Aus Raspberry Pi Geek 08/2019

Mini-Displays mit dem RasPi optimal einsetzen

© Luchschen, 123RF

Geschrumpft

Bernhard Bablok

Kleine Bildschirme gibt es zwar viele, aber der Support von Raspbian ist überraschend schlecht. Mit ein paar Tricks erzielen Sie trotzdem ein optimales Ergebnis.

Kleinbildschirme kommen in vielen Varianten – etwa als 2,8-Zoll-Display von Watterott in einem dafür ausgelegten Gehäuse (Abbildung 1), als 4-Zoll-Display von Waveshare, bei dem auf der Rückseite ein Pi Zero angeschlossen ist (Abbildung 2), oder als Siebenzöller (Abbildung 3), ebenfalls von Waveshare.

Abbildung 1: Watterotts 2,8-Zoll-Schirm im Gehäuse.

Abbildung 1: Watterotts 2,8-Zoll-Schirm im Gehäuse.

Abbildung 2: 4-Zoll-Display von Waveshare mit SPI.

Abbildung 2: 4-Zoll-Display von Waveshare mit SPI.

Abbildung 3: HDMI-Display von Waveshare im 7-Zoll-Format.

Abbildung 3: HDMI-Display von Waveshare im 7-Zoll-Format.

Wo ein Kleinbildschirm aufhört und ein regulärer, aber kleiner Normalschirm anfängt, ist Geschmackssache. Die Arbeitsdefinition orientiert sich daran, ob sich mit dem Bildschirm auf dem normalen Raspbian-Desktop ergonomisch arbeiten lässt.

Das große Waveshare-Display liegt hier hart an der Grenze. Der Autor hat selbst jahrelang unterwegs auf einem kleinen Netbook mit einem ähnlichen Schirm gearbeitet, aber das beschränkte sich im Wesentlichen auf das Schreiben von Programmen und Artikeln. Viele grafische Desktop-Anwendungen ließen sich bei einer so kleinen Bildschirmdiagonale nicht nutzen.

Wichtig ist es, Kriterien festzulegen, nach denen Sie die verschiedenen Schirme einordnen. Dabei gilt es abzuwägen, welche spezifischen Vor- und Nachteile die Displays bieten. Die Gretchenfrage lautet aber letztendlich: Lässt sich die Hardware unter Raspbian in Betrieb nehmen und sinnvoll mit Anwendungen nutzen?

Keine Frage der Größe

Als Hauptkriterium beim Kauf zählt die Größe – nicht nur das physische Abmaß, üblicherweise in Zoll ausgedrückt, sondern auch die Auflösung. Hier lauert eine Falle, denn es gibt auch “große” Schirme mit kleiner Auflösung – zwar oft billiger, doch nur auf den ersten Blick ein Schnäppchen. Da Bildschirmgröße sowohl Geld als auch Platz kostet, ist größer nicht immer besser. Letztlich kommt es darauf an, auf welche Entfernung Sie noch etwas erkennen möchten.

Bei der 2,8-Zoll Klasse reichen 320 x 240 Pixel aus, bei höheren Bilddiagonalen sollte die Auflösung ungefähr mit der Größe skalieren. Der Vierzöller von Waveshare kommt mit 480 x 320 Pixel daher, der Siebenzöller mit 1024 x 600 Bildpunkten. Letzteres ist nach Erfahrung des Autors das untere Limit, um sinnvoll mit normalen Desktop-Anwendungen arbeiten zu können. Ein solcher Bildschirm kommt beim Infoscreen-Projekt [1] des Autors zum Einsatz, und hier war es nur mit einigen Tricks [2] möglich, den Browser so zu konfigurieren, dass es nicht ständig nötig war, zu scrollen. Der offizielle Pi-Bildschirm mit seinen 800 x 600 Pixeln eignet sich deshalb erst recht nicht für den Desktop-Betrieb.

Anschluss

Nicht ganz unabhängig von der Größe ist die Technik für den Anschluss: Der Pi-Bildschirm mit seinem Spezialkabel tanzt hier aus der Reihe. Üblich sind die Varianten SPI (über die GPIO-Leiste) und HDMI. Letzteres hat den Vorteil, dass die Konfiguration etwas einfacher gelingt; SPI-basierte Bildschirme benötigen einige Klimmzüge mehr. Bei den HDMI-Displays genügen ein paar Zeilen in der /boot/config.txt, die den Schirm näher beschreiben. Listing 1 zeigt ein entsprechendes Beispiel für den großen Waveshare-Screen.

Listing 1

hdmi_group=2
hdmi_mode=87
hdmi_cvt 1024 600 60 6 0 0 0
hdmi_drive=1

HDMI birgt aber auch Probleme: So gibt es über diesen Anschluss keinen Sound. Störender ist allerdings die Physik, denn die Anschlusskabel stehen unschön ab, statt versteckt hinter dem Schirm zu verschwinden (in Abbildung 3 gut zu sehen).

Bei kleineren Displays lösen die Hersteller das Problem in manchen Fällen über proprietäre HDMI-Stecker in U-Form. Der RasPi hängt dann aber zwangsläufig direkt hinter dem Schirm. Touch-Funktionalität implementieren HDMI-Bildschirme über einen zusätzlichen USB-Anschluss, der eventuell die Stromversorgung übernimmt. Gelegentlich gibt es dedizierte Anschlüsse über USB, was zu noch mehr Kabelsalat führt.

SPI-Schirme schließen Sie in der Regel über ein Flachbandkabel an. Manche lassen sich auch direkt auf die GPIO-Leiste stecken, die zusätzlich die Stromversorgung übernimmt. Dabei blockiert der Anschluss jedoch mehr Pins als nötig. Ein handelsüblicher Multiplexer sorgt aber dafür, dass die verbleibenden komplett bereitstehen.

Als Vorteil wäre zu verbuchen, dass der Mini-PC beim Anschluss via SPI hinter dem Schirm verschwinden kann (Abbildung 2). Der HDMI-Anschluss funktioniert üblicherweise normal weiter, was das Schreiben von Programmen vereinfacht.

Treiber

Während HDMI-Schirme zumindest für die Anzeige keine speziellen Treiber benötigen, sieht das bei der SPI-Variante anders aus, sowohl für die Ausgabe als auch für die Touch-Funktion. Inzwischen hat Raspbian für die gängigen Bausteine alle Treiber an Bord. Zudem unterstützen die meisten Schirme den mitgelieferten Standard-Framebuffer-Treiber, den Sie analog zur HDMI-Ausgabe über Einträge in der /boot/config.txt konfigurieren (Listing 2).

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