diesem Format Pizzaboxen.

Für den Heim- und Labbereich sind die Schränke aber oft schlicht zu groß. Aus dem Audiobereich stammt eine kleinere Variante mit 10 Zoll Breite, inzwischen gibt es aber auch Server- beziehungsweise Netzwerkschränke in diesem Formfaktor. Für einen überschaubaren Bedarf an IT-Technik ist das optimal, denn zur Not passt so ein Schrank selbst unter den Schreibtisch.

Hier setzt die neue Serie der Rack Kits für den Raspberry Pi von Racknex an [1]. Das Unternehmen ist mit Schränken im großen Format schon länger im Geschäft und füllt mit dem kleinen Formfaktor nun eine Lücke. Für den Test stellte die Firma den Einschub UM-SBC-306 bereit, der für zwei RasPis oder andere SBCs in demselbem Formfaktor ausgelegt ist (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der UM-SBC-306 von Racknex passt in einen 10-Zoll-Schrank, der bei Bedarf sogar unter einem Schreibtisch Platz findet.

Abbildung 1: Der UM-SBC-306 von Racknex passt in einen 10-Zoll-Schrank, der bei Bedarf sogar unter einem Schreibtisch Platz findet.

Montage

Schrauben für die Montage im Rack liegen dem Kit ebenso bei wie Kabelbinder. Im Paket finden sich zudem Schrauben mit einem Gewinde der Größe M2,5 zum Befestigen der Mini-Rechner. Netzwerkanschluss und USB-Buchsen zeigen wie im Server-Schrank üblich nach vorne aus dem Gehäuse.

Neben dem Einbauplatz für jeden Mini-Rechner gibt es vier Löcher für LEDs mit 3 Millimeter Durchmesser. Solche Dioden bestellen Sie bei Bedarf online gleich mit, müssen diese aber selbst montieren und verkabeln (siehe Kasten “Tipp zur LED-Konfiguration”).

Tipp zur LED-Konfiguration

Der RasPi erlaubt das Steuern von LEDs ohne eigene Programmierarbeit. Das funktioniert über passende Einträge in der /boot/config.txt. Eine LED, die leuchtet, solange der RasPi an ist, steuern Sie mit dem Eintrag aus der zweiten Zeile von Listing 1. Dort stehen op für “output” und dh für “drive high”. Die eingebaute grüne Aktivitäts-LED des Mini-PCs sieht man nach dem Einbau ins Rack nicht mehr. Die Zeilen 5 und 6 legen die Funktion auf einen GPIO-Pin, an den Sie dann eine externe LED anschließen. Ohne Zeile 5 arbeitet die LED im normalen Modus, dann blinkt sie beim Zugriff auf die SD-Karte. Möchten Sie allerdings den Status von Anwendungen anzeigen, etwa “Apache läuft”, kommen Sie um eigene Skripte nicht herum, die den Zustand von GPIOs direkt manipulieren. Egal, wie Sie die LEDs steuern: Sie dürfen sie nie ohne Vorwiderstand an einen RasPi anschließen. Die von den GPIOs gelieferte Spannung von 3,3 V würde die Dioden sonst zerstören.

Listing 1

LED-Einträge in der config.txt

### Power-On LED
sgpio=23=op,dh
### Aktivitäts-LED
dtparam=act_led_trigger=heartbeat
dtoverlay=act-led,gpio=22
### An-/Ausschalter an GPIO3
### (an funktioniert automatisch)
dtoverlay=gpio-shutdown

Eine größere Öffnung links neben den LEDs ist für einen Taster gedacht (in Abbildung 1 ganz links), alternativ gibt es USB-3-, USB-C- und HDMI-Adapter. Erstere dienen dazu, den USB-Anschluss in das Gehäuse zu legen, Letzterer stellt den internen HDMI-Anschluss für externe Bildschirme bereit.

Das Verlöten und Verkabeln des Tasters müssen Sie selbst übernehmen. Eine schnelle und effektive Lösung dafür haben wir in einem früheren Artikel [2] schon einmal beschrieben. Für das Ansteuern des an GPIO3 und GND angeschlossenen Ein- und Ausschalters dient dabei der config.txt-Eintrag aus Zeile 10 von Listing 1.

In der Installation des Autors ist der Schalter jedoch an eine Hilfsplatine angeschlossen (Abbildung 2). Dieser HAT [3] trennt den RasPi nach dem Abschalten sauber vom Netz. Auf der Platine steht ausreichend Platz für die Vorwiderstände der LEDs zur Verfügung, allerdings liegt der Stromanschluss für den Einsatz im Rack ungünstig.

Abbildung 2: Ein Blick in das Innere des Racks offenbart noch etwas Platz hinter den RasPis, der sich über entsprechende Bohrungen kreativ nutzen ließe.

Abbildung 2: Ein Blick in das Innere des Racks offenbart noch etwas Platz hinter den RasPis, der sich über entsprechende Bohrungen kreativ nutzen ließe.

Auch das in Abbildung 1 zu erkennende kleine OLED-Display mit einer Diagonalen von 0,91 Zoll in der Aussparung für den zweiten (hier nicht bestückten) Rechner ist samt passender Blende Eigenarbeit. Alternativ gibt es von Racknex eine Abdeckung.

Angebotsvielfalt

Ein Merkmal der Racknex-Produkte ist die Flexibilität der Ausstattung. Alle Einschübe gibt es mit oder ohne Auszug. Letzterer ist für alle praktisch, die oft an ihren RasPi heranmüssen, etwa zum Auswechseln der SD-Karte oder für den kompletten Tausch des Systems. Das kleinere Modell 305 besitzt keine Aussparung für Taster oder Adapter, ist aber ansonsten genauso konfigurierbar.

Im Gegensatz zum UM-SBC-305/-306, die jeweils eine Höheneinheit des Racks belegen (1 HE), baut das Modell UM-SBC-308 doppelt so hoch (2 HE). Hier montieren Sie bis zu fünf RasPis seitlich. 1 HE ist für RasPis mit hohen HATs recht knapp bemessen, diese passen aber bei Verzicht auf Vollbestückung gut in das große Modell. Je nach Bedarf konfigurieren Sie auch den großen Einschub flexibel mit Blenden, Anschlüssen oder Aussparungen für einen Bildschirm (Abbildung 3).

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