Die Freifunk-Initiative setzt sich zum Ziel, eine freie und demokratische Netzinfrastruktur aufzubauen. Teilnehmen kann jeder: Als WLAN-Router eignet sich inzwischen auch der Raspberry Pi.
Das Freifunk-Netzwerk bildet ein freies, auf WLAN-Technik basierendes Netz. Die Grundidee des Projekts ist es, ein großes Netzwerk aus WLAN-Routern aufzubauen. Die Freifunk-Router kommunizieren dabei untereinander nur über WLAN. Lässt sich zwischen zwei Freifunk-Routern keine direkte Verbindung aufbauen, kann auf eine Provider-Verbindung zurückgegriffen werden. Diese leitet das System dann über spezielle Server im Internet. Über das Freifunk-Netzwerk kann man auch direkt auf das Internet zugreifen.
In vielen Gemeinden stellen die Gewerbetreibenden ihren Kunden das Freifunk-Netzwerk kostenfrei bereit. So müssen die Nutzer auf ihren Smartphones in einer Einkaufsstraße nur einmal den Zugang zum Freifunk-Netz einrichten. Würde jedes Geschäft sein eigenes WLAN anbieten, hätten die Kunden sicher schnell den Spaß daran verloren.
Der Betrieb des Freifunk-Netzwerks erfolgt komplett in eigener Regie. Jeder kann mit einem WLAN-Router und einem kleinen Teil seiner eigenen Internet-Bandbreite dafür sorgen, dass das Freifunk-Netzwerk wächst. Informationen darüber, wie das Freifunk-Netzwerk im Detail arbeitet, finden Sie auf der Webseite des Projekts [1].
RasPi als Freifunk-Router
Die Freifunk-Router-Software basiert auf OpenWrt. OpenWrt [2] ist eine freie Linux-Distribution, die für den Betrieb von Embedded-Systemen optimiert wurde. Da OpenWrt alle Komponenten eines vollwertigen Linux-Systems beinhaltet, kommt das System überwiegend in Routern zum Einsatz.
Gluon [3] stellt ein Framework bereit, das es erlaubt, ohne viel Aufwand Mesh-fähige Router aufzubauen. Mesh bedeutet in diesem Fall, dass die Router über ihre WLAN-Schnittstelle direkt miteinander kommunizieren und so autarke Netzwerkstrukturen aufbauen.
Die Vorteile von Gluon liegen darin, dass es sich einfach über das Konfigurationstool uci auf der Kommandozeile verwalten lässt. Weiterhin erlaubt es, die allgemeine Konfiguration von der für eine bestimmte Freifunk-Community zu trennen. Die meisten Freifunk-Communitys verwenden daher Gluon, um die Images für ihre Geräte zu bauen. Das Gluon-Framework setzt auf dem OpenWrt-Betriebssystem auf.
Bei Betriebssystem-Images für einen Router kommt es immer darauf an, sie möglichst klein zu halten, da die Router oft nur über wenig Speicherplatz verfügen. Daher binden die Entwickler gerätespezifisch immer nur die nötigsten Treiber ein. Das klappt bei einem speziellen Routermodell eines Herstellers noch ganz gut, sorgt aber gerade beim Raspberry Pi für etwas Mehrarbeit.
Die Communitys bauen die Raspberry-Images oft nur mit einem beschränkten Set an USB-Netzwerkkarten-Treibern – genau die, die sie zum Testen verwenden. Daher sollten Sie vor der Installation im Community-Chat fragen, welche USB-Karte die lokale Community für den Raspberry Pi empfiehlt. Einige Communitys bauen einfach ein Image, das genau auf die WLAN-Karte eines Mitstreiters passt. Für die ganz Hartgesottenen gibt es eine Anleitung, wie man die Images selbst zusammenstellt [4]. Hierbei sollten Sie aber auch auf den Support der Community zurückgreifen.
Sie werden jetzt mit Recht fragen, warum das Projekt nicht einfach auf einen Raspberry der dritten oder vierten Generation mit integriertem WLAN setzt. Das liegt daran, dass die Onboard-Karten des Mini-Rechners einige echte Nachteile aufweisen: Der Hersteller der WLAN-Hardware hat zum Beispiel die Schnittstellen nicht offengelegt, und das macht es der Open-Source-Gemeinde unmöglich, einen Mesh-fähigen Treiber zu entwickeln. Möglicherweise unterstützt die Hardware auch kein Meshing, und der Entwickler hält den Quellcode bewusst zurück.
Des Weiteren ist die Reichweite der Onboard-WLAN-Karte des RasPi doch sehr beschränkt. Der Autor rät davon ab, die Reichweite mithilfe einer zusätzlichen Antenne zu erhöhen. Eine solche Veränderung würde die Betriebserlaubnis des Raspberry Pi erlöschen lassen. Daher ist es für diesen speziellen Einsatzzweck schlicht sinnvoll, den RasPi mit einer externen WLAN-Karte zu betreiben.
Einige Communitys unterstützen den Raspberry Pi 3. Der kann aber nur als Freifunk-Access-Point arbeiten und nicht direkt mit anderen Freifunk-Routern in Verbindung treten. Um den RasPi in einen Freifunk-Router zu verwandeln, muss er mit einem speziellen Image gebootet werden. Solche Images stehen im Internet zum Herunterladen bereit.
Erste Schritte
Das Freifunk-Netzwerk organisiert sich über lokal ansässige Communitys. Jede Gemeinschaft stellt eigene Images für ihre Mitglieder bereit. Daher gilt es, als Erstes herauszufinden, mit welcher Community man Kontakt aufnehmen muss. Als zentraler Einstiegspunkt dient die Homepage des Freifunk-Projekts. Die Seite stellt eine Karte sowie eine filterbare Liste zur Suche bereit [5].
Auf den Community-Seiten finden sich in der Regel Anleitungen, wie man die Router verschiedener Hersteller mit der Freifunk-Software ausstattet und Schritt für Schritt einrichtet. Foren, Wikis und Chats bieten schnelle Hilfe bei technischen Fragen. Im Folgenden zeigen wir die Seiten von Freifunk Darmstadt [6]. Im ersten Schritt wählen Sie den Router, für den Sie das Image herunterladen möchten (Abbildung 1).






